Mode-Ikone Michelle Obama Die Kleider der First Lady

Von naf/dpa 

Michelle Obama wird nicht nur als äußerst sympathische und humorvolle First Lady in Erinnerung bleiben, sondern auch als Stilikone – ein Rückblick in Bildern.

Michelle Obama gilt als eine der einflussreichsten First Ladys in Sachen Mode. Foto: Getty Images Europe 17 Bilder
Michelle Obama gilt als eine der einflussreichsten First Ladys in Sachen Mode. Foto: Getty Images Europe

New York - Am Morgen nach Michelle Obamas leidenschaftlicher Rede auf dem Parteitag der Demokraten 2012 klingelte bei der Modeschöpferin Tracy Reese das Telefon praktisch ununterbrochen. Das Plädoyer der First Lady für eine Wiederwahl ihres Mannes war auf große Aufmerksamkeit gestoßen, aber die Anrufe galten nicht ihren kraftvollen Worten, sondern dem, was sie anhatte. Ein schimmerndes Etuikleid in Rosé und Silbergrau - das wollten viele Kunden nun auch haben.

Aber es gab ein Problem. „Wir hatten es nicht vorrätig, sondern speziell (für Michelle Obama) angefertigt“, erinnert sich Reese. Und so begann die Produktion. „Viele Leute bewundern Mrs. Obama, und sie wollen sich so wie sie anziehen. Wir haben eine ganz schöne Menge dieser Kleider verkauft“, schildert Reese. Nach ihren Schätzungen waren es mehr als 2000.

Einflussreichste First Lady in Sachen Mode

Die aus Detroit stammende Reese zählt zu den Lieblingsmodeschöpferinnen von Michelle Obama. 20 bis 30 Mal ist die First Lady in Kleidungsstücken ihres Labels fotografiert worden. Aber im Gegensatz zu einigen ihrer Vorgängerinnen, die eine oder zwei namhafte Designer bevorzugten, hat Michelle ihre Gunst auf eine große Zahl verteilt, oft auch weniger bekannte. Und bei besonders großen Anlässen wie der Vereidigung ihres Mannes Barack Obama, bei Parteitagen oder Staatsbanketten hat sie bewusst amerikanische Modeschöpfer gewählt.

So verwundert es denn nicht, dass viele Designer und Branchenkenner Michelle Obama als eine der bisher einflussreichsten First Ladys in Sachen Mode betrachten und sie arg vermissen werden, wenn sie am 20. Januar nach acht Jahren aus dem Weißen Haus auszieht. „Michelle Obama hat alle beachtet“, sagt André Leon Talley vom Magazin „Vogue“. „Sie mochte schwarze Designer, asiatische Designer, europäische Designer...Sie war in der Wahl ihrer Kleidung sehr demokratisch.“

Kostspielige wie preisgünstige Mode

Und das schließt Mode ein, die sich vielleicht auch „normale“ Frauen leisten könnten - wie etwa Strickjacken von J. Crew. „Sie hat sich bemüht, zugängliche Mode zu tragen“, sagt Reese. „Ich glaube, Jackie (Kennedy) war ein großes Vorbild, aber sie hat eine Menge Couture getragen und Sachen, die für die meisten Amerikaner nicht erschwinglich waren.“ Michelle Obama habe dagegen nicht nur kostspielige, sondern auch preisgünstigere Mode gewählt.

Reese ist besonders stolz darauf, dass eine ihrer Kreationen - ein schwarzes Kleid mit leuchtend roten Blumen - im nationalen Museum für Afroamerikanische Geschichte und Kultur ausgestellt ist. Die First Lady trug es bei den Feiern zum 50. Jahrestag des Bürgerrechtsmarsches auf Washington.

Vom ersten Tag an, der Vereidigung ihres Mannes im Januar 2009, demonstrierte Michelle Obama ihre Vielseitigkeit bei der Wahl der Designer. First Ladys vor ihr hatten sich bei diesem Anlass oft für etablierte Luxus-Modeschöpfer wie Oscar de la Renta entschieden. Michelle trug tagsüber ein zitronengelbes Ensemble aus der Schneiderstube der kubanischstämmigen Amerikanerin Isabel Toledo und bei den Amtseinführungsbällen eine weiße, auf einer Seite schulterfreie Abendrobe des taiwanesisch-kanadischen Designers Jason Wu.

Obamas Einfluss auf die Aktienpreise

Vier Jahre später, bei der zweiten Vereidigung ihres Mannes, wählte sie eine geschmeidige Mantel-Kleid-Kombination des amerikanischen Modeschöpfers Thom Browne, bekannt für seine eklektischen Talente, und für den Abend erneut eine Kreation von Jason Wu. „Es war eine Ehre, die First Lady einzukleiden“, so Browne. „Dass sie so stilbewusst ist, liegt an ihrem Selbstvertrauen und ihrer Intelligenz.“

Browne, Toledo, Reese und den anderen war nie im Voraus klar, ob sie ihre Schöpfungen wirklich an Michelle sehen würden oder nicht. „Wir haben ab und zu Anrufe von ihrem Team erhalten“, schildert Reese. „Aber wofür die Sachen waren, wann sie sie tragen würde, das wussten wir nicht genau.“ Aber was immer sie trug - es konnte sicherlich die Karriere des Designers dahinter ändern. „Millionen Menschen mehr als wir sie sonst jemals hätten erreichen können, wurden auf uns aufmerksam“, sagt Reese.

David Yermack, ein Experte für Unternehmensfinanzen an der New York University, hat die Auswirkungen von Michelles Modewahl in ihrem ersten Jahr als First Lady studiert. Er entdeckte einen unmittelbaren Anstieg der Aktienpreise von Designerfirmen, deren Bekleidung sie getragen hatte. Auch die Einzelhändler hätten profitiert. Bei größeren Auftritten habe sich das auf Dutzende Millionen Dollar belaufen können - und es sei mehrere Male vorgekommen.

Michelle Obama hatte keine Hemmungen

Und die Öffentlichkeit, so sagt Yermack, behält im Gedächtnis, was Michelle Obama trägt. „Können Sie sich an das erinnern, was Pat Nixon oder Laura Bush getragen haben? Sie (Michelle) hat die Fähigkeit, das Interesse der Verbraucher auf eine Weise wach zu halten wie es fast niemand anderes kann. Ich habe mich überall umgeschaut - Kate Middleton, Carla Bruni. Niemand kommt in dieser Hinsicht auch nur annähernd an Mrs. Obama heran.“

Was Michelle unterscheidet ist nach Yermacks Einschätzung, dass First Ladys „traditionell versucht haben, in der Art ihrer Bekleidung unauffällig zu sein - sie wollten ihre Ehemänner nicht in den Schatten stellen oder vermeiden, dass man ihnen nachsagt, sie gäben viel für Kleidung aus“. Aber Michelle Obama habe keine derartigen Hemmungen an den Tag gelegt. „Sie hat wirklich einen Einfluss darauf gehabt, wie sich professionelle Frauen kleiden und wie man Spaß an Mode hat (...) - auf eine Weise, wie man es sich niemals bei Rosalynn Carter oder Barbara Bush hätte vorstellen können.“




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