„Melodie“ von Cro Gutes Album, schlechtes Album

Cros Album „Melodie“ macht genau das, was es soll: er klingt nach leichtem Leben. In der folgenden Bilderstrecke dokumentieren wir den Aufstieg des aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd stammenden Rappers. Foto: Delia Baum 9 Bilder
Cros Album „Melodie“ macht genau das, was es soll: er klingt nach leichtem Leben. In der folgenden Bilderstrecke dokumentieren wir den Aufstieg des aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd stammenden Rappers. Foto: Delia Baum

Am Freitag ist das zweite Cro-Album „Melodie“ erschienen. Ein gutes Album? Darüber wird gestritten werden. Cro sagt, es sei ihm egal, was die Leute denken. Aus einem ganz einfachen Grund nimmt man ihm das aber nicht ab.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - Könnte man hierzulande wie in Großbritannien beispielsweise auf die erste Chartposition des neuen Cro-Albums wetten – die Quote für einen Einstieg auf Platz eins wäre ziemlich schlecht. Denn dass sich „Melodie“, das an diesem Freitag in die Läden kommt, ganz hervorragend verkaufen wird, ist absehbar. Die erste Singleauskopplung „Traum“ schaffte es auf Platz eins, so wie Cros erstes Album „Raop“ und etliche andere Songs.

 

 

Auf dem Albumcover wird Cro auf eine Büste gehoben. Foto: Chimperator
Hier geht es nicht um eine Wette, sondern um eine Besprechung des Albums, für das die Latte nach dem Wahnsinnserfolg von Raop ziemlich hoch hängt – für Chimperator wie auch den Künstler Cro selbst. Der wird auf dem Albumcover recht selbstbewusst als römische Büste dargestellt, die obligate Pandamaske ist auf einen Sockel gehoben. Das ist natürlich das Mindeste, was das mit Cro groß gewordene Label für seinen Erfolgsrapper tun kann. Doch hält das Album diesen Anspruch ein?

 

 

Wichtig: Beim Thema Cro muss man mindestens zwei Seiten betrachten – zum einen die Musik, zum anderen den kommerziellen Erfolg – Chart- und Radiohits ebenso wie Werbedeals. In der Diskussion um Cro und das, wofür er steht, werden die beiden Aspekte häufig vermischt. In dieser Besprechung des neuen Cro-Albums soll es anders sein.

Gute Stuttgarter Kolchose-Tradition

Zunächst zur Musik. Cro wollte auf „Melodie“ dasselbe wie bei Raop machen, „vielleicht mit ein bisschen mehr Rap“. So hat er es im Interview mit der Stuttgarter Zeitung gesagt und genau das haben Cro und seine Produzenten Christoph Bauss alias Shuko sowie Fridolin Walcher alias Freedo hingekriegt. Die erste Single „Traum“ haben die beiden Produzenten Cro auf den Leib geschneidert und auch mit einem fluffigen Disco-Beat unterlegt. Das ist sehr nah am Zeitgeist und in der Mitte der breiten Straße all jener Hip-Hop-Acts, die gerade den neuen Pop definieren – eben einen, der Rap mitdenkt. Das von Cro selbst erfundene Kunstwort Raop ist vielleicht tatsächlich die beste Genrebeschreibung dafür.

„Ein bisschen mehr Rap“ ist in den ebenfalls von Shuko und Freedo ausproduzierten Songs wie „Cop Love“, „Meine Gang“ oder „Vielleicht“. Das erinnert an die Musik der Kolchose um Freundeskreis, Massive Töne und Co., und ein bisschen scheint da auch DJ Thomilla durch. Späte Neunziger und frühe Nullerjahre also, Cro und sein Team schließen an eine gute Stuttgarter Hip-Hop-Tradition an.

Paragraph Sex

Insgesamt ist das schon in der Standardversion 14, in der Deluxe-Ausgabe 17 Songs lange Album zweigeteilt – hier die Songs mit Stuttgart-Sound, da die an internationalem Produzenten-Pop orientierte Stücke wie „Melodie“ oder „Jetzt“ mit ihrem dichten Sound über straighte Beats, die vielleicht noch besser mit Liveband funktionieren würden.

Textlich wird nicht mehr explizit über Lehrer und die Schule gerappt; dafür gibt es (wieder) viel Zeitgeistiges, Momentaufnahmen, Liebeskummer und Kalauer wie den Songtitel „Never Cro Up“; einmal, im Song „Cop Love“, ist von „Paragraph Sex“ die Rede.

Das werden viele ebenso albern finden wie die vielen Verweise auf Facebook und Instagram. In zehn, zwanzig Jahren werden diese Texte hingegen vielleicht Dokument des Lebensgefühls all jener sein, die genau damit und darin aufgewachsen sind – einfach weil Cro genau das aufgreift und beschreibt, was seine Zielgruppe ausmacht. Also jene Smartphone-Teenies, über die sich kaum jemand aus der älteren Generation ein Urteil erlauben sollte, weil kaum jemand sie versteht, man sie vielleicht gar nicht verstehen kann.




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