Ein Ludwigsburger Café- und Barbetreiber hat lange an einem Gin ohne Alkohol getüftelt. Was eigentlich nur ein Experiment war, verkauft sich so gut, dass „Lotta“ nun expandiert.

Wein und Sekt ohne Alkohol als neusten Schrei zu bezeichnen, wäre überholt. Und auch die Vielfalt im Bierregal bei Produkten ohne Umdrehung wächst stetig. Immer mehr Konsumenten verlangen nach alkoholfreien Varianten von Getränken, die eigentlich berauschen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: keine gesundheitlichen Risiken, keine Kalorien, kein Kater.

Liebhaber von Gin hatten bislang jedoch relativ wenig Auswahl. Mit „Lotta“ hat der Ludwigsburger Café-Besitzer Manuel Sengenberger, der mit seiner Frau das Bønne gleich hinter der Dreieinigkeitskirche am Marktplatz betreibt, nun eine Gin-Alternative ohne Wumms ersonnen. Wie er darauf gekommen ist? Viele andere würden darüber wohl den Mantel des Schweigens hüllen, Sengenberger spricht es offen aus: eines Abends hatte er sich mit zu viel Alkohol im Blut ans Steuer gesetzt, Gin Tonic hatte er auch getrunken. Prompt hielt ihn die Polizei an. Seinen Führerschein war er erst einmal los, mit Alkohol war auch Sense.

Zwei Jahre Tüftelei für das Geschmackserlebnis

Auf den Geschmack seines Lieblingsdrinks wollte er allerdings nicht verzichten. Deshalb begann er zu tüfteln, erst auf Sirupbasis, irgendwann kaufte er sich eine kleine Destille. Student Leon Gasper, der zweite Gesellschafter der jungen Marke, kellnerte im Bønne und war von der Idee angetan – er stieg mit ein. „Heute wäre die ganze Arbeit alleine gar nicht mehr zu stemmen“, sagt Sengenberger. Unzählige Versuche und fast zwei Jahre später hatte er seine Rezeptur soweit, dass er sie in seinem Café ausschenken konnte, um zu schauen, wie sie ankommt.

Die Leute waren begeistert, im Coronalockdown füllten die beiden die ersten Flaschen von „Lotta“ – benannt nach Sengenbergers Tochter Charlotta – ab. Angeboten wird der Drink inzwischen nicht mehr nur im Bønne, sondern auch in ausgewählten Restaurants in und um Ludwigsburg sowie in kleineren Läden. Zwischen 250 und 300 Flaschen werden mittlerweile produziert.

Viel Erklärungsbedarf und ausgewählte Läden

In großen Supermärkten soll es Lotta erst einmal nicht zu kaufen geben. Dazu sei sie zu „erklärungsbedürftig“, sagt Gasper. Wie man aus der klaren Flüssigkeit einen Lotta Tonic, einen Lotta Gimlet oder einen Lotta Collins mixt, das muss man wissen. Was Manuel Sengenberger zusammengebraut hat, will er im Detail nicht verraten. „Ein Erfrischungsgetränk für Erwachsene“, sagt er. Es handelt sich um ein Hydrolat, also ein Destillat ohne Alkohol – Wacholder ist drin, viel Zitrus. Wichtig sei bei der Herstellung, dass Früchte und Kräuter nicht zu lange durchziehen – sonst entstehe Alkohol. Und gerade das soll ja nicht passieren. Die Zutaten sind regional, sogar die Flaschen kommen aus Tamm. Dass der Drink so kein Schnäppchen ist – ein halber Liter kostet 28,90 Euro – ist den Machern klar. Aber der Geschmack sei so intensiv, dass man auch nicht viel davon zum Mixen brauche, verspricht Sengenberger.

Schmeckt man den Unterschied zum „echten“ Gin?

Die für Gin typischen Noten, eine gewisse Bitterkeit, hat man direkt in der Nase, wenn man die Lotta-Flasche öffnet. Stechende Alkoholnoten, die Gin sonst oft mitbringt, fehlen allerdings. „Wer Gin überhaupt nicht kennt, der wird’s nicht unterscheiden können“, ist sich Sengenberger sicher. Dass seine Frau weder die Variante mit Alkohol noch Lotta möge, bestätige ihn ein Stück weit.  

Sein erklärtes Ziel: die Marke zu einem zweiten Standbein – neben seinem Café – auszubauen. Ideen haben er und Mitstreiter Gasper auch schon einige: alkoholfreier Spritz zum Beispiel. Rum, Wodka, Whiskey – auch das gehe bestimmt. „Wir bringen aber nur ein neues Produkt raus, wenn es eine Daseinsberechtigung hat“, so Gasper. So wie bei „Lotta“ auch.

Weitere Infos sowie Rezepte zu und mit Lotta gibt es online unter: www.lotta-gin.de