Die Oberbürgermeisterwahl in Leinfelden-Echterdingen rückt immer näher. „Viele haben schon gewählt oder wollen jetzt ihre Briefwahl-Umschläge am Rathaus einwerfen“, hat Raiko Grieb – einer der sechs OB-Kandidaten beobachtet. Der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Süd legt auf den letzten Metern des OB-Wahlkampfes dennoch eine Schippe drauf. Auf seiner Internetseite wird er nun sieben Themenschwerpunkte veröffentlichen, die er in seinen ersten 100 Tagen als Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen zumindest anstoßen will, wenn er denn am 3. Dezember gewählt werden sollte. Zur Erinnerung: Der Grünen-Stadtrat David Armbruster hatte sein Wahlprogramm als erstes verteilt, Otto Ruppaner, zurzeit Bürgermeister in Köngen, hat mit seinem Zehn-Punkte-Plan nachgezogen.
Wertschätzung steht ganz oben auf der Liste
Wertschätzung für die Mitarbeitenden hat Raiko Grieb ganz oben auf sein Sofortprogramm geschrieben. Mit den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung will er die Priorisierung der geplanten Projekte in der Stadt überprüfen. Um Leinfelden-Echterdingen familienfreundlicher zu machen, möchte Grieb die Sanierung und Erweiterung von Schulen vorantreiben. Um die Situation der Kinderbetreuung in Leinfelden-Echterdingen zu verbessern, müssten die Ergebnisse der Mitarbeitendenbefragung und die Ideen aus der Denkwerkstatt zur Kinderbetreuung mit Umsetzungsmaßnahmen hinterlegt werden.
Sein vierter Punkt ist der Wohnungsbau: Hier möchte er mit der Verwaltung ein Konzept erarbeiten, wie man mit den vielen Leerständen umgeht. Er möchte den Startschuss für die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft geben.
In Sachen Mobilität plant er, Gespräche mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zum „VVS-Rider“ zu führen. Der Kleinbus fährt auf Bestellung und holt Fahrgäste in Leinfelden und Echterdingen ab. Grieb will über eine Ausweitung des Angebotes auf Stetten, Musberg und Oberaichen reden. Er möchte zudem die Sportgemeinschaft zu einem Spitzengespräch einladen. Dabei soll es um Hallenkapazitäten und eine mögliche Entlastung der Vereine durch eine Entbürokratisierung gehen.
Grieb will die Bürger mehr beteiligen. „Wenn ein Spielplatz saniert wird, soll es künftig Standard sein, dass Kinder und Eltern gefragt werden, bevor der Landschaftsarchitekt den ersten Plan macht“, sagt er. Mit ihm als Oberbürgermeister soll es fortan alle zwei, drei Jahre eine Jugendkonferenz geben. Er will dem Gemeinderat den Vorschlag machen, regelmäßig eine Einwohnerversammlung einzuberufen. Grieb möchte auch kleine Anregungen aus der Bevölkerung ernst nehmen. So gelte es, auf dem Unteraichener Friedhof morsche Bänke auszutauschen, in Musberg fehle ein Basketballkorb...
Mit Verwaltungserfahrung punkten
Birgit Mertens, Bürgermeisterin in Niefern-Öschelbronn und einzige Frau unter den OB-Kandidaten, kann man aktuell auch beim Yoga kennenlernen. Sie bietet sehr viele Termine an, hat aber weiterhin kein Wahlprogramm. Die Parteilose, die von der CDU, aber auch von FDP-Frauen und örtlichen Unternehmerinnen unterstützt wird, will vielmehr mit ihrer Verwaltungserfahrung punkten. „Leinfelden-Echterdingen hat viele, tolle Projekte und Konzepte in der Schublade, die man jetzt auch angehen sollte“, sagt sie. Dabei sei der Dreh- und Angelpunkt die Effizienz und die Kommunikation. Die Projekte müssten in einen Guss gebracht werden, ein Fahrplan für die Gesamtstadt entwickelt werden. Aber auch Birgit Mertens nennt auf Nachfrage mittlerweile fünf „Top-Highlights“, deren Umsetzung sie für besonders wichtig erachtet.
Kitaplätze sollten ausgebaut, Fachkräfte dafür gewonnen und gehalten werden. Bezahlbarer Wohnraum müsse geschaffen werden. Dazu will sie als mögliche künftige Oberbürgermeisterin mit Baugenossenschaften und sozialen Wohnungsbauträgern in den Austausch gehen. Die Nord-Süd-Straße müsse konsequent umgesetzt werden, die ÖPNV-Anbindung und die Fahrradstraßen müssten optimiert werden. Auf lange Sicht wolle sie einen Treffpunkt für die Jugend entwickeln. Eine neue Mitte zwischen Echterdingen und Leinfelden als eine Art Bürgerpark fände sie außerdem erstrebenswert.