Laurents Hörr, Autorennfahrer aus Gerlingen, will seinen Podiumsplatz beim 24-Stunden-Klassiker Le Mans vom Juni nutzen, um einen Vertrag als Werkpilot zu ergattern.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Meister im Le-Mans-Cup 2019, Titelverteidigung im Jahr darauf und 2021 folgte der Triumph in der European Le-Mans-Series. Laurents Hörr hat in den vergangenen Jahren stattliche Erfolge im Motorsport mit dem luxemburgischen Team DKR Engineering in der Klasse LMP3 eingesammelt – in diesem Jahr startete der Rennfahrer aus Gerlingen erstmals beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans in der höheren LMP2-Kategorie und schaffte es mit seinen Teamkollegen Jean Glorieux (Belgien) und Alexandre Cougnaud (Frankreich) als Dritte gleich aufs Podium. „Das war der Höhepunkt“, sagt der 25-Jährige, „das war ein deutlicher Fortschritt in meiner Karriere.“

Dem Start im legendären Rennen in Frankreich hatte Hörr alles untergeordnet, um sich in einem helleren Scheinwerferlicht zu platzieren. In der asiatischen Le-Mans-Serie, wo er in der kleineren LMP3 fuhr, feierte er lediglich einen Sieg, dreimal schied sein Team wegen technischer Probleme in Führung liegend aus. Seinen Titel in der europäischen Le-Mans-Serie wollte Hörr nicht verteidigen. Wegen seiner Erfolge aus den Vorjahren ordnete ihn der Automobil-Weltverband Fia in der sogenannten Gold-Kategorie ein, was für die Langstreckenrennen in der LMP3-Klasse bedeutet, dass er sich das Cockpit mit zwei Amateuren teilen muss – damit wären die Siegchancen deutlich geschrumpft. In der Saison davor war Hörr noch Silber-Pilot und durfte mit ambitionierteren Piloten im Team fahren. „Es hätte keinen Sinn ergeben, in dieser Klasse unter diesen Vorzeichen anzutreten“, bekennt er, „es wäre verlorene Zeit gewesen.“ Und im Le-Mans-Cup trat der Gerlinger mit einem Kundenfahrer an, sodass von vornherein klar, war dass er in dieser Klasse keine weiteren Siegerpokale einsammeln würde. Er selbst legte in fünf von sechs Rennen zwar die schnellste Rennrunde auf den Asphalt, aber sein Teamkollege konnte niveaumäßig nicht mithalten, sodass am Ende nichts Zählbares vorzuweisen war.

Beim Debüt in Le Mans gleich aufs Podium

Dennoch war 2022 für Hörr alles andere als ein verlorenes Jahr im Bestreben, einen Vertrag als Berufspilot zu ergattern. Le Mans überstrahlte alles, das Prestige des publikumsstärksten Autorennens der Welt mit 250 000 Zuschauern brachte ihm Aufmerksamkeit sowie eine gestiegene Reputation. Der Semiprofi gewann einen neuen Sponsor, der eingestiegen war, weil der Auftritt in Le Mans in der LMP2-Klasse auf dem Programm stand. Ansonsten hielten sich die Unternehmen mit Zuwendungen zurück, nach Corona hemmt der Ukraine-Krieg samt der Energiekrise die Bereitschaft, in Motorsport zu investieren. Nicht nur Hörr, sondern die gesamte Szene leidet unter dieser unternehmerischen Vorsicht. Lediglich die große Formel 1 kann Zuwächse verzeichnen.

Nachdem der Rennfahrer in dieser Saison zum letzten Mal über eine Ziellinie gerast war, kümmert er sich um den Fortgang seiner Karriere – den Kontakt zu Ferrari, wo er 2022 eine Testfahrt in einem hochklassigen GTE-Pro-Fahrzeug erhalten hatte, hielt Hörr am Laufen, zudem führte er Gespräche mit verschiedenen Bossen von Rennställen. Das Ziel lautet: 2023 nicht nur in einem Rennen in einem LMP2-Prototypen am Start zu stehen, sondern eine komplette Saison zu bestreiten – und in den Radar der gut situierten Herstellerteams zu geraten. „Ich bin optimistisch“, sagt Laurents Hörr.