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Motorama in Esslingen Urschrei und Hüftschwung

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Die russische Band Motorama und der Stuttgarter Solokünstler Levin goes lightly haben das Young River Festival in der Esslinger Dieselstrasse eröffnet. Man beschnuppert sich am Anfang, hört traurige Lieder - und dann bricht, mitten im Song, die Hölle los.

 Foto: Jan Georg Plavec 17 Bilder
Foto: Jan Georg Plavec

Esslingen - Als Levin goes lightly zur Eröffnung des Young River Festivals im Esslinger Kulturzentrum Dieselstrasse auf die Bühne steigt, schaut selbst der Tontechniker ein wenig verdutzt. Klar war hier der "David Bowie des Stuttgarter Nordens" angekündigt worden, eine "unglaublich toll durchdachte Kunstfigur". Man hätte also wissen können, was auf einen zukommt. Trotzdem schafft der Stuttgarter Solokünstler mit der tiefen Stimme das, was er mit seiner Show vorhat: er verstört.

Es ist zum einen schön, dass so etwas noch möglich ist. Vor nicht allzu langer Zeit hat Dominik von Gerwald das im Merlin vorgemacht, als er einen Abend sprengte, an dem eigentlich Brecht-Vertonungen angekündigt waren. Von Gerwald stellte sich mit schwarzem Schleier auf eine mäßig ausgeleuchtete Bühne. Jetzt, an diesem Mittwochabend, stellt sich Levin goes lightly auf die helle, für ihn eigentlich zu große Bühne der Dieselstrasse. Heiß ist es da oben, schon nach wenigen Minuten tropft ihm der Schweiß von der gepuderten Stirn. Das schwarze Plastikhemd, das der Hüne trägt, tut sein Übriges.

Man hört jetzt Orgeln

Levin goes lightly, der vor knapp einem Jahr sein Soloalbum im Konzertwaggon am Stuttgarter Nordbahnhof vorgestellt hat, spielt jetzt etliche neue Songs. Der zweite Longplayer ist auf dem Weg, die Songs sind noch ein ganzes Stück monotoner, aber dadurch auch hypnotischer. Man hört jetzt Orgeln, noch mehr psychedelische Gitarren, und Levin goes lightly spielt exzessiv mit dem Delay, das auf seiner tiefen, schweren Stimme liegt. Ja, es ist die richtige Entscheidung, das erstmals ausgetragene Young River Festival so zu eröffnen.

Denn was folgt, ist nicht minder düster, auch wenn die Lichtverhältnisse auf der der Dieselstrasse-Bühne kaum Schattenwurf zulassen und die musikalische Pausenuntermalung zwischendurch sogar aussetzt. Was aber kaum jemand merkt, weil an diesem lauen Frühjahrsabend eh alle draußen stehen.

Der Hauptact des Abends, die russische Band Motorama, steigt ein wenig staksig auf die Bühne. Nein, die fünf Musiker aus der Millionenstadt Rostov-on-Don am Schwarzen Meer sind keine geborenen Showmenschen. Zumindest nicht im Sinne einer Popstar-Inszenierung. Da werden noch Gitarreneffekte eingestellt, verkabelt und ein kurzer Soundcheck gemacht, der erste Song beginnt und irgendwann geht auch das Licht im Publikum aus.