Mit Customcells in Tübingen produzieren Porsche plant Allianz mit dem Maßschneider von Batteriezellen
Die junge Firma Customcells entwickelt und produziert sehr spezielle Batteriezellen. Das reizt auch den Stuttgarter Autobauer Porsche.
Die junge Firma Customcells entwickelt und produziert sehr spezielle Batteriezellen. Das reizt auch den Stuttgarter Autobauer Porsche.
Stuttgart - Die Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos wollten die deutschen Autobauer lange Zeit lieber Lieferanten aus China und Korea überlassen. Es gebe weltweit Batteriezellen im Überfluss und eine heftige Konkurrenz zwischen den asiatischen Herstellern, die für günstige Preise und ein hohes Innovationstempo sorgten, so die Argumentation. Zudem hätten die Anbieter bei der aktuellen Lithium-Ionen-Technologie für die Energiespeicher einen so großen Vorsprung, dass Newcomer keine Chance hätten, mit den Platzhirschen mitzuhalten.
Stefan Bratzel, Leiter des Forschungsinstituts CAM in Bergisch Gladbach, hat stets vor der Einschätzung der Autobauer gewarnt, die Batteriezellen als austauschbare Massenware betrachteten. „Batteriezellkompetenz ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg“, sagt Bratzel. „Es geht um Energiedichte und damit um Reichweite. Es geht aber auch um Kosten. Wer es schafft, die Batteriezelle möglichst günstig herzustellen, hat Vorteile“, erläutert der Wissenschaftler, der die Autobauer immer davor gewarnt hat, hier auf Chancen zu verzichten und sich in eine Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten zu begeben.
Seit einiger Zeit registriert Bratzel, der sich seit langem intensiv mit Innovationen in der Branche beschäftigt, hier allerdings einen Sinneswandel bei den Autobauern, die nach seiner Einschätzung zunehmend den hohen Stellenwert der Batteriezellen erkennen.
Auch Porsche will offenbar die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten verringern. Die Batterien für den Elektro-Sportwagen Taycan kommen vom südkoreanischen Riesen LG Chem. Der Stuttgarter Sportwagenbauer will nun gemeinsam mit dem jungen norddeutschen Unternehmen Customcells in Tübingen in die Produktion von Batteriezellen einsteigen. Dazu wurde bereits das Gemeinschaftsunternehmen Cellforce Group GmbH gegründet. Beide Unternehmen halten sich noch sehr bedeckt zu diesem Thema. Ein Sprecher des Sportwagenbauers will die geplante Allianz weder bestätigen noch dementieren. Man wolle sich derzeit nicht dazu äußern, heißt es bei Customcells in Itzehoe. Die Zurückhaltung ist dem Vernehmen nach darauf zurückzuführen, dass bisher noch grünes Licht von der EU für staatliche Fördergelder fehlt. Die EU hat dafür im vergangenen Dezember insgesamt 3,2 Milliarden Euro in Deutschland gegeben. Staatliche Förderzusagen von Bund und Ländern für Zellprojekte haben unter anderem bereits BMW, Opel und Varta erhalten.
Customcells entstand 2012 als Fraunhofer-Ausgründung, beschäftigt heute rund 70 Mitarbeiter und zählt sich zu den weltweit führenden Entwicklern spezieller Lithium-Ionen-Batterien. Das schleswig-holsteinische Unternehmen berät, entwickelt und fertigt nach eigenen Angaben unter anderem für sechs der zehn weltweit größten Autobauer und sechs der zehn größten Zulieferer in Deutschland. Auch Chemiekonzerne zählen zu den Kunden. Das junge Unternehmen arbeitet als Maßschneider und bietet je nach Kundenwunsch sehr unterschiedliche Varianten von Zellen oder von Komponenten der Energiespeicher an, die in kleinen Stückzahlen hergestellt werden. Bei Porsche könnte diese Kompetenz für elektrische Rennautos interessant sein.
Seit dem vergangenen Jahr hat Customcells auch eine Tochter in Tübingen. Im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts soll hier eine Fertigungslinie für kleine Serien von Batteriezellen mit unterschiedlichem Design und mit verschiedenen Zelltechnologien entwickelt werden. Als Partner sind an diesem Projekt unter anderem auch der Autobauer Daimler, der Motorsägenhersteller Stihl sowie der Anlagenbauer Manz beteiligt.