Rechtsstreit bei Breuninger Der Kampf um das Breuninger-Erbe

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Der Stuttgarter Rechtsanwalt Wolfgang Blumers, der an dem Kaufhausunternehmen Breuninger beteiligt werden will, wehrt sich gegen die Behauptung, er verlange alternativ als Ausgleich eine Zahlung von 220,8 Millionen Euro.

Ein Bild aus friedlicheren Zeiten bei Breuninger. Die sind nun vorbei. Foto: Breuninger
Ein Bild aus friedlicheren Zeiten bei Breuninger. Die sind nun vorbei. Foto: Breuninger

Stuttgart - Heinz Breuninger kann über die Pläne mit seiner Kaufhauskette nicht mehr befragt werden; der Unternehmer ist 1980 gestorben. So muss die von ihm geschaffene Firmenstruktur Auskunft darüber geben, wie er sich die Zukunft vorgestellt hatte.

Die Antwort fällt aber nicht eindeutig aus, hat in der Vergangenheit immer wieder juristische Streitigkeiten ausgelöst und führt auch jetzt wieder vor Gericht. Im September verhandelt das Stuttgarter Landgericht über eine Klage des Stuttgarter Rechtsanwalts Wolfgang Blumers gegen zwei Männer, mit denen er einst geschäftlich eng verbunden war: Willem van Agtmael und Wienand Meilicke, denen Breuninger jetzt mehrheitlich gehört.

Blumers sieht sich durch Meilicke, dem er „arglistige Täuschung“ vorwirft, um eine Beteiligung an dem Stuttgarter Traditionsunternehmen, das 2004 von der gemeinnützigen Stiftung gelöst wurde, gebracht. Van Agtmael und Meilicke keilen zurück und sprechen von einer „rufschädigenden Kampagne“. Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Blumers, so hatten die beiden Breuninger-Haupteigner im Juni behauptet, wolle beteiligt werden, verlange aber alternativ als Ausgleich „eine absurd hohe Zahlung“ von 220,8 Millionen Euro. Das weist der Rechtsanwalt entschieden zurück: „Ich habe überhaupt keinen Betrag gefordert“, sagt er im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung.

Wer verliert, trägt die Kosten

Meilicke, der ebenso wie Blumers als sehr gewiefter Jurist gilt, ging einen aus der Sicht von Laien ungewöhnlichen Weg. Er reichte im September 2011 Klage gegen Blumers ein, um ihn zu zwingen, seine Ansprüche vor Gericht geltend zu machen. Denn dass es diese Ansprüche gab, war ihm bekannt. „In die Klage“, sagt Blumers, „hat er einen möglichst hohen Beteiligungswert gesetzt, um auf diese Weise seine Wünsche auch mit wirtschaftlichem Druck durchzusetzen.“ Wer verliert, trägt die Kosten, die sich am Streitwert orientieren.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hängt mit dem Misstrauen des Familienunternehmers Heinz Breuninger gegenüber der eigenen Familie zusammen. Der Enkel des Gründers, der nach dem Krieg die Leitung übernahm, baute seine eigene Beteiligung im Laufe der Zeit mühsam und gegen Widerstände von 15 Prozent auf 54 Prozent aus. Der Name Breuninger, so wird erzählt, war im Unternehmen traditionell kein Türöffner, sondern bisweilen das Gegenteil. Ein Mitglied der verzweigten Familie machte sogar seinen Vor- zum Nachnamen und arbeitete inkognito in der Finanzabteilung. Aus Heinz Breuningers Misstrauen gegenüber der Verwandtschaft wird in einer offiziellen Firmenbroschüre von Ende der achtziger Jahre kein Hehl gemacht: „Es entsprach seinem Verantwortungsbewusstsein“, so heißt es etwas verklausuliert über ihn, „dass er die Kontinuität seines Unternehmens (. . . ) über die Familientradition stellte.“ So traute er auch seiner Tochter Helga nach langem Nachdenken die Nachfolge letztlich doch nicht zu und übergab die Leitung dem familienfremden Willem van Agtmael. Helga Breuninger leitet die gemeinnützige Breuninger-Stiftung, die unter anderem bürgerschaftliches Engagement, Bildung, Erziehung, Kultur und Medizin fördert.

Der Stiftungsvorstand arbeitete Hand in Hand

Heinz Breuninger setzte an die Spitze seines Kaufhausunternehmens eine kombinierte Stiftung: die Heinz-Breuninger-Stiftung und die gemeinnützige Breuninger-Stiftung. Die Macht lag bei der Heinz- Breuninger-Stiftung, weshalb er dort nach der Gründung 1969 zunächst selbst den Posten als Vorstand übernahm. Nach Heinz Breuningers Tod wurden entsprechend seinem Testament van Agtmael und Meilicke sowie Blumers und später noch zwei weitere Manager Mitglieder eines insgesamt fünfköpfigen Stiftungsvorstands. Meilicke und Blumers waren zwar nie im Kaufhaus tätig, sondern blieben als Anwälte selbstständig, hatten im Konzern aber an vielen Stellen als Geschäftsführer von zwischengeschalteten Gesellschaften wichtige Funktionen. Den Zweck der Konstruktion beschreibt Blumers so: „Diese Konstruktion sollte das Unternehmen vor den Interessen von Gesellschaftern schützen und die Erträge gemeinnützig anlegen.“ Bis nach der Jahrtausendwende arbeitete der Stiftungsvorstand Hand in Hand. So wurden etwa missliebige Mitgesellschafter wie der Familienstamm Eduard Breuninger/Ruth Frick mit vereinten Kräften veranlasst, das Unternehmen zu verlassen.

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