ÖPNV in Nürtingen Stadtticket schiebt den Nahverkehr an

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Ludwigsburg hat es vorgemacht, nun wird auch in Nürtingen über verbilligte Fahrscheine diskutiert.

Auch in Nürtingen sollen mehr Menschen zum Busfahren gebracht werden. Foto: Horst Rudel
Auch in Nürtingen sollen mehr Menschen zum Busfahren gebracht werden. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Noch gut zwei Wochen, dann wird in Esslingen das Stadtticket für den Nahverkehr eingeführt. Für drei Euro können vom 1. April an Fahrgäste einen ganzen Tag lang die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Für Gruppen bis zu fünf Personen gibt es eine noch günstigere Variante: Das Gruppenticket kann für sechs Euro über die VVS-App, an Fahrkartenautomaten, Verkaufsstellen und bei den Esslinger Busfahrern gekauft werden.

Esslingen stellt eine Million Euro zur Verfügung

Das Stadtticket wird nun in immer mehr Städten der Region diskutiert. So wie seit kurzem in Leinfelden-Echterdingen gibt es jetzt auch in Nürtingen Überlegungen, das Zuschusssystem vom nächsten Jahr an einzuführen und somit mehr Menschen zum Umsteigen auf den Öffentlichen Personennahverkehr zu bewegen. So wie auf den Fildern, wird auch im Gemeinderat der Hölderlinstadt mit einer Entscheidung noch im ersten Halbjahr 2019 gerechnet. Denn soll es mit der Einführung des Stadttickets zum 1. Januar klappen, braucht es in Zusammenarbeit mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) eine Vorlaufzeit von etwa einem halben Jahr.

Dabei geht es um eine ganze Stange Geld. In Leinfelden-Echterdingen beispielsweise, wo die Idee aus dem Jugendgemeinderat heraus in die Kommunalpolitik eingespeist worden ist, würde das Tagesticket die Stadt pro Jahr rund 200 000 Euro kosten. Und in Esslingen, wo die vergünstigten Fahrpreise bis Ende 2020 getestet werden, stellt die Stadt jährlich rund eine Million Euro zur Verfügung. Fahrgäste können in Esslingen mit dem Stadtticket nicht nur in die Busse einsteigen, sondern auch in die S-Bahnen zwischen den Haltestellen Mettingen und Zell.

Die VVS-Tarifzonen werden übersichtlicher

Esslingen lehnt sich bei der Einführung des Stadttickets an das Ludwigsburger Modell an. In der Barockstadt gibt es das Angebot seit dem 1. August 2018. Die Stadt ermöglicht das verbilligte Fahren mit den Öffentlichen durch einen Zuschuss von 650 000 Euro pro Jahr. In der Pilotstadt Ludwigsburg läuft das Projekt bis zum Jahresende. Dann soll Bilanz gezogen und entschieden werden, wie es weiter geht. Neben den genannten Städten gibt es weitere Kommunen in der Region, die abseits des Stadttickets Vorstöße für einen verbilligten Nahverkehr unternommen haben.

Herrenberg (Kreis Böblingen) beispielsweise ist neben Essen, Bonn, Mannheim und Reutlingen eine von fünf Modellstädten, die an einem Programm der Bundesregierung für saubere Luft teilnehmen. In Herrenberg hatte es zuvor schon ermäßigte Fahrpreise gegeben, das Pilotprojekt war dann mehrfach verlängert worden. Und zum 1. April werden die bisherigen 52 Tarifzonen im VVS auf fünf Ringzonen reduziert. Das Tarifsystem soll dadurch übersichtlicher und auch günstiger werden.

In Luxemburg fahren die Menschen bald umsonst

Die Anstrengungen für einen attraktiveren Nahverkehr haben triftige Gründe. Zum einen soll dadurch die Überlastung der Innenstädte durch den Autoverkehr gesenkt werden. Und zweitens sollen durch eine verstärkte Nutzung eine Verringerung der Luftschadstoffe erreicht werden. Während in Deutschland noch über Möglichkeiten für einen kostenlosen Nahverkehr nachgedacht wird, sind andere Länder bereits weiter.

Luxemburg etwa hat beschlossen, vom 1. März 2020 an als erstes Land der Welt den gesamten ÖPNV kostenlos anzubieten. Zahlen muss dann nur noch, wer erste Klasse fahren will. Luxemburg hat eine Fläche so groß wie das Saarland und ist mit 600 000 Menschen der kleinste Staat der EU. Der Gratis-Nahverkehr zählt zum Bemühen, die Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. Täglich pendeln etwa 200 000 Menschen aus Frankreich, Belgien und Deutschland zur Arbeit nach Luxemburg. Hierzulande gehen inzwischen einzelne Städte dazu über, einen kostenlosen Nahverkehr anzubieten. In Aschaffenburg fahren die Menschen seit Dezember an Samstagen kostenlos Bus und Bahn. In Tübingen kann schon länger samstags umsonst Bus gefahren werden.

Als Vorreiter in Sachen Gratis-Nahverkehr in Europa gilt die estnische Hauptstadt Tallinn. Im Kampf gegen Staus und Luftverschmutzung fahren dort die Menschen schon seit sechs Jahren kostenlos.