Parkinson-Selbsthilfegruppe in Filderstadt Wo der Humor zur Therapie gehört

Von Natalie Kanter 

Die Gruppe U40 richtet sich an Menschen aus der Region, die früh an Parkinson erkranken. Die Teilnehmer tauschen sich einmal im Monat in Filderstadt-Bernhausen über ihre Erfahrungen aus. Dabei wird auch viel gelacht. Denn das muss sein, sagt eine Teilnehmerin.

Bei der Gruppe U40 darf nach Herzenslust gezittert werden. Foto: Mauritius
Bei der Gruppe U40 darf nach Herzenslust gezittert werden. Foto: Mauritius

Filder - Wie lange darf ich noch auf mein Motorrad steigen? Wie lange, werde ich noch meiner Arbeit nachgehen können? Muss ich meinem Chef reinen Wein einschenken? Diese Fragen stellen sich Menschen, die früh an Parkinson erkranken. Zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch mitten im Leben stehen.

Einer davon ist Peter Schmid (Name von der Redaktion geändert). Er hat mit 46 Jahren erfahren, dass er an einer Krankheit leidet, die andere erst im Alter jenseits des 60. Geburtstages ereilt. „Das zieht einem den Boden unter den Füßen weg“, sagt er. Und: „Da muss man sich erst einmal wieder finden.“ Hilfe hat er bei der Selbsthilfegruppe U40 gefunden. Sie richtet sich an Menschen aus dem Großraum Stuttgart, die an der Nervenkrankheit leiden, sich aber noch lange nicht zum alten Eisen zählen.

Jeden ersten Sonntag im Monat tauschen sich Erkrankte im Gemeindehaus der Bernhausener Petruskirche über ihre Erfahrungen aus. Sie sprechen über den neuesten Stand der Forschung, über Therapieansätze und über Kurse, die man besuchen kann. Sie gehen gemeinsam grillen, Eis essen oder spazieren. Und es wird viel gelacht. „Humor muss sein“, sagt eine Teilnehmerin. Dazu passt das Logo der Gruppe: Zwei Schnecken, die aufeinander zuflitzen – Rennschnecken sozusagen. In der Gruppe darf man auch „nach Herzenslust zittern, ohne dass man sich erklären muss“.

Ganz normale Lebenserwartung

Peter Schmid macht Musik, geht tanzen und einer regelmäßigen Arbeit nach. Auch heute noch – fünf Jahre nach seiner Diagnose. Denn wer an Parkinson erkrankt ist, wird nicht gleich und auch nicht zwingend zum Pflegefall.

Auch mit diesem Vorurteil will die Gruppe U40 aufräumen. Vor allem die ersten Jahren lassen sich die Symptome mit Medikamenten gut im Griff halten. „Wenn man nicht unter die Räder kommt, ist unsere Lebenserwartung mittlerweile genauso hoch wie die eines nicht Erkrankten“, sagt eine Teilnehmerin.

Zittern, steife Muskeln, unleserliche Schrift, nicht mehr richtig lachen können – obwohl man sich innerlich kaputt lacht. All das kann die Betroffenen ereilen, muss es aber auch nicht. Die Symptome sind bei jedem etwas anders und tauchen auch nicht gleichzeitig auf. Manche können nicht mehr laut reden. Andere plötzlich nicht mehr Rad fahren. Viele werden von jetzt auf nachher müde, schlafen am Arbeitsplatz ein. Die Krankheit kann viele Auswirkungen haben, der Verlauf ist bei jedem anders. Erste Anzeichen – wie ein schwindender Geruchssinn – werden oft falsch gedeutet. „Man sieht immer nur ein Puzzlestück“, sagt Peter Schmid. Und das macht die Diagnose schwierig,

Obwohl Parkinson zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems zählt, ist deren Ursache unklar. Kennzeichnend ist der Verlust von Nervenzellen im Gehirn, in denen der Botenstoff Dopamin enthalten ist. Dieser Botenstoff sorgt dafür, dass bestimmte Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben werden. Ist zu wenig Dopamin vorhanden, ist dieser Prozess gestört.

Das rechte Bein wollte plötzlich nicht mehr

Peter Schmid hat beim Schlagzeugspielen gemerkt, dass irgendetwas mit seinem rechten Bein nicht mehr stimmt. Nach ein paar Minuten hat er eine Art Krampf in der Wade verspürt. Er ist mit dem Fuß nicht mehr bis zum Schlägel der Trommel gekommen. „Ich habe dann mit dem linken Bein weitergespielt“, sagt er. Auch beim Laufen hat er Veränderungen festgestellt. „Ich bin mit dem Fuß am Boden geschleift“, erzählt er. Er ist daraufhin zum Arzt gegangen. Er wollte wissen, woher diese komischen Dinge plötzlich kommen.

Sein Hausarzt hatte schnell einen Verdacht und hat ihn zum Neurologen geschickt. Bei manch anderem dauert es allerdings viele Jahre, bis ein Arzt die Symptome richtig deutet. „Ich habe auch Diabetes“, sagt eine Betroffene. Ihre Gleichgewichtsstörungen wurden jahrelang auf diese Krankheit bezogen.

Infotermin und regelmäßige Treffen

Ärzte des Universitätsklinikums Tübingen informieren am 22. September über Parkinson, mögliche Therapien und eine bessere Lebensqualität in der Leinfelder Filderhalle. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung bis zum 14. September unter 0 70 71/2 98 76 37.

Die Selbsthilfegruppe U 40 ist mit einem Stand vertreten. Sie trifft sich außerdem jeden ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr im Gemeindehaus der Bernhausener Petruskirche, Talstraße 21. Mehr Informationen gibt es im Internet es unter www.u40-shg.org.




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