Spargelanbau im Kreis Esslingen Kommt heimischer Spargel pünktlich zu Ostern?

Auf dem Beeren- und Spargelhof Henzler in Nürtingen sind am Wochenende die ersten Stangen Grünspargel gestochen worden. Foto: Ines Rudel

Der Spargelanbau ist mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Weil sich das immer weniger rentiert, schrumpfen auch im Kreis Esslingen die Anbauflächen. Derzeit hoffen die örtlichen Spargelbauern, dass sie pünktlich zu Ostern mit der Ernte beginnen können.

Es könnte klappen. Rund um Karlsruhe und in der Pfalz wurde bereits vor zwei, drei Wochen der erste Spargel gestochen. Die Spargelbauern im Kreis Esslingen hoffen jetzt, dass sie pünktlich zu Ostern mit der Ernte beginnen können. Das wäre ideal, denn das Osterfest ist für viele Kunden der Start in die Spargelsaison. Normalerweise gibt es zu den Feiertagen auch im Kreis Esslingen schon gewisse Mengen des Edelgemüses. Aber in diesem Jahr liegt Ostern so zeitig, dass es trotz des ungewöhnlich frühen Saisonstarts knapp werden könnte.

 

Markus Eberhardt vom Berghof Deizisau hofft nun auf warme und trockene Tage, damit die Spargelfelder abtrocknen können. Die Böden seien durch den vielen Regen in den vergangenen Wochen völlig durchtränkt und schwer. Der Niederschlag sei zwar gut für die Pflanzen, aber jetzt seien Wärme und Trockenheit wichtig für eine gute Ernte. „Dieses Jahr brauchen wir viel Geduld, weil es so viel geregnet hat“, erklärt Eberhardt. „Es könnte gerade so reichen, dass wir noch vor Ostern mit der Ernte beginnen können“, so der Spargelbauer. Sicher sei das aber nicht. Dass die Saison in Karlsruhe bereits eingeläutet wurde, sei nicht ungewöhnlich: Dort sei die Vegetation immer ein bis zwei Wochen voraus.

Ostergeschäft ist wichtig für die Spargelbauern

Guido Henzler vom gleichnamigen Beeren- und Spargelhof in Nürtingen würde lieber heute als morgen mit der Spargelernte beginnen. „Für uns ist es wichtig, das Ostergeschäft mitzunehmen“, sagt er. Die ersten Stangen Grünspargel wurden bereits am Wochenende gestochen, doch ob es auch für nennenswerte Mengen an weißem Spargel reicht, ist unklar. Und das, obwohl die Vegetation im Landkreis Esslingen in diesem Jahr etwa zehn Tage früher dran sei als im vergangenen Jahr, so Henzler. Aber bislang fehle die trockene Wärme. Henzler hofft, dass sich die Spargelernte durch den frühen Saisonstart besser verteilt als sonst – und dass damit die Preise stabil bleiben. Denn wenn große Mengen auf einmal auf den Markt kämen, drücke das die Preise. Und das wäre laut dem Spargelproduzenten fatal.

Denn schon jetzt werde es immer schwieriger, beim Spargelanbau kostendeckend zu arbeiten. „Alle Kosten explodieren“, sagt Guido Henzler. Neben allgemeinen Preissteigerungen, etwa durch Inflation, schlage auch der höhere Mindestlohn zu Buche. Und man könne die Mehrkosten nicht einfach auf den Spargelpreis übertragen. Deshalb habe er die Flächen für die Spargel- und Erdbeerproduktion im vergangenen Jahr bereits um jeweils fünf Hektar reduziert – jetzt baue er noch auf insgesamt 75 Hektar Spargel, Erdbeeren, Himbeeren, Süßkirschen und Kürbisse an. „Es bringt nichts mehr, Masse anzubauen“, sagt Henzler. Explodierende Kosten, erdrückende Bürokratie und der steigende Mindestlohn machten das Geschäft immer unrentabler.

Man überlege aber, wie man gegensteuern könnte. „Wir versuchen, mehr maschinell zu machen, um die Personalkosten zu senken“, erklärt Guido Henzler. Doch gerade bei der Spargelernte sei das schwierig, weil nach wie vor viel Handarbeit notwendig sei. In den Spitzenzeiten im Sommer arbeiten laut Henzler zwischen 150 und 170 Erntehelfer auf den Spargel- und Beerenfeldern seines Betriebs, die meisten von ihnen aus Rumänien. Angesichts der vielen Alternativangebote für die Arbeiter sei es nicht immer einfach, genügend Helfer zu bekommen, aber dieses Jahr scheine es zu klappen, so Henzler. Er hofft jetzt auf eine gute Ernte: „Derzeit kann man von einem durchschnittlichen Ertrag ausgehen, die Bestände waren in Ordnung.“

Auch Markus Eberhardt rechnet mit einer guten Spargelqualität und einer guten Ernte. Der Deizisauer Landwirt hat zwar nicht vor, Anbauflächen zu reduzieren, aber er weiß nur zu gut um den Kampf mit steigenden Kosten. „Wir müssen jedes Jahr die Preise anpassen, es bleibt uns gar nichts anderes übrig“, erzählt er. Schließlich werde alles immer teurer, von den Materialkosten über Verpackungskosten bis hin zu den Personalkosten. Letztere seien gerade beim Spargelanbau sehr hoch, weil hier viel Handarbeit nötig sei. „Man versucht, die Handarbeit durch Technik zu ersetzen, aber die ist noch nicht ausgereift“, so Markus Eberhardt.

Spargel ist auch für die Kunden mit Aufwand verbunden

Zudem habe er den Eindruck, dass angesichts der Inflation auch die Nachfrage nach dem Edelgemüse etwas zurückgegangen sei. Im vergangenen Jahr habe sich die Entwicklung durch das etwas geringere Angebot ausgeglichen. Aber neben dem vergleichsweise hohen Preis bringe Spargel für die Kunden auch Aufwand mit, schließlich müsse er aufwendig geschält und zubereitet werden.

Das sei etwa bei Erdbeeren nicht der Fall, vielleicht sei hier deshalb die Nachfrage konstant. Dennoch blickt Markus Eberhardt optimistisch auf die Spargelsaison: Die Anbaufläche auf seinem Hof sei seit Jahren konstant – und er habe bislang immer die gesamte Ernte im eigenen Hofladen vermarkten können.

Weniger Betriebe, weniger Anbaufläche, weniger Konsum

Rückgang
 In Baden-Württemberg ist die Zahl der Betriebe im Spargelanbau in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Gab es hier laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2015 noch 305 Betriebe, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 237 Betriebe – das entspricht einem Rückgang von 22,3 Prozent. Ähnlich ist die Entwicklung bei den Anbauflächen, die seit 2015 um etwa 19,5 Prozent zurückgegangen sind. Auch bei den Erntemengen in Baden-Württemberg verzeichnet das Statistische Bundesamt einen Rückgang. So fiel die Spargelernte im vergangenen Jahr um rund 17,7 Prozent geringer aus als 2015.

Gründe
  Ein Grund für die Rückgänge sind laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer die hohen Produktionskosten, die nicht alle an die Kunden weitergegeben werden könnten. Zudem gebe es Probleme, genug Erntehelfer zu finden – und der Spargelkonsum sei etwas zurückgegangen.

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