Das elektrische Autofahren wird vorangetrieben. In der Praxis stoßen E-Autofahrer allerdings auf Probleme mit der Ladeinfrastruktur, wie Beispiele aus Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen zeigen.

Leinfelden-Echterdingen/Filderstadt - Der Wechsel vom Verbrennungsmotor hin zu einer alternativen Antriebstechnik wird in Deutschland politisch seit wenigen Jahren forciert. Ein Vorteil dieser Wende liegt auf der Hand: Falls der Strom für die Fahrzeuge aus erneuerbaren Energiequellen stammt, wäre das Autofahren weit weniger klimaschädlich als in den vergangenen Jahrzehnten. Immer mehr Neuzulassungen sind Elektroautos. Auch Eugen Franz aus Filderstadt hat sich kürzlich einen Wagen ohne Verbrennungsmotor gekauft. „Man muss ja umweltbewusst sein“, findet der Pensionär.

Damit Franz fahren kann, muss er nun nicht mehr an einer Tankstelle Sprit zapfen. Dafür muss er die Batterie seines Fahrzeugs mit einem Kabel aufladen, was je nach Ladestand einige Stunden dauern kann. Einen eigenen Ladeanschluss, eine Wallbox, hat Franz bislang nicht in seiner Garage. Zurzeit lädt er seinen Wagen über ein gewöhnliches Stromkabel auf. Darüber hinaus würde er gerne die Ladesäulen der Filderstadtwerke nutzen. Deshalb wollte sich Franz eine Ladekarte der Stadtwerke holen und seinen Wagen damit regelmäßig laden. „Das ist das Naheliegendste“, findet der Filderstädter.

Ladekarten nur für Kunden der Filderstadtwerke

Zu seiner Überraschung hat er von den Stadtwerken jedoch erfahren, dass diese ihre Ladekarten für die E-Ladesäulen nur an Kunden vergeben. „Ich bin bei der EnBW, ich wechsle nicht“, meint Franz. Dass die Ladekarten der Filderstadtwerke nur an Kunden vergeben werden, ist für ihn nur schwer nachzuvollziehen. Immerhin kann an den Ladesäulen auch mit Karten fremder Anbieter (beispielsweise EnBW, ADAC oder vieler Automobilhersteller) Strom „getankt“ werden. Nun möchte Franz sich eine Karte eines anderen Anbieters holen, um damit sein Auto an einer Säule der Filderstadtwerke aufzuladen.

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Die Filderstadtwerke betonen, dass ihre Ladekarten ein besonderer Service für ihre Kunden seien. Wer mit einer Ladekarte der Filderstadtwerke an einer Ladesäule der Filderstadtwerke Strom bezieht, bezahlt derzeit 30 Cent pro Kilowattstunde. Für das Schnellladen werden 50 Cent pro Kilowattstunde abgerechnet.

Generell könnten die Ladesäulen aber von jedermann genutzt werden. „Es ist nicht so, dass Sie ohne eine Karte der Filderstadtwerke nicht bei uns laden können“, betont Bianca Honisch. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Filderstadtwerke. Die Ladesäulen würden auch mit Karten anderer Anbieter funktionieren. Die Preise könnten sich dann allerdings unterscheiden. Wer gar keine Ladekarte habe, könne eine App nutzen und über Paypal oder Kreditkarte bezahlen. „Dann bezahlen Sie allerdings einen Ticken mehr“, sagt Honisch. Derzeit werden auf diesem Wege 40 Cent pro Kilowattstunde abgerechnet.

Stadt genehmigt keine Ladesäule auf privatem Grundstück

In Leinfelden-Echterdingen steht das Thema E-Mobilität auf der Agenda der Stadtverwaltung. „Wir sind unterwegs“, versprach der Oberbürgermeister Roland Klenk während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates im vergangenen Jahr. Die Stadtverwaltung könne allerdings nicht mit einem Fingerschnipp die ganze Stadt mit Ladesäulen versorgen, verdeutlichte der Schultes. Ein Anwohner aus Stetten hatte während der Bürgerfragestunde vor Weihnachten kritisiert, dass ihm die Stadt keine Ladesäule auf seinem Grundstück genehmige. Laut dem Geschäftsführer der Stadtwerke, Peter Friedrich, gibt es am neuen Mobilitätspunkt in Stetten eine neue E-Ladesäule. Weitere seien geplant.

Dem Anwohner aus Stetten geht der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur allerdings nicht schnell genug. Dass ihm die Stadt eine Ladesäule nicht genehmigt, kann er nur schwer nachvollziehen. Private Ladesäulen, die von mehreren Menschen genutzt werden könnten, könnten den kommunalen Ausbau der Ladeinfrastruktur doch unterstützen, erklärte der Mann während der Bürgerfragestunde vor Weihnachten.

Unter diesen Umständen könne er sich kein E-Auto zulegen

Besonders ärgerlich fand der Bürger den Hinweis der Stadt auf einen Bebauungsplan aus dem Jahr 1968. „Das ist nicht mehr State of the Art“, sagte er. In diesem alten Bebauungsplan würden die aktuellen Notwendigkeiten nicht berücksichtigt. Unter den gegebenen Voraussetzungen könne er sich eigentlich kein Elektroauto kaufen, obwohl er das wolle, erklärte der Einwohner.

Doch für die Stadt Leinfelden-Echterdingen ist nicht allein der Bebauungsplan ein Hindernisgrund. Im beschriebenen Fall kommt noch hinzu, dass für das Laden der E-Autos ein öffentlicher Stellplatz hätte herhalten müssen. „Die Stadt wollte keinen Präzedenzfall schaffen“, erklärt der Sprecher Thomas Krämer. Für sich selbst könne der Einwohner eine Wallbox in einer Garage aufstellen, die auch Freunde, Nachbarn und Bekannte nutzen könnten.

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