Neuer Finanzbürgermeister für Stuttgart Ein früherer Schlagersänger fordert CDU-Mann heraus

Von Josef Schunder 

Für die CDU ist sonnenklar: Ihr Stadtrat Thomas Fuhrmann wird Nachfolger von Michael Föll als Finanz- und Wirtschaftsbürgermeister in Stuttgart. Ein neues Auswahlverfahren und wenigstens ein illustrer Mitbewerber machen die Wahl trotzdem noch ein bisschen spannend.

Peter Rist, ein Schlagerfan aus dem Allgäu, tritt zur Bürgermeisterwahl in Stuttgart an. Foto: privat
Peter Rist, ein Schlagerfan aus dem Allgäu, tritt zur Bürgermeisterwahl in Stuttgart an. Foto: privat

Stuttgart - Diesen Bewerber kann man, wenn man will, leicht belächeln. Nein, nicht den CDU-Stadtrat Thomas Fuhrmann, der nach dem Willen seines Fraktionschefs Alexander Kotz an diesem Donnerstag vom Gemeinderat zum Nachfolger von Michael Föll als Bürgermeister für Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen gewählt werden soll. Vielmehr Peter Rist (49). Das ist ein Schwabe aus dem Allgäu und Schlagersänger, weshalb die Medien ihm den Titel „Singender Bürgermeister“ verpassten, als er Finanzdezernent in Reutlingen war.

Dort soll Rist sogar Teile einer Haushaltsrede gesungen haben, hieß es einmal. Das ist wie geschaffen dafür, den parteilosen Bewerber um den Job im Stuttgarter Rathaus als besseren Spaßkandidaten zu betrachten. Doch da spielt Rist nicht mit. Bei der Präsentation seines letzten Doppelhaushalts in Reutlingen habe er gar nicht gesungen, sagt er, nur „mit Sprechgesang 20 Liedtitel eingebaut“, weil er interessante Reden halten wolle. Jetzt in Stuttgart will er sich aber als Fachmann einführen – und am Donnerstag sicher nicht singen.

Warum will Rist zurück ins alte Genre?

Stuttgarts neuer Finanzbürgermeister sollte möglichst schon Führungsverantwortung just auf diesem Gebiet innegehabt haben, meint Rist. Er wird sogar noch deutlicher: In Köln habe schon mal ein Regierungspräsident das Wahlergebnis kassiert, weil es beim neu gewählten Finanzbeigeordneten „außer der kommunalpolitischen Mitarbeit im Stadtrat und im Finanzausschuss keine Verbindungen zum Anforderungsprofil eines Kämmerers“ gegeben habe. In Stuttgart gebe es außerdem viel Schwieriges zu tun. Der Rat müsse „den Besten wählen, weil Stuttgart den Besten braucht“.

Manche Fraktionen rätseln hier allerdings, warum sich Rist im Jahr 2013 in Reutlingen von Finanzen und Zahlen verabschiedete, sich für das Schlagersingen, für CD-Aufnahmen und für eine Familienphase entschied, nun aber plötzlich zurück will ins alte Genre. „Ganz einfach“, sagt Rist, „mein Vater hatte gebeten, dass sich in seinem Alter eins der Kinder um ihn kümmert.“ Inzwischen ist der Vater gestorben, die Musik nicht mehr des Sohnes Hauptding – und Rist wieder bereit. Auf die Aufgabe in dieser besonderen Stadt habe er sogar hingearbeitet, behauptet er: „Ich ahnte, dass Föll keine weitere Amtsperiode will. Ich wusste natürlich nicht, ob er früher geht. Aber ich wollte bereit sein.“

Neues Verfahren nach schlechten Erfahrungen

Chancen räumt ihm wohl niemand ein. Völlig ausschließen kann aber auch niemand, dass Rist Stimmen abzieht, obwohl die Fraktionen das Vorschlagsrecht der CDU für diese Postenbesetzung klar akzeptieren. Am 26. Mai findet die Gemeinderatswahl statt. Mancher Stadtrat könnte daher am Donnerstag entscheiden, man müsse die CDU in dieser Phase nicht gerade mit einem glänzenden Bürgermeister-Wahlergebnis aufwerten. Fuhrmanns Erwartungen beschränken sich jedenfalls auf das Notwendige: 31 von 61 möglichen Stimmen – und dann so viel obendrauf wie möglich.

Früher herrschte, wenn der Gemeinderat Bürgermeister bestimmte, noch weniger Spannung. Wenn die Gruppierungen sich einig sind, können sie nämlich vorab Bewerber von der Vorstellungsrunde und der Wahl ausnehmen. Doch 2018, als die Wiederwahl von Isabel Fezer (FDP) anstand, passierte etwas, was die Praxis veränderte: Da überraschte Bernd Klingler (BZS 23) mit dem Antrag, den zuvor aussortierten Dauerbewerber Ulrich Raisch doch noch teilnehmen zu lassen. OB Fritz Kuhn (Grüne) ließ es zu. Jetzt, bei der Bestimmung des neuen Finanzbürgermeisters (ohne Fölls bisherige Funktion als Erster Bürgermeister) haben Kuhn und die Fraktionen fürs Finale alle zugelassen, die sich bewarben und formal wählbar sind. Die Wahl soll rechtssicher ablaufen, das Ergebnis nicht überprüft werden müssen. Also werden diesmal voraussichtlich drei Bewerber bis zu zehn Minuten sprechen können. Außer Fuhrmann und Rist ist das der Mathematiker Ulrich Weiler, der bei der OB-Wahl 2012 genau 764 Bürgerstimmen erhielt. Bis Ende vergangener Woche lagen noch Bewerbungen von zwei weiteren Männern vor, doch sie zogen am Montag zurück.

Im Eiltempo die Kanzlei auf den Abschied vorbereitet

Fuhrmann (47) darf, weil im Abc am weitesten vorne, als Erster ran. Gegen seine Person gibt es nirgendwo Bedenken. Auch dass er ins Amt hineinwachsen kann, hält man ihm zugute. Daher gilt er als sicherer Sieger. Seit seiner Ausrufung als CDU-Kandidat hatte er dennoch aufregende Wochen. Weil rasch die Etatberatungen vorbereitet werden müssen, soll er gleich am Freitag anfangen. Also musste er im Eiltempo seine Kanzlei in Hofen auf seinen Abschied vorbereiten, obwohl er noch nicht zum Bürgermeister gewählt war. Ein merkwürdiges Gefühl, sagt er, dabei fühlt er sich durch seinen Werdegang – Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst, Studium zum Diplom-Verwaltungswirt, Jurastudium und Tätigkeit als Verwaltungsjurist – gut für den Job gerüstet.

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