Kultur oder Betreuung? Theater in Leonberger Altstadt gerettet

Hier wird auch künftig Theater gespielt: Die Bühne im Leonberg Spitalhof. Foto: Simon Granville/Simon Granville

Im Spitalhof werden auch künftig Schauspieler das Sagen haben. Für eine Mensa der benachbarten Schule gibt es einen Neubau.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Gespannt hatten Nicole Bender, Peter Höfer, Andrea Kauderer und andere Mitglieder der Bühne 16 die Ratsdebatte verfolgt. Am Ende stand ihnen die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: Der Gemeinderat schließt sich mit großer Mehrheit der Meinung an, die einige Tage zuvor auch im Leonberger Sozial- und Kulturausschuss überwogen hatte: Das Theater im Spitalhof bleibt was es ist – ein Theater.

 

Das war bis zur entscheidenden Abstimmung nicht ganz sicher. Es hätte auch sein können, dass aus der Bühne und dem Saal eine Mensa der Spitalschule wird. Denn wenn mit dem Schuljahr 2026/27 der Rechtsanspruch von Grundschulkindern auf Ganztagesbetreuung in Kraft tritt, hat das Auswirkungen auf die räumliche Ausgestaltung der Schulen. Eine Mensa ist ist dann überall nötig. Die gibt es in der Spitalschule, direkt am Hang in der Leonberger Altstadt gelegen, bisher noch nicht.

Große Unruhe war im Juli in der freien Kulturszene entstanden, nachdem unsere Zeitung enthüllt hatte, dass die Stadt prüft, den Theatersaal in eine Mensa umzufunktionieren. Nicht nur die die Aktiven der Bühne 16 als langjährige Nutzer waren schockiert. Auch das Vollmondtheater, das die die Bühne in der Altstadt ebenfalls regelmäßig gespielt, sorgte sich um die Zukunft. Genau wie viele andere Gruppen oder auch Schüler der Leonberger Musikschule.

Denn dass die Alte Schuhfabrik, die die Stadtverwaltung als potenzielle Alternative genannt hatte, tatsächlich eine solche ist, wurde nicht nur in der heimischen Theaterszene angezweifelt. Auch in der Kommunalpolitik ist die Zukunft des maroden Gemäuers in der Steinstraße, in dem momentan verschiedene Künstler ihr Atelier haben, umstritten. Eine Sanierung wäre extrem aufwendig und teuer. Auf die jetzt genannten 7,3 Millionen Euro kämen noch große Summen für Statik und Brandschutz hinzu.

Preisunterschied von 8,5 Millionen Euro

Alternativ könnte direkt an der Spitalschule ein zweistöckiger Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens Zwergenburg entstehen. Unten wäre die Mensa, oben Betreuungsräume. Doch auch ein Neubau wäre mit rund 10 Millionen Euro eine kostspielige Angelegenheit. Ein Umbau des Theatersaals zur Mensa wäre hingegen den Berechnungen nach für rund 1,5 Millionen Euro zu haben. So stellte denn jetzt im Gemeinderat Ottmar Pfitzenmaier die Frage, „ob denn Geld überhaupt keine Rolle mehr spielt?“ Immerhin betrage die Differenz zwischen Umbau und Neubau 8,5 Millionen Euro. „Die Umgestaltung des Theatersaals geht am schnellsten“, meinte der SPD-Fraktionschef. „Ein Neubau hingegen ist teuer und kompliziert.“

Ob es tatsächlich bei den anderthalb Millionen Euro bleibt, wurde von Jutta Metz (Freie Wähler) angezweifelt: „Wir werden wahrscheinlich bei einer ähnlichen Summe wie der eines Neubaus landen.“ Und deshalb die Theatergruppen auszulagern sei nicht vertretbar. Die alternativ genannte Schuhfabrik sei eben keine Alternative, weil deren Zukunft völlig unklar sei.

Eine Meinung, der sich Elke Staubach (CDU),Dieter Maurmaier (FDP) und letztlich auch Sebastian Werbke (Grüne) anschlossen, wenngleich dieser seine Bauchschmerzen angesichts des zusätzlichen Flächenverbrauchs nicht verhehlen wollte.

Der Baubürgermeister Klaus Brenner verwies auf die „sensible Umgebung“ mit der alten Stadtmauer und Hanglage. Andere Standorte als das ehemalige Kindergartengelände seien für einen Neubau „nicht machbar“. Um ein möglichst gutes Ergebnis zu bekommen,empfahl der Chef des Baudezernates einen Architektenwettbewerb. Und den soll es jetzt auch geben.

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