Originelles im Figurentheater Fitz Faust ist peinlich

Von Cord Beintmann 

Im Figurentheater Fitz ist eine originelle Faust-I-Fassung zu sehen. Menschen und Puppen teilen sich die Bühne, es gibt tolle Musik – und Goethes Klassiker wird herrlich umgekrempelt.

Der gelehrte Herr Faust und der Teufel in Gestalt eines Pudels – vielleicht nicht ganz so, wie Goethe sie sich einst vorgestellt hat. Foto: Fitz
Der gelehrte Herr Faust und der Teufel in Gestalt eines Pudels – vielleicht nicht ganz so, wie Goethe sie sich einst vorgestellt hat. Foto: Fitz

Stuttgart - Anne Brüssau spielt in Goethes „Faust“ die Margarete und stellt Gemeinsamkeiten fest. Beide sind weiblich, glauben an die Liebe und sind naiv und ehrlich. Brüssau und ihre Mitspieler Marius Alsleben und Marius Kob präsentieren im Fitz ihren ganz eigenen Zugang zum deutschen Literaturheiligtum, nennen ihre Produktion „Faust eins – Puppen, Pop & Pudel“ und bieten eine staunenswert spannende „Faust“-Version (Regie: Iris Keller).

Brüssau und Kob agieren als Schauspieler und führen zusätzlich drei Handpuppen, Mephisto als nervigen Pudel, das Gretchen mit weißem Haar und einen zerknitterten Doktor Faust, der mit faltenfreien Platten auf seinen Wangen und einem Hipster-Haarknoten verjüngt wird. Marius Alsleben (Musik) steht auf der Bühne am Mischpult, spielt E-Gitarre und singt. Es ist verblüffend, wie Goethes umwerfende Sprache in Alslebens klanglich absolut heutigen Songs noch deutlicher leuchtet. „Meine Ruhe ist hin“ lautet der Refrain eines hinreißenden Liedes, in dem Goethe und Gegenwart verschmelzen. Marius Kob singt das mit wundervoll komischer Pantomimik.

Die Puppe quatscht auf Gretchen ein

Die Puppen haben in dieser Faust-Version eine klare Funktion. Sie machen vieles lächerlich, um es zu verdeutlichen. So quatscht die Faust-Puppe derart penetrant auf das Gretchen ein, dass Fausts peinliches Pathos überdeutlich wird. Amüsant ist das, und großes Vergnügen bereitet auch die Musik mit leise poetischen und kraftvollen, richtig mitreißenden Klängen. Insgesamt gelingt der Produktion eine pathosfreie Bearbeitung der Goetheschen Dramenikone, die dennoch den Kern des Stücks schlüssig vermittelt.

Am Schluss bringt Anne Brüssau, die Margarete des Stücks, die Differenz zwischen Goethes Drama und der Gegenwart auf den Punkt. Sie könne als Frau den Mund aufmachen und nein sagen, sie habe ein Recht auf Bildung und müsse ihr Kind nicht ertränken. Langer Beifall von einem ganz jungen Publikum.

Auf weitere Aufführungen muss man ein wenig warten: bis 5. und 8. Dezember 2019.