Parken in Leonberg In Leutkirch genügt beim Parken lediglich ein Fingertipp

Von Thomas K. Slotwinski 

Ein Modell für die Altstadt? Im Allgäu werden die Gebühren per Smartphone minutengenau abgerechnet

Parkscheine sind in Leonberg umstritten. Foto: dpa
Parkscheine sind in Leonberg umstritten. Foto: dpa

Leonberg - Wer in Leutkirch beim Einkaufen oder beim Café-Besuch die Zeit vergisst und sein Auto im Parkhaus stehen hat, muss sich nicht sorgen. Denn die Parkzeit kann per Klick auf dem Smartphone verlängert werden: In der Stadt im Allgäu gilt jetzt das Handyparken.

Auch in Leonberg wird darüber diskutiert, wie im Altstadt-Parkhaus und in der Hanggarage künftig die Gebühren entrichtet werden. Nachdem das System des Vorab-Bezahlens vor allem wegen der horrenden Strafgelder beim Überziehen der Parkzeit in die Kritik geraten ist, macht sich die CDU mit Verve für das Handyparken stark.

Ergänzung zum Automaten

Allerdings nicht als einzige Möglichkeit, wie Elke Meller von der Senioren-Union betont. Die Handy-Variante sei lediglich als Ergänzung zu den bestehenden Automaten gedacht, an denen mit Münzgeld und per EC-Karte bezahlt werden kann. Zudem halten die älteren Christdemokraten ein modernes Smartphone für nicht zwingend erforderlich. Ein normales Handy, bei dem das Parken per SMS angemeldet werde, sei ausreichend.

Schon vor mehr als anderthalb Jahren hatten sich die Senioren-Union und der Parteinachwuchs Junge Union gemeinsam fürs Handyparken stark gemacht. Diese Initiative mündete in einem parteiübergreifenden Antrag, in dem am 13. März 2017 die Stadt aufgefordert wurde, die technische Realisierung des Handyparkens und die finanziellen Auswirkungen zu prüfen. Danach geschah lange Zeit nichts, bevor die harsche Kritik der Werbegemeinschaft „Faszination Altstadt“ am gültigen Vorab-Parksystem in diesem Juni die Diskussion neu entfachte. Oberbürgermeister Martin Kaufmann (SPD) brachte die Wiedereinführung des Schrankensystems ins Spiel, die CDU drängte erneut aufs Handyparken. Denn die Schranken seien zu störanfällig, zu teuer und auch zu umständlich.

Bewusst ohne Schranken

In Leutkirch wird auf Schranken bewusst verzichtet. Doch die Diskussion über die Parkdauer und deren Abrechnung wurde in der 23 000-Einwohner-Stadt ebenfalls geführt. Ähnlich wie in Leonberg gab es einen starken Wunsch, die genaue Parkdauer erst am Ende zu bezahlen.

Mit dem Handyparken ist nun ein minutengenaues Abrechnen möglich, erklärt der Leutkircher Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle in der Schwäbischen Zeitung. Das bedeutet nicht nur, dass die Parkzeit per Fingertipp verlängert werden kann. Sie kann auch verkürzt werden, kehrt der Fahrer schneller als geplant zum Auto zurück.

Um diese Bezahlmethode zu verwenden, müssen sich die Autofahrer eine App der Firma „EasyPark“ herunterladen, mit der die Stadt Leutkirch zusammenarbeitet.

Für die Kommune und den dortigen Kämmerer ist das Projekt ein gutes Geschäft. Denn die Umstellung hat Leutkirch sozusagen zum Nulltarif bekommen. Sämtliche finanzielle Aufwendungen übernimmt das Unternehmen. Das wiederum sichert sich Einnahmen, indem es bei jeder Nutzung 15 Prozent der Parkgebühren, mindestens jedoch 20 Cent, berechnet.

Und wer sich mit dieser neumodischen Form der Rechnungsbegleichung so gar nicht anfreunden kann: Die Automaten bleiben in den Straßen und Parkhäusern von Leutkirch stehen. Das Smartphone-System ist lediglich ein Zusatzangebot.

App kommt gut an

Eines das sich allerdings einer steigenden Beliebtheit erfreut. Denn die App von „EasyPark“ wird nach Unternehmensangaben bereits in 125 deutschen Städten und im europäischen Ausland angewandt.

In Süddeutschland, so berichtet die Schwäbische Zeitung, kommt die Methode gut an. In Tettnang etwa wurde das Handyparken bereits 2008 eingeführt, die App von „EasyPark“ ist in der 19 000-Einwohner-Stadt in der Nähe des Bodensees seit zwei Jahren in Betrieb. Mittlerweile würde fast die Hälfte der Parker digital bezahlen. Ähnliche Erfahrungen hat die etwa gleich große Stadt Bad Waldsee gemacht. Im oberschwäbischen Kurbad wurde die Park-App im Februar eingeführt.

In Leonberg wird im Herbst entschieden, wie es mit den Parkhäusern und den oberirdischen Plätzen weitergeht. Dass in der Altstadt die Schranke zurückkommt, gilt als unwahrscheinlich. Das alte Exemplar dürfte kaum mehr zu nutzen sein, ein neues wäre zu teuer. Die Kooperation mit einer Spezialfirma liegt da näher.




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