Flughafen Stuttgart Knapp eine Million Fluggäste mehr

Von Josef Schunder 

Jetzt ist es ermittelt: Im vergangenen Jahr sind am Stuttgarter Flughafen noch einmal 8,5 Prozent mehr Reisende gelandet oder abgeflogen als im Rekordjahr 2018.

Der Flughafen ist ein Aushängeschild für Land und Stadt, finden die Flughafenchefs   Walter Schoefer und   Arina Freitag sowie OB   Kuhn und Minister Hermann (von links). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der Flughafen ist ein Aushängeschild für Land und Stadt, finden die Flughafenchefs Walter Schoefer und Arina Freitag sowie OB Kuhn und Minister Hermann (von links). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Landung am Jahresende war für die Flughafenchefs ziemlich erfolgreich: gutes Betriebsergebnis und viele Passagiere in den vorausgegangenen zwölf Monaten. Es waren 12,72 Millionen – und damit 0,9 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Starts und Landungen, die Anrainer stören können, nahm allerdings auch von 137 632 auf 142 300 zu. Jubel wird ob solcher Zunahmen schon länger nicht mehr angestimmt, besonders nicht nach dem Jahr 2019 mit vielen Klimaschutzdebatten. Das war beim Neujahrsempfang der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) am Mittwoch nicht anders.

Dazu waren mehr als 300 Gäste im Hangar 9 auf der Südseite der Start-und-Lande-Bahn bei Bernhausen erschienen – und nicht wie in früheren Jahren im Westtrakt von Terminal 1. Der Grund: „Wir brauchen Terminal 1 West für die Passagiere. Wir können ihn nicht zwei Tage für Vorbereitung und Abwicklung des Neujahrsempfangs aus dem Betrieb nehmen“, sagte Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung.

Der Rückblick

2019 habe man einen „harten, harten Weg“ hinter sich gebracht und die Entgelte – also die Gebühren für die Airlines – nach Auslastung und Flugzeuglärm gestaffelt, erinnerte die für den Flugverkehr direkt zuständige Geschäftsführerin Arina Freitag. Diesen Systemwechsel lobte Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister und Vorsitzender des FSG-Aufsichtsrates, als „großartig“, zumal man keinerlei Rechtsstreit mit den Betroffenen bekommen habe. Und die Umstellung passt in seinen Augen in die seit Jahren laufenden Bemühungen um einen nachhaltigen Betrieb am Boden. Zudem gefiel ihm, dass 2019 die Versorgung der Jets mit Bodenstrom eingeführt wurde, was Emissionen von den Flugzeugen vermeidet.

Der Ausblick

Am 23. April wird eine 56 Tage währende Teilsanierung der Betonpiste beginnen, die in zwei Phasen erst eine etwas stärkere, dann eine geringere Einschränkung des Flugbetriebs mit sich bringt. Dennoch werde man neben den Zielen in Deutschland auch viele Ziele in Europa weiter anbieten können, tröstete Freitag. Aufsichtsratschef Hermann und Geschäftsführer Schoefer hoffen, dass es beim geplanten Bau des neuen Flughafenanschlusses der Bahn – Stichwort Stuttgart 21 – vorangeht. „Im Moment liegt das beim Gericht“, sagte der Minister, „und es ist schon bitter, dass die FSG rund 340 Millionen Euro ausgegeben hat und bisher nichts in der Hand hat.“ Im neuen Jahr wird auch der Aufsichtsrat umgebaut, weil er künftig paritätisch mit Vertretern von Gesellschaftern und Belegschaft besetzt sein wird.

Daher war Stuttgarts OB Fritz Kuhn, im Aufsichtsrat im Moment noch Vize, wohl letztmals in dieser Funktion bei einem öffentlichen Termin. Künftig amtiert hier ein Vertreter der Belegschaft. Furcht haben Hermann und Schoefer wegen der paritätischen Mitbestimmung nicht. „Auch die Arbeitnehmer-Vertreter sind dem Unternehmen verpflichtet, nicht der Gewerkschaft“, sagte Hermann. Für die Entwicklung der FSG sei ein Rahmen vorgegeben, „der ist nicht beliebig“. Schoefer sagte, man habe bisher immer gut zusammengearbeitet – und die FSG sei wiederholt von externer Seite als sehr guter Arbeitgeber ausgezeichnet worden.

Der große Zielkonflikt

Geschäftserfolg ist gut, aber der Klimaschutz dringlich. Der Minister sagte, es geht nicht darum, das Fliegen abzuschaffen, sondern umweltfreundliches Kerosin einzusetzen. Da müsse man vorankommen. In Amsterdam (Niederlande) und in den USA gehe diesbezüglich mehr. Der Klimaschutz sei für die Fliegerei 2019 ein großes Thema gewesen, das zuvor lange Zeit nur für Autos debattiert worden sei. Die FSG habe allerdings seit Jahren ein klares Konzept und mache „aktiv so ziemlich alles“, was im Betrieb am Boden im Sinne von Nachhaltigkeit möglich sei.




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