Ex-VfB-Sportdirektor Rettet Robin Dutt den VfL Bochum?

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Trainer, Sportdirektor, Feuerwehrmann: Robin Dutt, zuletzt Sportdirektor beim VfB Stuttgart, hat schon öfter die Rollen gewechselt – jetzt will der 53 Jahre alte Leonberger den Fußball-Zweitligisten VfL Bochum retten.

Neue Aufgabe:  Robin Dutt sitzt  jetzt beim Fußball-Zweitligisten VfL Bochum auf der Bank. Foto: dpa
Neue Aufgabe: Robin Dutt sitzt jetzt beim Fußball-Zweitligisten VfL Bochum auf der Bank. Foto: dpa

Bochum/Stuttgart - Es ist kein Fehler, im Leben Pläne für die Zukunft aufzustellen und feste Prinzipien zu haben. Allerdings hält sich das Leben nicht immer an solche Vorgaben, weshalb eine gewisse Flexibilität von entscheidendem Vorteil ist. Wer wüsste das besser als Robin Dutt? Kaum einer kennt sie besser als der 53 Jahre alte Leonberger, die Irrungen und Wirrungen der Unterhaltungsbranche Profifußball.

Seine Karrierepläne hat der frühere Amateurkicker schon öfter über den Haufen werfen müssen. Von der Trainerbank wechselte Dutt einst hinter den Schreibtisch, um als DFB-Sportdirektor nicht nur tagesaktuell, sondern langfristig zu wirken. Schon bald jedoch vermisste der Lehrgangsbeste der Fußballlehrer-Ausbildung 2005 den Alltag auf dem Trainingsplatz und quittierte den Managerjob in Frankfurt mit der Begründung, doch lieber wieder als Coach in Bremen arbeiten zu wollen. Vom VfB Stuttgart schließlich wurde er trotzdem als Sportvorstand engagiert – was Dutt zum Anlass nahm, seine Trainerkarriere für beendet zu erklären.

Jetzt folgte die vorerst letzte Kehrtwende: Seit Montag ist Robin Dutt doch wieder Trainer, genauer: Feuerwehrmann. Der VfL Bochum hat ihn als vierten Chefcoach in dieser Saison verpflichtet und mit der Aufgabe betraut, die Mannschaft vor dem Abstieg in die Dritte Liga zu bewahren. Sein Vertrag läuft bis 2019. Wer könnte Dutt vorwerfen, dass er das Angebot angenommen und seine bisherigen Überlegungen erneut korrigiert hat? Vorsätze mögen gut und schön sein – noch besser ist es, einen festen Job zu haben. Die Tage werden lang, wenn man nur zu Hause sitzt – das gilt auch für arbeitslose Fußballschaffende, die sich in der Regel wenigstens keine finanziellen Sorgen machen müssen. Eine Abfindung von rund einer Million Euro erhielt Dutt, nachdem der VfB nach dem Abstieg im Mai 2016 die Zusammenarbeit beendet hatte.

Klammer Traditionsclub

Weitere Millionen wird Dutt beim chronisch klammen Traditionsclub, der seine beste Zeiten unter dem Gütesiegel „Die Unabsteigbaren“ im vorigen Jahrtausend erlebt hat, nicht verdienen. Auch mit Mehrjahresplänen, die er als VfB-Sportchef gern entworfen hat, braucht sich der neue VfL-Coach vorerst nicht mehr zu beschäftigen. „Falls Sie von mir Tabellenplätze für die nächste und übernächste Saison hören wollen – dafür bin ich zu lange im Geschäft“, sagt Dutt bei seiner Vorstellung am Montagmittag: „Wenn ich die Halbwertzeit von Trainern sehe, ist es schwierig, über Perspektiven zu sprechen. Wir müssen die Aufgabe hier und jetzt angehen.“

Trotz aller Nöte und Zwänge: Robin Dutt dürfte heilfroh sein, dass ihm das Leben (beziehungsweise der VfL-Sportchef Sebastian Schindzielorz) eine neue Chance geschenkt hat, es besser zu machen als bei seinen vorherigen Engagements in Leverkusen, beim DFB, in Bremen und in Stuttgart. Glücklich ist er dort nicht geworden. In Bochum soll dies anders sein – die Aussichten stehen gar nicht so schlecht.

In gewisser Hinsicht kehrt Dutt mit seinem Wechsel zum VfL zu seinen Wurzeln zurück. Seine Stärke bestand in seinen Anfangsjahren darin, kleinere Clubs mit bescheidenen finanziellen Möglichkeiten und unbekannten, hungrigen Spielern voranzubringen. Bei den Stuttgarter Kickers machte er sich einen Namen und wurde 2007 vom SC Freiburg auserkoren, das schwierige Erbe des langjährigen Übertrainers Volker Finke anzutreten. Vier Jahre blieb er im Breisgau und führte den Club in die Bundesliga, ehe ihm anschließend in Leverkusen Stars wie Michael Ballack sehr schnell die Gefolgschaft verweigerten.

Neue Mission

Meuternde Altinternationale muss Dutt in Bochum nicht fürchten. Stattdessen trifft er in Heiko Butscher, damals sein Kapitän, jetzt sein Co-Trainer, einen loyalen Vertrauten aus Freiburger Zeiten wieder. „Ich habe ihn als akribischen Menschen kennengelernt, der von den Spielern einiges abverlangt – aber immer auf einer menschlichen Ebene“, sagt der 37-Jährige.

Mit dem Spiel in Heidenheim beginnt am Freitag die neue Mission von Robin Dutt, auf der er offenbar einiges anders machen will als in der Endphase beim VfB: Er werde versuchen, „sehr behutsam und mit Fingerspitzengefühl“ ans Werk zu gehen.