Lars Eidinger im Interview Ein bisschen Kommunismus, ein bisschen Glitzer Glitzer

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Lars Eidinger ist gefeierter Schauspieler, Regisseur und DJ. Im Rahmen seiner Konzertreihe „Autistic Disco“ hat er die Wagenhallen in Stuttgart besucht. Wir haben mit ihm über den Untergang der Menschheit, den besten Nagellack, Radikalität und schändliche Werbedeals gesprochen.

Stuttgart - Wenn Kunst an die Börse gehen könnte, dann stünde die Aktie Lars Eidinger momentan sicher hoch im Kurs. Seit fast 20 Jahren spielt sich der gebürtige Westberliner im Ensemble der Berliner Schaubühne immer wieder in die Schlagzeilen des deutschen Feuilletons. Während er auf der Theaterbühne häufig die expressiven Schurken, Psychopathen und machthungrigen Herrscher gibt, zeigt er vor der Kamera gerne den sensiblen, an seiner gesellschaftlichen Rolle verzweifelnden Enddreißiger in Beziehungskonflikten. Jetzt springt Eidinger gar teilweise nackt durch die Videos der Elektrorap-Formation Deichkind und versorgt nebenbei auch noch seine mehr als 100.000 Follower auf Instagram. Da, wo Lars Eidinger ist, ist Kunst und Lars Eidinger scheint dieser Tage überall zu sein.

Gastspiel in Stuttgart

Am vergangenen Freitag legte er im Rahmen seiner DJ-Veranstaltungsreihe Autistic Disco in den Stuttgarter Wagenhallen auf. Wir trafen ihn zuvor zu einem eineinhalb-stündigen Interview, in dem es unter anderem um Nagellack, den Untergang der Menschheit und die fünf Alben ging, die er mit auf den Mars nehmen würde.

Kritik an Werbedeals

Mit Kollegen wie Joko Winterscheid, Klaas Heufer Umlauf und Palina Rojinski geht Eidinger in dem Gespräch hart ins Gericht: „Das kann man echt nicht bringen und ich finde, das müsste auch viel mehr verurteilt werden“, sagt er zu deren Bereitschaft, Werbeverträge mit Firmen wie McDonald’s, H&M oder Porsche abzuschließen. Der Kapitalismus und der Konsum seien eine Sucht, die die Gesellschaft nicht überwinden wolle. Sich selbst könne er da auch nicht ausschließen.

Radikaler Fatalismus

Am Ende des Gesprächs blickt man mit Lars Eidinger verwundert auf eine Welt, die nicht mehr zu retten ist, wie er sagt. Er verweist dabei auf Parallelen zu Shakespeares Richard III., den er in der Berliner Schaubühne verkörpert. Auch jener würde sich auf dem Höhepunkt seiner Macht fragen, warum ihm alle Menschen in den Untergang folgen. „Das ist doch ein totaler Trump Moment“. Mittlerweile sei er 24 Stunden täglich bei Instagram online. Man darf gespannt sein, wohin er seine mehr als 100.000 Follower noch führen wird.

Sehen Sie das ganze Interview hier.




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