In Brüssel muss ein national-konservatives Event mit hochrangigen Rednern abgesagt werden. Der Organisator sucht nun einen neuen Veranstaltungsort.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Die Rednerliste liest sich wie das „Who is Who“ des europäischen Rechtspopulismus. Stargast ist der ungarischen Premier Viktor Orban, der britische Brexit-Frontmann Nigel Farage soll auftreten, ebenso der französische Rechtsaußen Eric Zemmour und auch der in Deutschland umstrittene Parteigründer und Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen steht auf der Gästeliste.

 

Doch plötzlich ist fraglich, ob das Treffen der Nationalisten und extremen Rechten diese Woche in Brüssel überhaupt stattfinden kann. Die Event-Agentur Edificio teilte am Wochenende mit, dass die geplante „National Conservatism Conference“ nicht im exklusiven Veranstaltungsort Concert Noble im Brüsseler Europaviertel abgehalten wird. Der öffentliche Druck vor allem durch belgische Menschenrechtsorganisationen war offenbar zu groß geworden. Am Ende habe sich sogar der Brüsseler sozialistische Bürgermeister Philippe Close für eine Absage eingesetzt.

Kampf für die Demokratie

Der Vorsitzende der Konferenz, Yoram Hazony von der Edmund Burke Foundation, reagierte empört: „Der Ruf Brüssels als Heimat der europäischen Demokratie steht auf dem Spiel.“ Die Gegner des Treffens nehmen für sich allerdings in Anspruch, genau diese Demokratie in Europa gegen den Einfluss von Rechtsextremen zu verteidigen. Für sie ist es eine bizarre Vorstellung, den Gegnern der Europäischen Union ausgerechnet im Herzen des Brüsseler Europaviertels eine Plattform zu geben. Und sie erwarten nicht nur verbale Angriffe auf die EU, sondern auch hetzerische Reden gegen Migranten, Rechte von Minderheiten und auch die Leugnung des Klimawandels.

Diese Annahme ist nicht völlig unberechtigt. Auf ähnlichen Veranstaltungen in den Jahren zuvor war dies der Grundton vieler Beiträge. Hauptrednerinnen waren dabei etwa die italienische Premierministerin und Postfaschistin Giorgia Meloni oder die französische extreme Rechte Marine Le Pen. Auch hat die Veranstalterin, die Edmund Burke Foundation mit Sitz in Washington DC, einen einschlägigen Ruf. Ihren Auftrag sieht sie nach eigenen Worten darin, die „Prinzipien des nationalen Konservatismus in westlichen und anderen demokratischen Ländern zu stärken“. Zu dem Co-Sponsoren der Veranstaltung zählt auch der von der ungarischen Regierung finanzierte, national-konservative Thinktank MCC, der in Brüssel eine Niederlassung betreibt.

Teure Tickets für die Teilnehmer

Doch mit der Konferenz sollen nicht nur konservative Ideen vorangetrieben und Netzwerke gesponnen werden. Ein sehr wichtiges Ziel ist, es Geld einzusammeln. So kostet das teuerste Ticket 20 000 Euro. Dafür bekommen die Teilnehmer einen Tisch mit zehn VIP-Plätzen. Preiswerter wird es, wenn die Interessierten der Edmund Burke Foundation beitreten, dann ist die Teilnahme inklusive VIP-Ticket schon für 1000 Euro zu haben. Parallel dazu wird offensiv für Spenden geworben.

Am Sonntag schickte Konferenzchef Yoram Hazony schließlich eine Mail an die Teilnehmer, dass die ursprüngliche Veranstaltung wegen des „politischen Drucks“ zwar abgesagt wurde. Aber er versicherte, dass das Treffen an einem „exzellenten neuen Ort“ dennoch stattfinden werde.