Pumpspeicherwerk Atdorf-Pläne stoßen auf viel Ablehnung

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Im Hotzenwald oberhalb von Bad Säckingen soll Deutschlands größtes Pumpspeicherwerk entstehen. Doch mehr als 1300 Einwendungen sind nun gegen das Projekt eingegangen. Der Schwarzwaldverein spricht gar von einer „Vernichtung der Heimat“.

Neben dem bestehenden Hornbergbecken soll auf dem Hotzenwald ein zweites Pumpspeicherbecken (vorne) gebaut werden. Es wäre die bundesweit größte Anlage ihrer Art. Foto: Schluchseewerk
Neben dem bestehenden Hornbergbecken soll auf dem Hotzenwald ein zweites Pumpspeicherbecken (vorne) gebaut werden. Es wäre die bundesweit größte Anlage ihrer Art. Foto: Schluchseewerk

Waldshut-Tiengen - Das geplante Pumpspeicherwerk oberhalb von Bad Säckingen gefährde die Wasserversorgung und belaste die Umwelt in unzumutbarer Weise, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Pläne missachteten die Belange der Landwirtschaft und gefährdeten zahlreiche Betriebe in ihrer Existenz, schreibt der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV). Das Projekt bedeute eine beispiellose „Vernichtung der Heimat“, urteilt der Schwarzwaldverein.

1322 Einwendungen von Behörden, Verbänden und Grundstückseigentümern sind in den vergangenen Wochen im Zuge des Planfeststellungsverfahrens beim Landratsamt Waldshut eingegangen. 99,9 Prozent seien ablehnend, räumt der für das Verfahren zuständige Vizelandrat Jörg Gantzer ein. Die hohe Zahl der Eingaben habe ihn allerdings nicht überrascht. „Persönlich habe ich bei einem Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung, das während der Bauphase mit Belastungen für zahlreiche Bürger verbunden ist, das gewaltige Eingriffe in den Naturhaushalt nach sich zieht und über dessen energiepolitische Sinnhaftigkeit streitig diskutiert werden kann, mit noch mehr Einwendungen gerechnet“, sagte Gantzer. Im vorausgegangenen Raumordnungsverfahren waren sogar 2500 Stellungnahmen von der Behörde bearbeitet worden.

Auf den Vorhabenträger, das Schluchseewerk, kommt nun viel Arbeit zu. Das zehnköpfige Projektteam muss gemeinsam mit seinem Heer an externen Gutachtern Stellungnahmen zu den Einwendungen erarbeiten. Bereits im Januar 2017 plant das Landratsamt den mehrtägigen Erörterungstermin. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass das Projekt richtig ist und als Beitrag zur Energiewende gebraucht wird“, sagte Peter Steinbeck vom Schluchseewerk. Deshalb lasse man sich von dem starken Gegenwind nicht entmutigen. „Nicht die Zahl, sondern die Qualität der Einwendungen ist entscheidend.“

Allerdings stößt das Projekt, das den Bau von zwei 130 Hektar großen Wasserbecken im Hotzenwald und im 600 Meter tiefer gelegenen Bad Säckingen vorsieht, auch bei den betroffenen Gemeinden auf wachsende Ablehnung. Der Gemeinderat von Herrischried forderte das Schluchseewerk einstimmig dazu auf, das Projekt zu beenden. Der Weiler Atdorf, wo das Oberbecken entstehen soll, gehört zu Herrischried. Freiwillig werde man dort keine Flächen hergeben. Und auch bei den geplanten Ausgleichsflächen sieht es schwierig aus. Die Gemarkung sei schon mit Schutzflächen übersät, formulierte beispielsweise die Stadt Löffingen. Man sei nicht bereit, dem Schluchseewerk städtische Grundstücke zu überlassen.