OB-Wahl in Leinfelden-Echterdingen Diese Frau will Oberbürgermeisterin werden

Birgit Mertens möchte Oberbürgermeisterin in Leinfelden-Echterdingen werden. Bisher ist sie die einzige Frau in einem Bewerber-Quartett. Foto: privat Foto:  

Bisher haben drei Männer ihre Bewerbung für den Chefsessel im Rathaus von Leinfelden-Echterdingen abgegeben. Nun tritt mit Birgit Mertens auch eine Frau bei der OB-Wahl an. Wer ist sie?

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Bisher haben mit David Armbruster, Otto Ruppaner und Raiko Grieb drei Männer erklärt, dass sie Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen werden wollen. Kurz vor Ablauf der Frist hat nun auch Birgit Mertens ihre Bewerbung im Rathaus abgegeben. „Wir haben uns für einen kurzen, aber intensiven Wahlkampf entschieden“, sagt sie. Damit tritt auch eine Frau bei der OB-Wahl an.

 

Ihre Einstellung dazu: „Frauen machen Dinge nicht besser als Männer, aber anders.“ Sie würden beispielsweise andere Fragen stellen als Männer und bei der Suche nach Problemlösungen vernetzter denken. „Ihr schafft das, ihr könnt das“, mit diesen Worten ermutigt sie Frauen, Verantwortung in den Kommunen, in der Politik zu übernehmen. Sie hat hierfür eine Art Mentorinnen-Funktion.

Seit mehr als sieben Jahren Bürgermeisterin

Der erste Eindruck von der Oberbürgermeisterkandidatin: Die 50-Jährige ist ein superfröhlicher Mensch. Sie kann ohne Punkt und Komma reden und wirkt dabei sehr sympathisch. Fachkompetenz und Humor – das müssten ein Rathauschef beziehungsweise eine Rathauschefin mitbringen, findet sie. Birgit Mertens weiß, wovon sie spricht. Denn sie ist bereits seit mehr als sieben Jahren Bürgermeisterin in Niefern-Öschelbronn.

Die Gemeinde hat 12 600 Einwohner, also deutlich weniger als Leinfelden-Echterdingen und liegt im Enzkreis an den Pforten des nördlichen Schwarzwalds. Dennoch ließen sich Parallelen zwischen den beiden Kommunen ziehen, findet Birgit Mertens. Beide Orte „liegen direkt an der Autobahn 8, haben viel Flora, Fauna und den Schönbuch vor der Haustüre“, sagt sie. Beide Kommunen seien sehr wohlhabend, hier gelte es im Blick zu halten, dass man die Finanzen langfristig für die kommenden Generationen sichert und dennoch beispielsweise in die Kinderbetreuung investieren kann.

Ilona Koch, die Fraktionschefin der CDU, der es am Herzen lag, eine Frau für den Oberbürgermeisterposten in Leinfelden-Echterdingen zu finden, hat Birgit Mertens angesprochen. Die Anfrage hat die Bürgermeisterin zunächst überrascht. Sie ist keine Christdemokratin. Die Parteilose sitzt für die Freien Wähler im Kreistag des Enzkreises. Eigentlich wollte sie im kommenden Frühjahr in ihrer Gemeinde wiedergewählt werden. Sie hat um Bedenkzeit gebeten, hat sich intensiv mit Leinfelden-Echtendingen beschäftigt und sich dann entschieden, die Chance, Oberbürgermeisterin zu werden, nicht ungenützt verstreichen zu lassen. „Leinfelden-Echterdingen ist eine mega attraktive Stadt“, sagt sie. Mit der Messe, dem Flughafen, den Stadtwerken, der Filderhalle und der Nähe zu Stuttgart würden in dieser Stadt sehr spannende Themen gebündelt. Gleichzeitig habe jeder der Teilorte seine eigene Historie, die liebevoll gepflegt werde. Auch das kennt sie schon aus Niefern-Öschelbronn. „Das hat Charme, birgt aber auch Konflikte.“

Birgit Mertens bringt knapp 30 Jahre Verwaltungserfahrung mit. Sie war beim Bund, beim Land und der Kommune. Ihren Führungsstil beschreibt sie als intentional. Sie will also weder eine autoritäre Rathauschefin sein noch ihren Mitarbeitenden eine zu lange Leine lassen. Als Krisenmanagerin sei sie geübt, schließlich schlittert die Welt seit Jahren von einer Krise in die Nächste. Zu wenig Kindergartenplätze in der Gemeinde, die Kommunen müssen immer mehr Geflüchtete aufnehmen: Aufklärung und Information hält sie in beiden Fällen für extrem wichtig. „Alle Beteiligten müssen ins Boot geholt werden“, sagt sie. Und: „Das A und O ist, die Menschen mit ihren Themen ernst zu nehmen.“ Wichtig ist ihr auch zu betonen: „Ich werde keine Wahlversprechen machen. Denn die kann man nicht halten.“

Zwei erwachsene Kinder und ein Hund

Birgit Mertens kommt gebürtig aus Aachen in Nordrhein-Westfalen. Sie hat zwei erwachsene Kinder und hat im Sommer zum zweiten Mal geheiratet. Bilder von ihrer Hochzeit hat sie auf Instagram gepostet. Dort erfährt man auch, dass sie einen Hund hat. „Ein alter Rüde ist das. Er heißt Loriot, wie der Herr von Bülow“, sagt sie. Seit kurzem ist sie auch bei TikTok unterwegs.

Sie hat kein Problem damit, zumindest einen Teil ihres Privatlebens via Social-Media in die Öffentlichkeit zu tragen. „Als Bürgermeister müssen wir diese Medien bespielen, um die Bürger zu informieren.“ Sie will dabei menschlich bleiben, ein realistisches Bild zeichnen – also nicht nur politische Themen lancieren, sondern auch zeigen, dass sie Großmutter, Mutter und Ehefrau ist.

In Leinfelden-Echterdingen wird Birgit Mertens von Montag, 6. November, an auf den Wochenmärkten, vor Supermärkten und Baumärkten anzutreffen sein. Alle Termine sind vom 4. November an auf ihrer Homepage unter der Internetadresse https://www.mertens4le.de zu finden.

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