Sport und Kultur in Korntal-Münchingen Die Tage der Buddenberg-Halle sind gezählt

Von Uwe Roth 

Lange wurde gerungen, zwei Mal die Entscheidung vertagt, nun ist es endlich beschlossen: Die Mehrzweckhalle im Ortsteil Münchingen von Korntal-Münchingen wird durch einen Neubau ersetzt, die Sporthalle saniert. Die Bürger werden eingebunden.

Die Albert-Buddenberg-Halle auf dem Schulareal (im Bild) ist ebenso sanierungsbedürftig wie die Sporthalle am Freizeitbad. Doch  nur Letztere hat eine Zukunft. Foto: factum/Simon Granville
Die Albert-Buddenberg-Halle auf dem Schulareal (im Bild) ist ebenso sanierungsbedürftig wie die Sporthalle am Freizeitbad. Doch nur Letztere hat eine Zukunft. Foto: factum/Simon Granville

Korntal-Münchingen - Ende Mai hatte der Gemeinderat von Korntal-Münchingen den heiklen Tagesordnungspunkt Sporthallenplanung für den Stadtteil Münchingen vertagt – zum zweiten Mal, nachdem sich das Gremium bereits im Dezember noch nicht festlegen wollte. Doch nun steht seit Donnerstagabend fest: Die in die Jahre gekommene Albert-Buddenberg-Halle auf dem Schulareal wird nicht saniert, sondern abgerissen. Stattdessen entsteht an gleicher Stelle eine Dreifeldhalle, in der sowohl Sport- als auch Kulturveranstaltungen stattfinden können. Darauf hat sich der Gemeinderat nach kontroversen Diskussionen bis in den späten Abend bei vier Gegenstimmen und dem Wissen um die Proteste von Bürgern verständigt. Das Veto gab es aus den Reihen der Freien Wähler.

Die Gemeinderäte stimmten über das von der Stadtverwaltung so bezeichnete Szenario 1, Variante 1 ab. Dazu gehört neben dem Hallenneubau die Sanierung der mehr als 40 Jahre alten Dreifeldhalle im Sportzentrum am Freizeitbad. Die Verwaltung schätzt die Kosten aller baulichen Projekte auf mindestens 18 Millionen Euro. Teuerster Brocken sind mit etwa elf Millionen Euro der Abriss des mehr als 60 Jahre alten Zweckgebäudes und der Neubau an gleicher Stelle, in dem höher karätige Sportwettkämpfe stattfinden können.

Mit dem Beschluss wird die Stadt ein sogenanntes Verhandlungsverfahren nach der Vergabeordnung beginnen. Das bedeutet, die Verwaltung wird eng mit den Unternehmen zusammenarbeiten, die das Neubauprojekt realisieren werden. Ein Planungsbeirat wird die Vorbereitung des Verfahrens begleiten. Er besteht aus Mitgliedern des Gemeinderats (je Fraktion ein Vertreter), Münchinger Vereine (maximal drei Personen) sowie der Stadtverwaltung. Auf Antrag der Freien Wähler werden zusätzlich zwei Anwohner in den Beirat aufgenommen. In diesem Punkt waren sich die Gemeinderäte einig: Auch Vertreter der Bürgerschaft sollen eine Mitsprache haben, wenn der Planungsbeirat Vorschläge zur Ausstattung, zu benötigten Flächen und Standards erarbeitet. In der Sitzung machte vor allem Anne-Hilde Föhl-Müller von den Freien Wählern Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) heftige Vorwürfe, die Münchinger Bürger in die seit Frühjahr 2018 andauernde Debatte unzureichend eingebunden zu haben. Sie sprach von „sehr vielen Bürgern“, die gegen das von der Stadt favorisierte Szenario eingestellt seien. „Vielen Bürgern gefällt’s nicht. Auch nicht dem Kirchengemeinderat“, sagte sie.

Heftige Vorwürfe von den Freien Wählern

Der Bürgermeister Wolf erwiderte mit einem Blick auf die vielen leer gebliebenen Stühle für Zuhörer im Münchinger Widdumhof, dass der Protest gegen den Vorschlag der Stadt so groß nicht sein könne. Neben Vertretern betroffener Vereine machte er „zwei bis drei anwesende Bürger“ aus. Die Zuhörer indes beklatschten den Freien-Wähler-Vorschlag eines Verfahrens zur Bürgerbeteiligung.

Die Rathausseite argumentierte dagegen, dass eine solche Beteiligung die Umsetzung des Projekts um viele Monate hinauszögere und damit der Stadt mögliche Zuschüsse entgehen könnten. Die Fördermittel, mit denen Bund und Land aktuell und in naher Zukunft die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Auflagen mildern wollen, könnten dem Bauprojekt zugutekommen, wenn rechtzeitig Anträge gestellt werden. Joachim Wolf betonte, die Hallen müssten in Zukunft multifunktional sein, damit diese rentabel betrieben werden könnten. Also keine räumliche Trennung von Sport und Kultur. Das wollte Anne-Hilde Föhl-Müller mit ihrem Antrag erreichen, den sie in der Sitzung vorstellte. Er scheiterte an einer großen Mehrheit aus 15 Nein- und 5-Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen.

Bürgermeister will mehr für das Bauvorhaben werben

Nach Föhl-Müllers Vorstellung kann die Buddenberg-Halle mit vertretbaren Kosten saniert werden, ebenso die Sporthalle am Freizeitbad. Zusätzlich soll dort eine „preiswerte Dreifeldhalle“ gebaut werden. Eine weitere Zweifeldhalle ausschließlich für den Schulsport ist nach ihrer Ansicht auf dem Tartanplatz notwendig. Die Kosten seien wegen des Betriebs zweier zusätzlicher Hallen zwar auf Dauer höher, wie sie einräumte. Aber: „Wir können uns das leisten“, zeigte sie sich überzeugt. Gleichzeitig machte die Freie Wählerin in ihrem am Ende gescheiterten Antrag Vorschläge, wie die Stadt erhebliche Baukosten sparen könnte, sodass ihre Projektliste nach ihrer Berechnung am Ende sogar zwei Millionen Euro günstiger werden könnte.

Unterstützt wurde Anne-Hilde Föhl-Müller von der Agendagruppe Lebenswertes Münchingen. Sie wünscht sich ebenfalls eine „Beibehaltung der Trennung von Kultur und Sportbereich“, sagte die Sprecherin Ursula Schill. Zwar kann nach Vorstellung der Agendagruppe die alte Halle weg. Doch der Nachfolgebau solle der Kultur vorbehalten bleiben. Auf den „Bau einer städtebaulich unpassenden Dreifeldhalle mit Gewerbeflair-Charakter auf der Festwiese“ könne dagegen verzichtet werden.

Trotz des langen Austausches an Argumenten wichen die Stadträte von ihrer Einstellung zu Beginn der Sitzung nicht ab, wie sich in der Abstimmung erwies. „Alle Argumente sind schon oft ausgetauscht worden“, hieß es. Der Bürgermeister hat sich zumindest vorgenommen, in der Bürgerschaft mehr für das nun beschlossene Vorhaben zu werben.




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