Stuttgart - Die Lage vor dem Stammheimer Justizgebäude ist am dritten Verhandlungstag merklich ruhiger geworden. Nur noch wenige Sympathisanten aus dem rechten und dem linken Lager stehen sich am Montag dort gegenüber. Kein Vergleich zum Prozessauftakt vor zwei Wochen, als Antifa-Demonstranten und Vertreter aus dem nationalistischen Spektrum lautstark versuchten, Aufmerksamkeit zu erregen.
Während sich die Situation vor den Türen des Sitzungssaals entspannt, wird nun dahinter der Ton zunehmend rauer. Die Verteidiger der beiden Angeklagten und die Vertretung ihrer mutmaßlichen Opfer gehen nicht zimperlich miteinander um. Da geht es beispielsweise gereizt darum, ob der separat und bewacht sitzende Hauptangeklagte Diyar A. seinem Anwalt während der Verhandlung Aufschriebe zukommen lassen darf, was ihm von der 3. Strafkammer des Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Johannes Steinbach am Ende auch zugebilligt wird.
Was geschah auf der Mercedesstraße?
Das ist ein Detail in einem Verfahren, bei dem es im Wesentlichen um einen Vorwurf geht. Die Staatsanwaltschaft legt Diyar A. und Joel P. zur Last, am 16. Mai 2020 die drei im Prozess als Nebenkläger auftretenden Vertreter der rechten Arbeitnehmervertretung Zentrum Automobil brutal zusammengeschlagen zu haben. Am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Cannstatter Wasen wurde dabei Andreas Z. so schwer verletzt, dass er zwischenzeitlich in Lebensgefahr schwebte.
Zu den Vorkommnissen auf der Mercedesstraße wurden nun zwei Zeuginnen befragt, die damals zufällig mit ihrem Auto in die Szenerie gerieten; als aus einer Gruppe von 20 bis 40 schwarz vermummter Personen heraus mindestens zwei der Nebenkläger angegriffen wurden. Die beiden Frauen boten einem von ihnen Schutz in ihrem Auto und kümmerten sich in der Folge um den am Boden liegenden und nicht mehr ansprechbaren Andreas Z., der am Kopf verletzt gewesen sei.
Dabei spielte allerdings die Aussage einer Zeugin auch der Verteidigung der beiden Angeklagten in die Karten. Eine Frau sagte aus, dass der verletzt am Boden liegende Mann einen Schlagring getragen habe und ihm dieser von einem anderen Mann abgenommen worden sei, noch bevor die Polizei vor Ort war. Was nicht zum Bild des arglosen Opfers passen würde.