Krimikolumne

Ross Thomas: „Dämmerung in Mac’s Place“ Die alten Drachen zeigen Zähne

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McCorkle und Padillo sind zurück. Und auch wenn die beiden Herren in die Jahre gekommen sind: Sie haben noch genug Mumm in den Knochen, um Ross Thomas’ brillantem Thriller „Dämmerung in Mac’s Place“ den richtigen Drive zu geben.

Wie schafft es ein Mann, der zu Lebzeiten offiziell nie gedient hat, im Tod auf den Ehrenfriedhof von Arlington? Ross Thomas weiß die Antwort. Foto: Ralf Rolethschek
Wie schafft es ein Mann, der zu Lebzeiten offiziell nie gedient hat, im Tod auf den Ehrenfriedhof von Arlington? Ross Thomas weiß die Antwort. Foto: Ralf Rolethschek

Stuttgart - Wenn auf dem Neu- und dem Altbuchstapel zwischen anderen Krimis auch ein druckfrischer McCorcle-und-Padillo-Fall von Ross Thomas liegt, dann kann man vielem widerstehen. Bloß nicht allzu lange der Versuchung, das Buch zu lesen, nein: zu verschlingen. „Dämmerung in Mac’s Place“ heißt der Thriller, soeben in einer bearbeiteten Neuausgabe auf dem Markt gebracht vom Alexander Verlag Berlin, den man dafür nicht genug preisen kann.

Unsere Helden Mac McCorkle und Michael Padillo sind noch mehr in die Jahre gekommen als beim letzten Mal: „Zwei alte Drachen mit stumpfen Klauen, fehlenden Zähnen und nicht mehr so viel Feuer in ihren Bäuchen“ , sagt McCorkle über sich und seinen Freund. Die Zeiten exzessiven Rauchens und Trinkens sind lange her. Und auf derselben Seite spricht McCorkle auch noch von „Alzheimer-Boys“. Das ist ziemlich genau in der Mitte des Buches, und viel zu tun haben die beiden Herren bis zu diesem Zeitpunkt nicht gehabt.

Es könnten ja Schweinereien ans Licht kommen

Es dreht sich vielmehr in der Hauptsache um einen verstorbenen Agenten, der offiziell nie bei der CIA war, dessen angebliche Memoiren aber in Langley und anderswo für größte Aufregung sorgen – es könnte ja sein, dass Schweinereien ans Licht kommen, die auch nach Jahrzehnten noch einige Sprengkraft besitzen.

Granville Haynes, der Sohn des Verstorbenen, Ex-Polizist und mittlerweile mäßig erfolgreicher Hollywood-Schauspieler, macht sich daran, Licht in den Nachlass seines Vaters zu bringen. Ihm zur Seite steht neben McCorkle und Padillo unter anderem Macs sehr erwachsene Tochter Erika, was der ältere Herr mit einem gewissen Unbehagen zur Kenntnis nimmt. Und das nicht nur, weil von den vier Trauergästen, die in Arlington von Steadfast Haynes Abschied genommen hatten, irgendwann nur noch einer am Leben ist.

Man möchte vor ihm niederknien

Nur etwas mehr als eine Woche dauert die erzählte Zeit, die Ross Thomas braucht, um einen Bogen zu spannen von der ausgehenden Ära Reagan mit ihrer Iran-Contra-Affäre zurück in weitere Sümpfe des nahen und des fernen Ostens und der meisten anderen Schauplätze, an denen die Amerikaner seit Ende des Zweiten Weltkriegs gewirkt haben. Und er macht das – wie gewohnt – so zurückgelehnt, dass man vor ihm niederknien möchte.

Mögen manche Leute auch der Meinung sein, Krimis seien eine lineare Literaturangelegenheit: so linear, so ökonomisch, so spannend und (ganz, ganz sparsam dosiert!) so witzig wie Ross Thomas muss einer erstmal schreiben können.

Zugegeben: das war jetzt eine ziemlich euphorische Besprechung. Wer’s lieber trocken mag, der ziehe los und besorge sich „Dämmerung in Mac’s Place“.

Ross Thomas: „Dämmerung in Mac’s Place“. Ein McCorkle-und-Padillo-Fall. Roman, aus dem Englischen von Bernd Holzrichter. Alexander Verlag, Berlin. 392 Seiten, 14,90 Euro. Auch als E-Book, 8,49 Euro.