Nürtingen In Grafeneck vergast

Elsa S. lebte bis zum Sommer 1939 bei ihrer Mutter in Nürtingen. Foto: Stadt Nürtingen
Elsa S. lebte bis zum Sommer 1939 bei ihrer Mutter in Nürtingen. Foto: Stadt Nürtingen

Die Nürtinger Gedenkinitiative für die Opfer des Nationalsozialismus erinnert an Elsa S. Ihre Familie konnte sie nicht aus den Händen der Nazis befreien.

Esslingen: Wolfgang Berger (ber)
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Nürtingen - Politisch Verfolgte, Juden, Zwangsarbeiter – die Gedenkinitiative für die Opfer und Leidtragenden des Nationalsozialismus in Nürtingen hat in den vergangenen Monaten an bewegende Einzelschicksale erinnert. Mit Elsa S. würdigen die Initiative und die Stadtverwaltung Nürtingen am „Denkort“ vor der Kreuzkirche jetzt Elsa S., die 1940 wegen ihrer psychischen Erkrankung in Grafeneck von den Nazis vergast worden ist.

Die Familie hat von Gräueltaten auf der Alb gehört

Ihre Familie hatte noch im Oktober 1940 versucht, Elsa nach Hause zu holen, nachdem sie von Gräueltaten auf der Alb gehört hatten. Denn trotz aller Geheimhaltungsbemühungen war in der Bevölkerung bekannt geworden, dass in Grafeneck Behinderte und Kranke ermordet wurden. Allein im Dezember 1940 wurden dort mehr als 500 Menschen vergast, im gesamten Jahr 1940 waren es mehr als 10 000 körperlich und geistig behinderte Menschen, die dort Opfer dieser furchtbaren Vernichtungsaktion wurden.

In der menschenverachtenden Sprache der Nazis sollten all die „nutzlosen Esser und Ballastexistenzen ausgemerzt“ werden, „die in Irrenhäusern verwahrt und für das Reich von keinem Nutzen mehr waren“, erklärt Anne Schaude, die für die Gedenkinitiative das Schicksal von Elsa S. aufgearbeitet hat. Besonders nach Kriegsbeginn hatte die Forderung Hitlers, Ärzte, Pfleger, Krankenbetten und andere Einrichtungen für kriegswichtige Zwecke „freizustellen“, höchste Priorität.

Als Todesursache wird eine Hirnhautentzündung behauptet

Der Antrag der Familie auf Entlassung wurde abgelehnt. Elsa S. wurde dann von Weinsberg – dort war die sogenannte Zwischenanstalt auf dem Weg in die Gaskammer – nach Grafeneck verlegt. Dies geschah am 10. Dezember 1940. „Da die Patienten in der Tötungsanstalt in der Regel am Tag ihres Eintreffens ermordet wurden, fälschte man dort die Daten, um eine möglicherweise in der Öffentlichkeit bekannt werdende Häufung von Todesfällen zu vermeiden“, erklärt Anne Schaude.

Der 17. Dezember 1940 ist als „offizieller“ Todestag beurkundet. Im selben Monat erhielt die Familie die Nachricht von Elsas Tod. Ihre Tochter und Schwester sei angeblich an „einer plötzlich eingetretenen Gehirnhautentzündung“ gestorben, teilten die Nazis mit.




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