Radschnellweg: Trassenplanung steht fest Im Biker-Turbo von Waiblingen nach Ludwigsburg

Von Susanne Mathes 

Von Waiblingen über Neckargröningen, an Oßweil vorbei in die Ludwigsburger City: So soll der 31 Millionen Euro teure Radschnellweg verlaufen. Die Förderzusagen sind da. Die Streckenführung in der Ludwigsburger Innenstadt birgt aber noch Knackpunkte.

Zwischen Waiblingen und Ludwigsburg soll es  bald schnell vorangehen – vielleicht schneller als mit dem Auto. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Zwischen Waiblingen und Ludwigsburg soll es bald schnell vorangehen – vielleicht schneller als mit dem Auto. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Ludwigsburg - Rollen ab 2022 die ersten Bagger an, um mit der Rad-Schnellverbindung zwischen Waiblingen und Ludwigsburg zu beginnen? Wenn es nach dem prognostizierten Zeitplan geht, dann ja – und dann, so lautet die Einschätzung von Sascha Behnsen vom Ludwigsburger Fachbereich Nachhaltige Mobilität, „wird eine neue Zeitenwende eingeleitet“.

Durchschnittlich 2100 Radfahrer, besagt die Schätzung aus der Machbarkeitsstudie, könnten diese knapp 15 Kilometer lange Südost/Nordwest-Achse über den Neckar pro Tag nutzen und auf diese Weise den verstopften Straßen entfliehen.

Mehrere Fliegen mit einer Kappe schlagen

Mittlerweile hat sich herauskristallisiert, auf welcher Strecke die Schnellradler in die Pedale treten sollen: südwestlich an Hegnach vorbei, in Neckarrems über den Fluss nach Neckargröningen und südlich von Oßweil zum Ludwigsburger Bahnhof. Geplant sei, sagte Behnke, als er die so genannte „Vorzugsvariante eins“ im Ludwigsburger Mobilitätsausschuss vorstellte, ein „qualitätvolle Radinfrastruktur, die auf flüssiges, komfortables Fahren ausgelegt ist – nicht nur für Pendler, sondern für alle“. Relevant für den Streckenverlauf seien zudem Punkte wie die Erreichbarkeit von Stadt- oder S-Bahnen beispielsweise in Remseck oder Ludwigsburg.

Für Ludwigsburg ist die Schnellverbindung eine Gelegenheit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Integriert sie den Ausbau der ohnehin stark überlasteten Fahrradachse Friedrich-Ebert-Straße/Alleenstraße in den neuen Radschnellweg, muss sie lediglich 12,5 Prozent der Planungs- und Baukosten übernehmen; von Bund und Land winken Fördermittel in Höhe von 87,5 Prozent der Gesamtkosten. Allein durch die Alleenstraße radeln derzeit an einem Werktag durchschnittlich schon 2900 Menschen.

Anlass für den ganz großen Wurf?

„Das sollten wir zum Anlass für den ganz großen Wurf nehmen“, sagte SPD-Stadtrat Daniel O’Sullivan zu den Ausbauplanung für die radverkehrsstärkste innerörtliche Achse. „Ich glaube, die Menschen sind bereit umzusteigen. Da ist noch deutlich was zu heben“, meinte er zum Radschnellweg. Vertreter anderer Fraktionen begrüßten die Perspektiven ebenfalls, standen der geplanten Streckenführung aber teils skeptisch gegenüber – vor allem, weil sie durch die Anlagen des Sportparks Ost führen soll.

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Gabriele Seyfang (CDU) sagte, sie sehe bei dem Radschnellweg durch die Stadt noch viele Knackpunkte, „die sich bei guter Planung aber beseitigen lassen“. Den Radweg sehe sie vor allem für den Berufsverkehr, weniger für den Freizeit- und Sportverkehr. Und für Pendler sei eine solche, rein den Radfahrern vorbehaltene Strecke auch nötig, auf der man nicht, „wie auf dem Neckar- oder dem Rems-Radweg, dauernd Gefahr läuft, plötzlich über eine gespannte Hundeleine zu stürzen“. Frank Handel (Grüne) forderte, Alternativen durch Oßweil oder die Fuchshofstraße zu prüfen.

Was die Westrandbrücke mit dem Radschnellweg zu tun hat

Zwei weitere Trassen, die für das Gemeinschaftsprojekt des Rems-Murr-Kreises mit dem Landkreis Ludwigsburg und den Städten Waiblingen und Remseck vorab untersucht wurden, landeten unter anderem wegen der fürs Radeln ungünstigeren Topografie nicht an der vordersten Stelle im Varianten-Ranking. Die Variante zwei hätte nordöstlich an Öffingen vorbei über Aldingen geführt und die Radler dann nordöstlich von Pattonville und durch Grünbühl in die Ludwigsburger Kernstadt gebracht. Variante drei hätte durch Schmiden und über Stuttgart-Mühlhausen und Kornwestheim nach Ludwigsburg geführt.

Die Vorzugsvariante hat auch aus Sicht der Stadt Remseck ihren Namen verdient: Sie würde am Mobilitätspunkt an der Stadtbahn-Endhaltestelle in Neckargröningen vorbeiführen, an der sich auch die Radboxen und die Pedelecstation befinden. Der Radschnellweg soll über die Brücke beim neuen Remsecker Zentrum samt Verwaltungssitz führen, die jetzt noch verkehrsumtostes Nadelöhr ist. „Die Brücke ist dann autofrei“, sagt Dirk Schönberger. „Vorausgesetzt, die Remsecker sprechen sich beim Bürgerentscheid am 15. November für die Westrandbrücke aus. Dann können wir unsere Verkehre neu ordnen.“

Der Startschuss für die Radler kann noch dauern

Der Rems-Murr-Kreis hat nach Abschluss der Machbarkeitsstudie die Förderung der Planungskosten federführend für die gesamte Trasse beantragt und die Zusage schon in der Tasche: Bund und Land übernehmen rund 1,82 Millionen Euro für die Planung. Auch für die Baukosten von rund 31 Millionen Euro rechnen die beteiligten Kreise und Kommunen mit dem besagten 87,5-Prozent-Zuschuss. Dieser Radschnellweg sei besonders geeignet, um die Hauptverkehrsachsen zwischen dem Rems-Murr-Kreis und dem Landkreis Ludwigsburg zu entlasten, findet Richard Sigel, Landrat des Rems-Murr-Kreises. „Die Förderung durch Bund und Land gibt uns dabei den nötigen Rückenwind.“ Wann der Radschnellweg fertig sein könnte, dazu gibt es noch keine Aussage. „Wenn zum Beispiel für einen Abschnitt ein Planfeststellungsverfahren nötig ist, kostet das Zeit“, sagt Leonie Ries, Pressesprecherin des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis.

Auch beim zweiten geplanten Radschnellweg im Kreis Ludwigsburg – demjenigen zwischen Bietigheim-Bissingen und Stuttgart – tut sich etwas. „Die Machbarkeitsstudie ist fast fertig, sie ist in der Schlussabstimmung mit allen Beteiligten“, informiert Andreas Fritz, Pressesprecher der Ludwigsburger Kreisverwaltung. „Wir wollen noch in diesem Jahr den Förderantrag beim Land und beim Bund stellen, damit wir dann im nächsten Jahr an die konkrete Planung gehen können.“




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