Die Landesliga-Basketballer des SV Leonberg/Eltingen sind ein Viertel lang weder körperlich noch geistig präsent und unterliegen dem TSV Kupferzell mit 89:101.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dieser Satz wird während der deutschen Wiedervereinigung dem damaligen sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow zugeschrieben. Für die Basketballer des SV Leonberg/Eltingen gilt er in modifizierter Form: Wer zu spät aufwacht, den bestraft der Gegner. Der TSV Kupferzell lag nach dem ersten Viertel des Landesliga-Spiels im Leonberger Sportzentrum bereits mit 34:11 in Front, am Ende lautete das Ergebnis aus Sicht der Gastgeber 89:101 (41:57). „Wir sind katastrophal gestartet“, stöhnte Spielertrainer Sven Schewior, „wir waren physisch und mental nicht auf dem Feld und eine Kommunikation untereinander hat nicht stattgefunden.“

Eigentlich war das Spiel damit so gut wie entschieden, immerhin: Die Leonberger ergaben sich beim desaströsen Zwischenstand von 4:30(!) nicht wie ein Opferlamm in ihr Schicksal, nachdem sie endgültig wachgerüttelt worden waren, nachdem von Zonenverteidigung auf Manndeckung umgestellt worden war, lieferten sie dem TSV Kupferzell einen Schlagabtausch auf Augenhöhe –blendet man das erste Viertel aus, lag das Team von Schewior in den drei übrigen Abschnitten mit 78:67 vorn. „Wir haben den Weg zurück ins Spiel gefunden“, sagte der Spielertrainer, „das ist das Positive, das wir mitnehmen können.“

Gegen die starken Kupferzeller jedenfalls dauerte die Aufwachphase zu lange. Zwar kämpften sich die Leonberger immer wieder ergebnismäßig an den Gegner heran, beim 73:79 schien ein Kippen der Partie tatsächlich in Reichweite, doch der TSV wusste stets eine passende Antwort. Jonathan Hägele (33 Punkte) brachte die Hausherren und deren Fans fast um den Verstand, wenn der Kupferzeller die Aufholjagd mehrfach mit einem Dreier konterte, der mitunter recht glücklich ins Netz fiel. Zudem war Gäste-Spielmacher Kevin Ulrich kaum in den Griff zu bekommen. „Es kostet enorm viel Energie, wenn man stets einem Rückstand hinterherläuft“, sagte Sven Schewior, „und wenn du denkst, du bist fast dran, setzt der Gegner wieder einen drauf.“ Ein zusätzliches Manko verhinderte ein Happy-End aus Leonberger Sicht. An der Freiwurflinie zitterten den Spielern die Hände oder die Nerven – oder gleich beides. Von 24 Freiwürfen fanden nur zehn den Weg in den Korb. „Die Quote sollte mindestens bei 50 Prozent liegen“, sagte Schewior, „mindestens.“

Spielertrainer sucht nach Erklärungen

Dass seine Mannschaft nicht zum ersten Mal in der Anfangsphase so bewegungsfreudig war wie ein Braunbär nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf, machte den Coach allerdings ein wenig nachdenklich; schon im vergangenen Oktober hatte der MTV Stuttgart II den SV mit 76:45 düpiert, damals stand es nach dem ersten Viertel 9:17, was im Vergleich zum Match gegen Kupferzell noch als erträglich gewertet werden darf. Eine nachvollziehbare Erklärung für die Leonberger Lethargie hat weder der Coach selbst noch seine Teamkollegen gefunden. „Wir arbeiten daran“, bekennt er. Die Lösung sollte nur nicht zu spät kommen.