Kunstkriminalfall in Stuttgart Dieb erbeutet Ikone aus dem Landesmuseum

Von Wolf-Dieter Obst 

Wo ist das Bildnis der heiligen Olga aus dem 19. Jahrhundert? Kunstfreunde rätseln, wie die Ikone aus dem Landesmuseum im Alten Schloss verschwinden konnte.

Ausschnitt aus dem Bildnis der heiligen Olga, das von Dieben erbeutet wurde. Foto: Landesmuseum Württemberg.jpg
Ausschnitt aus dem Bildnis der heiligen Olga, das von Dieben erbeutet wurde. Foto: Landesmuseum Württemberg.jpg

Stuttgart - Wie schmuggelt man ein auffälliges Tafelbild unbemerkt aus einem Museum? Worin versteckt man eine Ikone, etwa dreiviertel so groß wie eine Zeitungsseite, mit goldenem Grund und verziertem Messingrahmen – ohne große Tasche, ohne Rucksack? Oder ging der Täter so auffällig vor, dass es schon wieder unauffällig war? „Das alles haben wir uns auch schon gefragt“, sagt Heike Scholz, Sprecherin des Landesmuseums Württemberg. Doch eine Antwort zu dem dreisten Kunstdiebstahl im Alten Schloss haben die Verantwortlichen bisher nicht gefunden.

Die heilige Olga ist verschwunden. Das Bildnis der Heiligen von Kiew (920 bis 969), 1889 in Moskau angefertigt, war ein Geschenk zum 25-Jahr-Thronjubiläum des württembergischenKönigspaars Karl und Olga– und war zuletzt Teil der 2012 eröffneten Schausammlung „Legendäre Meisterwerke“ im Landesmuseum. Nun ist die Stelle an einer Seitenwand im zweiten Stock leer. Die Ikone mit einem geschätzten Wert von 5000 Euro ist verschwunden.

Kam der Täter an den Kameras vorbei?

Wann der Dieb zuschlug, ist unklar. Am vorigen Mittwoch, 9. Mai, entdeckte eine Aufsicht bei ihrem Rundgang zur Öffnungszeit gegen 10 Uhr die leere Stelle. Am 6. Mai soll dort noch die Ikone mit der Inventarnummer E 2511 zu sehen gewesen sein, glaubt man der Erinnerung einer Aufsicht. Was der Täter mit Olga vorhat, ist unklar. Ginge es ihm nur ums Geld, hätte er sicher wertvollere Objekte erbeuten können. Vielleicht war aber die Örtlichkeit günstig: „Der betroffene Bereich ist in Teilen nur schwer einzusehen“, sagt Heike Scholz. Immerhin gibt es eine Videoüberwachung, die von der Polizei ausgewertet wird. Womöglich ist ein auffälliger Besucher an den Kameras vorbeigekommen.

Die Ermittlerin des Reviers Innenstadt hat noch keine heiße Spur. Das Beutestück ist 39,3 Zentimeter hoch und 32,5 Zentimeter breit. Hinweise werden an Telefon 07 11 / 89 90 - 31 00 erbeten.

Sonderthemen