Ein Wirt auf Rügen verbietet ab 17 Uhr Kindern unter 14 Jahren den Zutritt. Auch manche Hotels sprechen nur ein erwachsenes Publikum an. Sind solche Entscheidungen nachvollziehbar oder kinderfeindlich? Ein Pro und Contra zum Thema liefert Argumente.

Stuttgart - Einem Wirt auf Rügen ist es zu bunt geworden. Jahrelang hat er versucht, Eltern freundlich darauf hinzuweisen, wenn ihre Kinder mit Essen geworfen und den Ablauf im Lokal grob gestört haben. Nun verbietet er abends Kindern unter 14 Jahren den Zutritt. Ist der Mann deswegen kinderfeindlich? Erik Raidt und Simone Höhn streiten mit einem Pro und Contra über diese Frage.

 

Pro: die Entscheidung des Wirts richtet sich keineswegs grundsätzlich gegen Kinder

Es ist völliger Unfug, den Betreiber eines Restaurants als gedankenlosen Kinderfeind an den Pranger zu stellen, bloß weil er zu bestimmten Uhrzeiten keine Kinder in seinem Lokal wünscht. Schon weil sich seine Aktion in Wahrheit nicht gegen den Nachwuchs, sondern gegen dessen Eltern richtet. Zur Erziehung gehört es eben auch, Kindern Grenzen zu setzen. Und die enden dort, wo Essen durch den Raum fliegt und Decken samt Geschirr vom Tisch gezogen werden.

Wer klar sagt, welche Gäste er anspricht und welche nicht, der hat den Mut, sich zu einer Entscheidung zu bekennen. „Keine Kinder nach 17 Uhr“ ist für Familien eine bessere Ansage als jene von Lokalen, die dies nur durch die Hintertür kommunizieren: Plötzlich ist beim Erscheinen von Kindern kein Tisch mehr frei oder nur der neben dem Klo und man wird unfreundlich bedient. Außerdem: in Deutschland gibt es keinen Mangel an familienfreundlichen Restaurants und Hotels.

Woran es wirklich mangelt: an barrierefreien Städten, an besserer Bezahlung für Erzieherinnen und Erzieher, an Arbeitgebern, die Teilzeitmütter- und Väter nicht aufs Abstellgleis stellen. Das ist der Maßstab für eine kinderfreundliche Gesellschaft, die wir unbedingt brauchen. (Erik Raidt)

Contra: ein Pauschalverbot für Kinder führt in die völlig falsche Richtung

Vom Tisch katapultierte Salzstreuer, auf dem Boden verteilte Pommes, vielleicht noch ein filmreifer Wutanfall des Sohnes und augenrollende Gäste am Nachbartisch – Essen gehen mit Kindern ist nicht das, was man Spaß nennt.

Die Konsequenz daraus kann aber nicht sein, dass man als Familie nicht mehr essen geht und nun auch noch offiziell aus manchen Restaurants ausgeschlossen wird. Wo, wenn nicht am Ort des Geschehens soll man Kindern beibringen, wie man sich anständig benimmt, Rücksicht auf andere Gäste nimmt und auch einmal Langeweile erträgt? Kinder sind schließlich die Gäste von morgen. Auf Langstreckenflügen, in Museen oder im Kino wollen die Leute auch ihre Ruhe und trotzdem gibt es kein Pauschalverbot für Kinder.

Eltern haben ohnehin oft ein Problem, ein kinderfreundliches Lokal zu finden. Mehr Spielplätze, Malecken oder eigene Spielzimmer würden allen Restaurantgästen den Besuch versüßen. Vielleicht sollten sich das genervte Gastronomen zu Herzen nehmen anstatt gleich die als typisch deutsch verschriene Verbotskeule zu schwingen. Auch an den kinderfreundlichen italienischen Lokalen könnten sie sich ein Beispiel nehmen und lieber ein paar Augen zudrücken anstatt sie zu rollen. (Simone Höhn)