Thomas Teufel, der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten, verlässt die CDU. Er war mit der Ausrichtung der Partei nicht mehr zufrieden.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Balgheim - Der Neuling kam, sah und siegte, jedenfalls beinahe. Erst seit wenigen Monaten gehörte der Softwareunternehmer aus Balgheim bei Spaichingen der FDP an, da kandidierte er bereits gegen den langjährigen Tuttlinger Kreisvorsitzenden. Mit 28 zu 49 Stimmen holte er ein achtbares Ergebnis, der Platzhirsch gilt seither als angezählt. Sodann wählten die Mitglieder den Rivalen zum dritten Stellvertreter. Der Name des liberalen Durchstarters: Thomas Teufel (44).

Teufel? Spaichingen? Nein, das ist kein Zufall. Es handelt sich um den Sohn des langjährigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (72). Wieder verlässt ein Nachkomme eines schwarzen Regierungschefs die Partei des prominenten Vaters. Größeres Aufsehen hatte es erregt, als Matthias Filbinger sich nach 15 Jahren aus der CDU verabschiedete, um als Parteiloser für die Grünen im Bezirksbeirat zu sitzen. Die Union, so lautete kurz gefasst die Begründung des Stuttgarter Unternehmensberaters, habe sich zu sehr von den Bürgern entfernt. Für die Altvorderen, denen der Name Filbinger als Synonym für bessere Zeiten gilt, war das ein schwerer Schlag.

Der Parteiwechsel von Thomas Teufel hingegen hat sich über den Kreis Tuttlingen hinaus bisher kaum herumgesprochen. Auch er hatte sich, gleichsam aus Familientradition, zunächst viele Jahre in der CDU engagiert. Eine Weile saß er sogar im Bezirksvorstand der Jungen Union, doch dann ließen das Studium, die ersten Berufsjahre bei SAP und später die Gründung eines eigenen Unternehmens kaum noch Zeit für die Politik; in der CDU blieb er "passives Mitglied".

Als Unternehmer fühlt sich Teufel bei der FDP gut aufgehoben

Der Neustart hat mehrere Gründe. Sein knapp 50 Mitarbeiter zählendes Unternehmen, mit dem er "alle Höhen und Tiefen" durchlebte, hat Teufel inzwischen verkauft. Er leitet es heute als angestellter Geschäftsführer, entlastet durch einen zweiten Kollegen. Von der CDU entfremdete er sich zusehends. In Baden-Württemberg, fand er, sei die Partei zuletzt "einfach zu selbstherrlich aufgetreten". Die Abwahl habe sie daher verdient, in ihr liege auch eine Chance. Seinen Austritt erklärte Teufel bewusst erst nach dem 27. März, um der CDU nicht in den Rücken zu fallen.

Als neue politische Heimat boten sich ihm zwei Optionen: die Grünen und die FDP. Für die Grünen hätte gesprochen, dass der Diplominformatiker die Zukunft in einer nachhaltigen, umweltbewussten Wirtschaft sieht. Auch das von ihm betriebene Internetportal Fahrgemeinschaft.de zeugt von ökologischem Denken. Seine Wahl fiel freilich auf die FDP, weil die wie keine andere Partei für die Marktwirtschaft eintrete. Dort fühle er sich als Unternehmer gehört und verstanden.

Angetan hat es Teufel vor allem die kritische Haltung von Teilen der Liberalen zum milliardenschweren Euro-Rettungsschirm; er sei ein Anhänger des "Eurorebellen" Frank Schäffler. Ein überschuldeter Unternehmer, sagt der Firmenchef, werde sofort selbst in Haftung genommen. Die Politiker aber gingen Milliardenrisiken ein, für die sie nie geradestehen müssten, und kassierten später unbehelligt ihre Pension. Natürlich sei er für den Euro, stellt Thomas Teufel klar - aber nicht dafür, die Währungsunion "auf Teufel komm raus" zu erhalten. "Um jeden Preis", korrigiert er sich schmunzelnd.

FDP freut sich über die neue Unterstützung

Sein Vater habe den Parteiwechsel, über den er ihn vorab unterrichtete, "voll akzeptiert". Die Liberalen seien schließlich nicht allzu weit von der CDU entfernt: "Ich bin also nicht ganz ausgebüxt." Wie stark er sich in der FDP engagieren will, lässt der Sohn - selbst Vater zweier Kleinkinder - vorerst offen. Seine Bewerbungsrede als Kreischef hinterließ jedenfalls einen solchen Eindruck, dass ihm durchaus Höheres zugetraut wird. Er sei unabhängig und müsse nicht in der Politik Karriere machen, sagt Teufel selbst. Wenn sich aber eine Möglichkeit bieten sollte, werde er das gut überlegen. Als Blau-Gelber mit grünem Kern wäre er der "ideale Kandidat für eine Ampelkoalition", meint er scherzhaft.

Bei der Landes-FDP wird der Neuzugang gerne kommentiert. "Wir freuen uns immer über Mitglieder, die die FDP tatkräftig unterstützen", sagt die Generalsekretärin Gabriele Heise. "In der Familie Teufel hat es Tradition, mit der FDP gute Erfahrungen zu machen." Die Südwest-CDU hält sich dagegen eher zurück. "Wir freuen uns über jedes Mitglied", heißt es dort knapp, zu den Austritten der Ministerpräsidentensöhne Filbinger und Teufel wolle man nicht viel sagen. Es gebe eben "keine automatische, familiär begründete Mitgliedschaft, von der man sich nicht lösen kann".

Weitere prominente Abgänge, trösten sich CDU-Strategen, seien zunächst nicht zu befürchten: Die Söhne von Günther Oettinger und Stefan Mappus seien für die Politik zum Glück noch deutlich zu jung.

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