Landtagswahl Stuttgart 2021 Stuttgart – grüner denn je

Landtagspräsidentin Muhterem Aras setzte mit 44,8 Prozent im Wahlkreis I in Stuttgart landesweit ein Ausrufezeichen. Foto: dpa/Felix Kästle

Die Stuttgarter Grünen fahren Spitzenergebnisse ein, die Stuttgarter CDU stellt die Verliererin des Wahlabends. Der Kontrast zwischen Sieg und Niederlage könnte kaum größer sein, findet Lokalchef Jan Sellner.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Stuttgart - Lichte des Wahlergebnisses vom Sonntag mutet es wie politische Comedy an, was die CDU Stuttgart im November erklärte: „Stuttgart ist wieder schwarz.“ Der CDU-Kandidat Frank Nopper hatte – von den Grünen ungefährdet – gerade die Oberbürgermeister-Wahl gewonnen. Vier Monate später ist festzustellen: Stuttgart ist wieder grün. So grün wie 2016, als die Kretschmann-Partei zum ersten Mal alle vier Stuttgarter Direktmandate gewann. Sogar noch um 2,6 Prozentpunkte grüner. Nichts war’s mit dem Schwung für die CDU aus der OB-Wahl, was zeigt, dass jede Wahl gesondert zu betrachten ist und es jeweils auf die Persönlichkeit ankommt.

 

Die Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben die Persönlichkeit Kretschmann gewählt, aber nicht nur ihn. Mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras, die erneut ein Spitzenergebnis erzielte, und Verkehrsminister Winfried Hermann verfügen die Grünen in Stuttgart über profilierte Köpfe. Die weniger bekannten Kandidaten, Staatssekretärin Petra Olschowski und der Grünen-Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand, die erstmals antraten, segelten im breiten Windschatten Kretschmanns komfortabel in den Landtag.

Hermann und Eisenmann trennen 18,1 Prozentpunkte

Dramatisch anders die Lage bei der einst erfolgsverwöhnten CDU: Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann drang bei den Wählern in ihrer Heimatstadt Stuttgart noch weniger durch als im Land. Im traditionell stimmfreudigen Wahlkreis II trennen sie sage und schreibe 18,1 Prozentpunkte vom Grünen-Kandidaten Hermann. Die CDU-Spitzenkandidatin landete bei gerade mal 21,7 Prozent. An ihrer Bekanntheit kann es nicht liegen. Eisenmann ist in Stuttgart verankert: hier war sie viele Jahre als CDU-Stadträtin und Schulbürgermeisterin aktiv und präsent. Jetzt steht sie politisch ohne alles da. Größer kann eine politische Niederlage kaum sein. Und auch nicht schmerzlicher – angesichts mancher Absetzbewegungen in ihrer Partei.

Die Aufmerksamkeit, die die grünen Erfolge und die schwarzen Erschütterungen vom Sonntag erregen, sollen nicht den Blick für andere Ergebnisse des Wahlabends verstellen: Die unübersehbare FDP legt auch in Stuttgart zu, die SPD fällt weiter zurück, die Linke verbessert sich leicht. Und die AfD ist in der Landeshauptstadt nur noch die Hälfte wert – die Quittung für ihr schräges Politikgebaren.

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