Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost ist mit den Plänen der SSB für das Depot-Areal noch nicht ganz zufrieden. Noch in diesem Jahr ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung geplant.

Lokales: Jürgen Brand (and)

Für das SSB-Areal mitten im Stuttgarter Osten soll es einen neuen Bebauungsplan geben. Und zwar speziell für den Innenbereich mit der ehemaligen Wagenhalle, die immerhin 35 Jahre lang als provisorisches Jugendhaus genutzt worden war. Eigentlich ist das eine gute Nachricht auch für den Bezirksbeirat Stuttgart-Ost. Allerdings hat das kommunalpolitische Beratungsgremium in den vergangenen drei Jahrzehnten (!) schon oft und aufsummiert viele Stunden lang über diese innerstädtische Brache diskutiert, ohne dass dort allzu viel passiert ist.

Die jetzt im Bezirksbeirat vom Stadtplanungsamt und der SSB vorgestellte optimistische Variante eines Zeitplans für die Neubebauung des Geländes sieht eine Fertigstellung im besten Fall bis 2027 oder 2028 vor. Die SSB hat schon einige Pläne für ihr Areal im Herzen des Stuttgarter Ostens gemacht, auch einen Bebauungsplan dafür gibt es, er stammt aus dem Jahr 2005. Dieser Plan ermöglicht Wohnungen aber nur in den obersten Geschossen von Neubauten, was angesichts des Wohnungsmangels in der Stadt nicht so bleiben kann. Deswegen muss ein neuer Bebauungsplan her, der dann die jetzt gewünschten, bis zu 130 Wohnungen in dem Innenbereich ermöglichen soll. Dafür muss die mittendrin und jetzt leer stehende alte Wagenhalle abgerissen werden, auch der eingeschossige Gebäudeteil an der Schönbühlstraße zwischen dem Durchgang beim Depot und dem Bürgerservicezentrum kommt weg.

Öffentlichkeitsbeteiligung noch dieses Jahr

Nach den jetzigen Vorstellungen gibt es auf dem Gelände zwei Baufenster: Ein lang gestrecktes entlang dem inneren Teil der Jakob-Holzinger-Gasse, das andere reicht parallel zum Depot-Gebäude von der Schönbühlstraße bis zur Gasse, wobei im inneren Bereich eine Platzfläche freigehalten werden soll. In den Neubauten sollen auch 50 bis 60 Wohneinheiten für sogenanntes „pflegenahes Wohnen“ entstehen, diese Zahl hat auch die Caritas als möglicher Träger der Einrichtung vorgeschlagen. Bis zur Hälfte aller neuen Wohnungen dort sollen geförderte SIM-Wohnungen (Stuttgarter Innenentwicklungsmodell) sein. Die Erdgeschossbereiche sollen beispielsweise auch gewerblich genutzt werden können, der Platz mit einer angestrebten hohen Aufenthaltsqualität könnte ein neuer Treffpunkt im Osten werden. Ob der Wochenmarkt wieder dorthin umziehen wird, muss noch ausdiskutiert werden.

Noch in diesem Jahr ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung geplant, sie soll vor dem sogenannten „hochbaulichen Realisierungswettbewerb“, der demnächst ausgeschrieben wird, stattfinden. In dieser Beteiligung soll es vor allem um die öffentlichen Freibereiche und die Erdgeschossnutzungen gehen. Im eigentlichen Wettbewerbsverfahren sollen der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost und eventuell auch sachkundige Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden. Parallel zum Wettbewerb beginnt nach den Vorstellungen des Stadtplanungsamtes das Bebauungsplanverfahren, das dann schon 2024 abgeschlossen sein könnte. Baubeginn könnte im besten Fall kurz danach sein.

„Es ist eigentlich eine Schande“

In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats sagte Eberhard Frei (Bündnis90/Die Grünen): „Es ist eigentlich eine Schande, dass man ein Areal mitten in der Stadt so lange unbebaut lässt.“ Dem schlossen sich Sprecher der anderen Fraktionen an. Gleichzeitig wurde begrüßt, dass jetzt etwas passieren soll. Mit den ihnen vorgestellten Überlegungen für das Areal war aber die Mehrheit nicht ganz einverstanden. „Wir halten wesentlich mehr Wohnungen an dieser Stelle für umsetzbar und auch nötig“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Bezirksbeirats, die bei zwei Enthaltungen mit großer Mehrheit beschlossen wurde. „Die nur grob skizzierte Baumasse – zwei riegelförmige Baukörper – stellt nicht das Ende der auf dem Gelände möglichen Nutzung dar.“

Außerdem fordert der Bezirksbeirat auf dem Gelände eine öffentliche Quartiersgarage auch mit Fahrrad-Stellplätzen. „Wir halten den Bau einer Quartiersgarage im Zuge der Bebauung für ein Muss“, heißt es in der Erklärung. „Günstiger sind zentrumsnahe Parkplätze sicherlich nicht zu schaffen.“

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