Rätselhafte „Mammatus“ Was es mit den seltsamen Wolken über Stuttgart auf sich hat

Wie hier im Kreis Esslingen bestaunten Beobachter auch andernorts in der Region Stuttgart die rätselhaften Mammatuswolken. Foto: SDMG/Boehmler 11 Bilder
Wie hier im Kreis Esslingen bestaunten Beobachter auch andernorts in der Region Stuttgart die rätselhaften Mammatuswolken. Foto: SDMG/Boehmler

Auf manchen wirken die beutelartigen Wolken am Himmel unheimlich, andere finden sie romantisch. Das Wetterphänomen, das am Stuttgarter Abendhimmel zu sehen war, ist für Forscher noch ein Rätsel.

Digital Unit: Jonas Schöll (jo)

Stuttgart - Viele Stuttgarter haben am Sonntagabend erstaunt auf den Stuttgarter Himmel geblickt und sich die Frage gestellt: Was sind das nur für seltsame Wolken? Wie Beulen hingen diese vom Himmel – angestrahlt von der untergehenden Abendsonne. Wie ein Experte des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart am Montag bestätigte, handelte es sich dabei um rätselhafte Mammatuswolken. Auch anderswo, wie etwa im Kreis Esslingen, bot sich das spektakuläre Phänomen am Himmel.

Gegen Abend war es am Ostersonntag plötzlich etwas stürmisch in und um Stuttgart geworden. Windböen und Regenergüsse verdrängten die Sonne kurzzeitig. Zum Vorschein kam ein toller Regenbogen – und ebenso die seltsam anmutenden Wolkenformationen.

Oft in Verbindung mit Gewitter

Vielen Wissenschaftlern geben diese „Beutel“ am Himmel immer noch Rätsel auf, wie der Deutsche Wetterdienst in einem Beitrag auf seiner Homepage erklärt. Das Wort „Mammatus“ stammt demnach aus dem Lateinischen vom Begriff „mamma“ und bedeutet so viel wie Brust oder brustartig. Häufig seien diese beeindruckenden Strukturen nach einem kräftigen Schauer oder Gewitter am Himmel zu sehen.

Die Entstehungsprozesse seien wegen ihrer Kurzlebigkeit von meist nur zehn Minuten und ihrer kleinen räumlichen Ausdehnung von nur etwa einem Kilometer nicht abschließend erforscht. Im Falle einer Gewitterwolke hingen die beutelartigen Mammatus-Wölkchen üblicherweise an der Unterseite des Gewitterambosses herab.

„Diese Wolkenstrukturen entstehen vor allem an den Seitenflanken des „Eisschirmes“ von Schauer- oder Gewitterwolken durch herabsackende Kaltluftregionen“, sagt Marco Puckert vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Diese Wolkenstrukturen können demnach manchmal aber auch bei höher liegenden Wolkenschichten auftreten, meistens aber an Gewitterwolken, wie der Experte erläutert.

Beeindruckende Wolken geben Rätsel auf

„Da die beeindruckenden Wolkenstrukturen hauptsächlich an Gewitterambossen beobachtet werden, gehen Forscher davon aus, dass vor allem instabile Schichten, große Temperatur-, Feuchte- und Windgeschwindigkeitsunterschiede, sowie Turbulenzen in der Umgebung der Gewitterwolke für die Entstehung von Mammatus unabdingbar sind“, erklärt der Deutsche Wetterdienst. Vermutlich könnten sogar gleich mehrere Prozesse für das Auftreten von Mammatuswolken verantwortlich sein.

Auch der Wetterexperte Jörg Kachelmann sieht auf den Aufnahmen vom Stuttgarter Himmel Mammatuswolken, wie er gegenüber unserer Redaktion bestätigte. In einem Beitrag auf dem Wetterportal «kachelmannwetter.de heißt es zu dem spektakulären Wetter-Phänomen „Theorien zufolge sind Temperatur- und Feuchteunterschiede ein möglicher Auslöser und daraus resultierende Verdunstungsvorgänge bewirken, dass sich im Bereich von Abwinden an der Gewitterwolke diese beeindruckenden Strukturen ausbilden.“

Mammatuswolken deuten demnach auf große Instabilitäten und Turbulenzen im Bereich der Gewitterwolke hin. Hartnäckig hielten sich Gerüchte, dass aus Mammatuswolken Tornados entstehen könnten, was aber nicht der Fall sei. Mammatuswolken sind eben immer noch rätselhaft – und lassen Raum für Fantasie.




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