OB-Wahlen in Ludwigsburg Ein Student will Oberbürgermeister werden

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Jakob Novotny ist Student, 26 Jahre und studiert an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Er fordert Werner Spec als OB bei der Wahl am 30. Juni heraus – und will mehr Sozialwohnungen bauen.

Der 26-jährige Student Jakob Novotny kandidiert bei der OB-Wahl am 30. Juni – und will junge Menschen wieder stärker für Politik begeistern. Foto: factum
Der 26-jährige Student Jakob Novotny kandidiert bei der OB-Wahl am 30. Juni – und will junge Menschen wieder stärker für Politik begeistern. Foto: factum

Ludwigsburg - Seine Kandidatur für das höchste Amt der Stadt hat der 26-Jährige auf der Video-Plattform Youtube erklärt. „Hallo liebe Ludwigsburger“, erklärt er zu Beginn des knapp fünfminütigen, professionell gedrehten Videoclips. Ja, er will tatsächlich bei der OB-Wahl am 30. Juni antreten: Jakob Novotny bezeichnet sich als parteilos, tritt aber mit einer eher linken Agenda an: kostenloser Nahverkehr, kostenlose Kitas, bezahlbarer Wohnraum für alle in Ludwigsburg.

Wer ist dieser junge Mann, der neben dem Amtsinhaber Werner Spec (Freie Wähler) und dem Kemptener Professor Matthias Knecht in den Wahlkampf zieht? Seine Eltern stammen aus Tschechien, weshalb man seinen Namen auch mit einem Akzent auf dem y schreiben kann. Der Vater ist Tennislehrer, die Mutter Erzieherin, Jakob Novotny ist in Aalen im Ostalbkreis aufgewachsen. Schon als Jugendlicher hat er leidenschaftlich gern Tennis gespielt – und tut das immer noch, auf Oberliga-Niveau.

Ein Jahr, um ein WG-Zimmer zu finden

Folgerichtig ist er 2014 nach Ludwigsburg gekommen, um an der Pädagogischen Hochschule Sport und Politik zu studieren. Dabei hat er schon ein Problem kennengelernt, das der 26-Jährige nun ins Zentrum seiner Kampagne rückt: die Wohnungsnot. „Ich habe ein Jahr gebraucht, um ein WG-Zimmer zu finden“, berichtet er. Wohnen im Stuttgarter Ballungsraum, das sollte seiner Meinung nach für alle möglich und bezahlbar sein.

Politisch engagiert hat er sich schon früher, etwa in der Fachschaft Sport an der Hochschule. Oder in verschiedenen Parteien. Bei den Linken war er sogar einige Jahre lang Mitglied und hat in der sogenannten Ökologischen Plattform der Partei Umweltpolitik propagiert.

Novotny war schon bei der Linken

Doch die starren Institutionen der Parteiarbeit liegen dem jungen Mann nicht, er verließ die Linke Ende 2018 wieder. „Ich will Menschen ansprechen, die sonst nicht wählen gehen“, sagt er. So entstand die Idee, bei der OB-Wahl eine dezidiert linke Alternative anzubieten. Wobei er das nicht parteipolitisch meint, sondern an Themen festmacht: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, mehr Geld für Bildung.

Das sind nationale Themen – was aber würde Novotny machen, sollte er tatsächlich zum Stadtoberhaupt gewählt werden? Dazu hat er klare Vorstellungen. „Ich würde in der ersten Woche eine Krisensitzung einberufen“, sagt er. Die Stadt müsse deutlich mehr Sozialwohnungen bauen. Dabei kritisiert er den Amtsinhaber Werner Spec: Der habe zwar mit Bosch und Porsche attraktive Firmen angelockt, aber nicht für ausreichend Wohnraum gesorgt. „Warum werden im ehemaligen Nestle-Areal nicht nur verdichtete Wohnungen gebaut?“, fragt der 26-Jährige. Das müsse die absolute Priorität sein.

Kostenlose Busse und Kindergärten

Überhaupt, die Prioritäten: das ist sein Thema. Als OB von Ludwigsburg kann er nicht – wie er es gerne würde – die Vermögenssteuer wieder einführen. Aber er will die Gewichte verschieben, Geld ausgeben für gebührenfreie Kindergärten oder kostenlose Busse. Dafür soll auf Prestigeobjekte verzichtet werden.

Die Kampagne des PH-Studenten läuft schnell an. Mit Youtube-Videos will er Botschaften unter die jungen Leute bringen, die seine primäre Zielgruppe sind, und die sozialen Netzwerke nutzen. Aber auch Plakate und Flyer sollen gedruckt werden. „Ich will Klinken putzen und von Haus zu Haus ziehen“, sagt Novotny. Ein kleines Team hat er um sich versammelt, aber natürlich keine professionelle Infrastruktur mit finanzieller Ausstattung.

Der Kandidat will eine Initiative starten

Glaubt er wirklich daran, gewählt zu werden? „Sonst würde ich nicht antreten“, sagt der 26-Jährige und schmunzelt. Er ist aber auch realistisch genug, seine Chancen einzuschätzen. „Ich will eine Alternative zu den etablierten Kandidaten anbieten“, sagt der Student. Seine Hoffnung ist, dass aus der Kampagne eine aktive Gruppe von jungen Menschen entsteht, die sich in die Kommunalpolitik einbringen.

Als OB jedenfalls, das stellt er klar, wäre er für radikale Transparenz: Die Bürger sollen in allen Fragen mitreden dürfen. Für dieses Ziel kämpft Jakob Novotny – und das mit ernsthaften Absichten.