Der Einsatz im Schlossgarten wird vorbereitet. Im Anschluss an die Rodung des Baufelds sollen die Vorarbeiten am Tiefbahnhof beginnen.

Stuttgart - Der Einsatz im Mittleren Schlossgarten, bei dem das Zeltdorf geräumt und das Baufeld für den Tiefbahnhof gesichert werden soll, steht unmittelbar bevor. Trotz aller Proteste und dem bereits angekündigten Widerstand aus dem Lager der Stuttgart-21-Gegner geht die Bahn davon aus, dass „alles friedlich ablaufen wird“, wie der Projektsprecher Wolfgang Dietrich erklärte: „Die Polizei ist gut vorbereitet. Wir hoffen, dass die Maßnahmen nicht von gewaltsamen Aktionen überschattet werden.“

Den genauen Zeitpunkt wollen Polizei und Bahn, die bei dem Einsatz selbst Sicherheitskräfte im Schlossgarten haben wird, aus taktischen Gründen nicht bekanntgeben. Überraschen lassen werden sich die Gegner aber dennoch wohl kaum. Bei der 111. Montagsdemo, die seit der Volksabstimmung von den Parkschützern veranstaltet wird, stimmten sich laut dem Veranstalter jedenfalls schon einmal rund 3500 Gegner (die Polizei sprach von 2000) auf den Tag X ein.

Zunächst werden Artenschutzmaßnahmen umgesetzt

Dieser wird laut Bahn damit beginnen, dass der betroffene Bereich im Schlossgarten mit Schutzzäunen abgesperrt und gesichert wird. Zuvor muss die Stadt noch einmal entsprechend dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim auf das mit Beginn des Einsatzes gültige Betretungs- und Aufenthaltsverbot im Schlossgarten öffentlich hinweisen. Anschließend sollen zunächst die Artenschutzmaßnahmen umgesetzt werden, so der Projektsprecher Dietrich. Unter anderem müssen dabei rund 20 Bäume am Ferdinand-Leitner-Steg, in denen Juchtenkäferpopulationen entdeckt wurden, mit einem Bauzaun geschützt werden. Erst dann will die Polizei damit beginnen, das Zeltdorf zu räumen, was der heikelste Teil des Einsatzes werden dürfte.

Die Äußerungen des Schlichters Heiner Geißler, der sich in einem Interview gegen die Baumfällungen ausgesprochen und auf die Einhaltung seines Spruchs verwiesen hatte, seien bei den Bemühungen um einen möglichst friedlichen Verlauf nicht sonderlich hilfreich, so Dietrich. Geißler müsse sich im Klaren darüber sein, dass er mit seinen Aussagen Gefahr laufe, „radikale Elemente“ bei den Gegnern des Bahnprojekts zusätzlich aufzustacheln. Dass solche Äußerungen kurz vor Beginn der Aktionen gemacht würden, sei sehr ärgerlich. „Wir haben den Eindruck“, so Dietrich, „dass Heiner Geißler die umfassenden Diskussionen der letzten Tage und Wochen nicht mitbekommen hat.“ Die Empfehlung für den Umgang mit den Bäumen, der die Bahn nun folge, sei das gemeinsame Ergebnis eines Mediationsverfahrens, das Geißler selbst vorgeschlagen habe. Diese Empfehlung werde nun umgesetzt werden.

Erst wird gefällt, dann wird versetzt

Ist das Baufeld gesichert, werden laut Bahn an den ersten zwei, drei Tagen zunächst einmal jene 108 Bäume gefällt, die nach dem Urteil der Sachverständigen zu groß zum Versetzen sind. Anschließend, wenn ausreichend Platz für die Rundspatenmaschinen ist, beginnen die wesentlich aufwendigeren Baumversetzungen. Ausgegraben werden müssen 68 Bäume, die an einem anderen Standort wieder anwachsen sollen. 14 dieser Bäume werden im Schlossgarten selbst versetzt, die übrigen im Stadtgebiet verteilt, unter anderem auf dem Pragfriedhof, in Bad Cannstatt, Möhringen, Vaihingen, Sillenbuch und Feuerbach.

Inklusive der Artenschutzmaßnahmen kosten diese Arbeiten laut Dietrich rund zwei Millionen Euro, spätestens mit Beginn der Vegetationszeit am 1. März müssen sämtliche Bäume gefällt und versetzt sein. „Wir gehen davon aus, dass die Zeit trotz der Verzögerungen reichen wird“, so der Projektsprecher. Falls nicht, müsste die Bahn beim Eisenbahnbundesamt als zuständiger Aufsichtsbehörde eine Ausnahmegenehmigung für die restlichen Arbeiten beantragen.

Baulogistikstraßen müssen her

Direkt im Anschluss an die Rodung will die Bahn damit beginnen, im Schlossgarten die Baulogistikstraßen einzurichten. Zudem soll die Grube für den Tiefbahnhof den Sommer über bis zum Grundwasser gegraben werden. Diese Maßnahmen dauern laut Bahn drei bis vier Monate. Die eigentlichen Arbeiten am Tiefbahnhof, wozu auch die Verlegung des Nesenbach-Dükers zählt, können erst vorgenommen werden, wenn die Grundwasseranlage in Betrieb ist. „Wir gehen davon aus“, sagt Dietrich, „dass das spätestens im November der Fall ist.“

Geklärt werden muss zuvor noch, was mit den alten Platanen und Rosskastanien passieren wird, die gefällt werden müssen. Im Bürgerforum war im Dezember angeregt worden, die Stämme nicht wie bei der Rodung im Herbst 2010 vor den Augen der Menschen zu schreddern, sondern sie sinnvoll zu nutzen. Bei der Stadt seien bereits etliche Vorschläge von Bürgern eingegangen, so der Stadtsprecher Markus Vogt. Man werde in einem weiteren Dialogforum im April beraten, wofür die Stämme verwendet werden. Denkbar sei einiges, etwa eine künstlerische Verwertung, die Weitergabe an Behindertenwerkstätten, die Verarbeitung zu Spielgeräten oder ein Einsatz als Anschauungsmaterial auf Waldlehrpfaden und für Schulklassen. Bis dahin würden die Stämme zwischengelagert werden.