Die Umsetzung des Mobilitätskonzepts in Leinfelden-Echterdingen schreitet in großen Schritten voran. Bei der Vorstellung des Jahresberichts gab es allerdings auch Kritik aus den Reihen der Stadträte.

Leinfelden-Echterdingen - Auf den Fildern leben und arbeiten viele Menschen auf dichtem Raum. Bereits im Jahr 2014 hat sich Leinfelden-Echterdingen deshalb auf den Weg gemacht, ein Verkehrskonzept zu entwickeln, um vor allem Alternativen zum Autoverkehr attraktiver zu machen. Ausdrückliches Ziel des Mobilitätskonzepts ist eine Reduzierung des sogenannten motorisierten Individualverkehrs.

Am Dienstag stellte die Leiterin der Rathausabteilung für Verkehrsplanung und Mobilität, Michaela Käfer, ihren umfangreichen Jahresbericht 2021 im Technischen Ausschuss vor. Und auch im laufenden Jahr wird es für die Umsetzung des Mobilitätskonzepts keine Verschnaufpause geben. „Wir haben viel vor, und wir wollen es mit viel Motivation und Energie angehen“, versprach Käfer.

Die Verlängerung der U6 als Meilenstein

Im vergangenen Jahr ist einiges geschehen. Auf neun Handlungsfeldern wurde an der weiteren Umsetzung des Mobilitätskonzepts gearbeitet. Ein Meilenstein zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV war sicher die Eröffnung des Mobilitätspunktes Stadionstraße und die Verlängerung der U6. Die neue Linie wurde am 11. Dezember in Betrieb genommen. Außerdem wurde damit begonnen, alte Buswartehäuschen durch neue, barrierefreie Bushaltestellen mit überdachtem Wartebereich, Radabstellständern und teils sogar digitaler Fahrplananzeige zu ersetzen. Insgesamt wurden 14 dieser neuen Wartehäuschen 2021 aufgestellt. Der Austausch der Bushaltestellen geht in diesem Jahr weiter.

Radfahrer konnten sich im vergangenen Jahr über viele Verbesserungen freuen. So wurden 2021 die Regiorad-Stationen in Oberaichen und Musberg erweitert. Ferner ist auch das vierte Betriebsjahr des Verleihsystems Regiorad Stuttgart an den Bahnhöfen in Leinfelden und Echterdingen erfolgreich gewesen. Zudem wurden an den Mobilitätspunkten in Stetten-Hof und an der Stadionstraße zwei weitere Stationen errichtet. An den neuen Mobilitätspunkten gibt es Radboxen und Sammelgaragen für die Drahtesel.

Das Auto bleibt für viele die erste Wahl

Der Autoverkehr ist ebenfalls Teil des Mobilitätskonzepts. Immerhin bleibt das Auto aktuell für viele Menschen immer noch das Fortbewegungsmittel der Wahl. Eine Entlastung für viele Autofahrer könnte die Osttangente zwischen Leinfelden und Echterdingen bringen. An ihr wurde auch 2021 weiter geplant. Ebenso wurde über mögliche Verbesserungen der Verkehrssituation in Unteraichen nachgedacht, unter anderem durch den Bau der Nordspange.

Ebenfalls auf dem Schirm hat das Rathaus den Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Im November wurde beschlossen, ein externes Büro mit der Ausarbeitung eines Konzepts zu beauftragen.

Das Mobilitätskonzept erntete Lob, aber auch Kritik

Neben viel Lob gab es nach der Vorstellung des Berichts auch einige Kritikpunkte, die von unterschiedlichen Stadträten angesprochen wurden. So bemängelte beispielsweise der Stadtrat Wolfgang Haug (FDP), dass der Citybus nur von wenigen Menschen genutzt wird. „Da wird vor allem warme Luft transportiert“, meinte er. Es sollten die Fahrgastzahlen ermittelt werden. Falls der Bus tatsächlich kaum genutzt werde, sollte das Angebot eingestellt werden, meinten auch die Stadträte Ilona Koch (CDU) und Walter Vohl (Freie Wähler).

Ebenfalls kritisiert wurde die von manchen Stadträten wahrgenommene Fokussierung der Maßnahmen auf den Radverkehr. Für Fußgänger werde vergleichsweise wenig getan, meinte der Stadtrat Haug. Die Stadträtin Ilona Koch wünschte sich ebenfalls mehr Maßnahmen und Aktionen für Fußgänger. „Wir sind arg radverkehrslastig“, meinte sie. Allerdings bemerkte der SPD-Stadtrat Jens Zellmer, dass beim Radverkehr im Gegensatz zum Fußgängerverkehr über viele Jahre zu wenig passiert sei. Die Versäumnisse der Vergangenheit müssten nun nachgeholt werden.