Landwirtschaft auf den Fildern Im Felderstreit kommt es zu einer Wende

Dass die Stadt Stuttgart auswärtigen Landwirten die Pacht für Felder gekündigt hat, hat gehörigen Wirbel ausgelöst. Nun gibt es Neuigkeiten, das Echo darauf ist zweigeteilt.

Auf den Fildern tobt ein Verteilungskampf um Fläche. Foto: dpa
Auf den Fildern tobt ein Verteilungskampf um Fläche. Foto: dpa

Filder - Es gibt eine Entscheidung der Stadt im Felderstreit auf den Fildern. Wie berichtet, hatte die Stadt Ende des vergangenen Jahres beschlossen, dass sie Bauern, die keinen Stuttgarter Betrieb haben, die Pachtflächen kündigt. Die Verwaltung begründete dies mit dem zunehmenden Engpass an Feldern für Bauern auf der Filderebene. Besonders betroffen sind laut Stadt Landwirte aus Plieningen, die wegen des Bahnprojekts Stuttgart 21 weitere rund 40 Hektar an Fläche verlieren. Ein kleiner Teil davon liegt auf Möhringer Markung.

Die geplanten Kündigungen hatten in Plieningen und Birkach zu einem Streit geführt. Während Plieninger Bauern sowie der Obmann von Möhringen es begrüßten, dass die Stadt ihnen mit der Maßnahme neue Flächen zur Verfügung stellen könnte, war besonders ein Bauer darüber höchst unglücklich: Walter Schwaiger. Der Landwirt hat eine Haupthofstelle in Plattenhardt, wo er auch lebt. Zudem bewirtschaftet er schon seit Jahrzehnten den Hof seiner Schwiegereltern in Birkach, führt dort einen Hofladen und beackert Flächen auf dem Birkacher Feld. Einen Teil davon hat er seit Jahren von der Stadt Stuttgart gepachtet, und eben jene Äcker standen plötzlich zur Disposition. Schwaiger argumentierte mit Existenzproblemen, würde die Stadt Stuttgart ernst machen.

Der Bauer ist froh, sagt aber, er habe jetzt einen Mehraufwand

Nun hat die Verwaltungsspitze den Bezirksbeiräten von Birkach und Plieningen schriftlich mitgeteilt, dass Schwaiger als Stuttgarter Landwirt eingestuft werde. Er hat laut einer Mitteilung des Bürgermeisters Thomas Fuhrmann seinen Betrieb bei der Landwirtschaftsbehörde Ludwigsburg angemeldet – und gilt damit als Stuttgarter Bauer.

Diese Entwicklung bestätigt Walter Schwaiger auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem sagt er, er sei froh, dass ihm nun die Felder in Birkach nicht weggenommen würden. „Aber ich habe jetzt halt einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand“, sagt er. Das liege daran, dass sein Betrieb nun zweigeteilt sei: ein Teil liege in Birkach, einer in Filderstadt. Letzterer ist beim Landwirtschaftsamt in Nürtingen gemeldet.

Die Landwirte in Stuttgart-Plieningen müssen das Ganze verdauen

Der Obmann der Landwirte in Plieningen, Michael Gehrung, hatte sich in den vergangenen Monaten dafür stark gemacht, dass den Bauern aus Stuttgart die städtischen Flächen verpachtet werden. Dass die Stadt Schwaiger nun als Stuttgarter Landwirt einordnet, kommentiert er nur so: „Ich finde es nicht in Ordnung, wie das gelaufen ist.“ Mehr möchte Gehrung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Sachverhalt sagen. Die Plieninger Bauern müssten die Entscheidung der Verwaltung nun zunächst verdauen.

Laut Christian Ammon vom Referat des zuständigen Bürgermeisters Thomas Fuhrmann stehen nun noch 1,1 Hektar Ackerfläche auf Plieninger Gemarkung zur Disposition. Sie könnten künftig zu Pachtflächen für Stuttgarter Landwirte werden. Den bisherigen Pächtern sei im Frühjahr gekündigt worden, teilt Ammon auf Anfrage mit.

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