Landratswahl in Ludwigsburg Die Kandidaten diskutieren auf Augenhöhe

Von Susanne Mathes 

Am 15. November wird der Nachfolger von Rainer Haas gewählt. Doch wer wird das Rennen als neuer Landrat machen? Nach einer Podiumsdiskussion wird die Entscheidung nicht unbedingt leichter.

Das Landratsamt Ludwigsburg bekommt einen neuen Chef: Am 15. November haben die Kreisräte die Wahl zwischen vier Kandidaten. Foto: Werner Kuhnle
Das Landratsamt Ludwigsburg bekommt einen neuen Chef: Am 15. November haben die Kreisräte die Wahl zwischen vier Kandidaten. Foto: Werner Kuhnle

Kreis Ludwigsburg - Die Kreisräte haben es am 15. November schwer. Und eine gut besuchte Podiumsdiskussion am Donnerstag in der Ludwigsburger Musikhalle hat ihnen die Wahl kaum leichter gemacht: Dort erlebten die Besucher vier bestens präparierte, eloquente, schlagfertige und selbstbewusste Kandidaten um die Nachfolge von Landrat Rainer Haas.

Keiner aus dem Quartett, der an diesem Abend nicht hätte punkten können: Der Umweltwissenschaftler und Ministerialbeamte Christoph Erdmenger (Grüne) als Kandidat mit dem Blick und Impulsen von außen, der Jurist Heiner Pfrommer (parteilos) mit seinen internen Kenntnissen als Sozialdezernent des Landratsamtes, sowie zwei alte Hasen in der Kommunalpolitik des Landkreises: Der Finanzfachmann und Kornwestheimer Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier (CDU) und der Diplom-Verwaltungswirt und Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch (Freie Wähler). Den meisten Beifall erhielt neben den vier souveränen Bewerbern am Ende daher Stephan Wolf von der „Ludwigsburger Kreiszeitung“, die den Abend veranstaltet hatte, für das Fazit: „Ich bin mir sicher: Der Kreis Ludwigsburg bekommt einen guten Landrat.“

Segen und Fluch

Der „Ludwigsburg-sucht-den-Super-Landrat“-Contest auf der Musikhallen-Bühne dürfte für die vier Kandidaten indes Segen und Fluch zugleich gewesen sein: Da inhaltlich und argumentativ kein Aspirant im Vergleich zu den Mitbewerbern abfiel und sich die Positionen zu Themen wie Wohnen, Mobilität, Kliniken oder Pflegekräftemangel manchmal nur in Nuancen voneinander unterschieden, war es kniffelig, sich mit einer dezidiert eigenem Agenda zu profilieren. Immer wieder stimmten sie einander sogar zu.

Zudem: In vielen Belangen hat ein Landrat zwar Positionen, aber nur begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten. Kein Wunder, dass die Beteuerung „Das möchte ich zusammen mit dem Kreistag und den Bürgermeistern angehen“ am Donnerstagabend besonders häufig zu hören war.

VfB-Leistungen und Wein-Vorlieben

Wer auch immer das Rennen macht: An rhetorischem Talent wird es dem künftigen Landrat nicht mangeln. Die Kandidaten bewiesen Nervenstärke und Originalität, als es darum ging, spontan eine Zwei-Minuten-Rede zu einem zuvor unbekannten Thema zu halten – etwa der Begrüßung einer fiktiven Delegation aus der Partnerregion Bergamo oder der 90.-Geburtstag-Eloge auf eine imaginäre Kreisrätin. Jeder fabulierte wort- und gestenreich drauflos, baute sogar kleine Scherze ein. Keiner geriet ins Stottern.

Auch bei der Aufgabe, angefangene Sätze zu beenden, war das Quartett nicht auf den Mund gefallen. Dietmar Allgaier vollendete den Satzbeginn „Beim VfB Stuttgart...“ mit „bin ich ehrenamtlich im Mitgliederausschuss tätig, aber nicht für die sportlichen Leistungen verantwortlich“. „Ein Viertele Trollinger...“ komplettierte Gerd Maisch mit „kann man schon ab und zu trinken, aber ein Lemberger ist mir lieber“.

„Fahrverbote? Wir haben klügere Lösungen“

„Die Stadtbahn-Diskussion mit Herrn Spec war...“ vollendete Heiner Pfrommer mit „sehr intensiv, aber am Ende zufriedenstellend“. Und Christoph Erdmenger finalisierte den Satzanfang „Fahrverbote für Ludwigsburg...“ mit „sind nicht zu erwarten, denn wir haben klügere Lösungen“.

Welche Lösung die Kreisräte für die klügste in der Landrat-Frage halten, wird sich in drei Wochen weisen. Es dürfte höchst spannend werden.