Die Mannschaft des SSV Ulm 1846 mit ihrem emotionalen Anführer und Kapitän Johannes Reichert feierte praktisch das komplette Wochenende durch. Gut möglich, dass der Party-Marathon für den einen oder anderen auch noch in die Verlängerung ging – zumal Trainer Thomas Wörle nach dem 2:0 gegen Viktoria Köln und der damit feststehenden Drittliga-Meisterschaft sowie dem Zweitliga-Aufstieg noch bis zum Mittwoch freigab.
Fußballgeschichte geschrieben
Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Markus Thiele saß dagegen am Montag schon wieder im Büro. „Ich befinde mich aber auch noch in einer gewissen Regenerationsphase“, sagte der 42-Jährige mit einem Augenzwinkern. „Die Mannschaft hat Außergewöhnliches, geradezu Sensationelles geleistet, da darf und muss man feiern und genießen.“ Die Ulmer haben schließlich Fußballgeschichte geschrieben. Denn schon zum zweiten Mal in ihrer Vereinshistorie haben sie einen Durchmarsch geschafft: Zwischen 1998 und 2000 waren sie von der damals noch dritthöchsten Regionalliga in die Bundesliga aufgestiegen, jetzt ging es von der inzwischen nur noch viertklassigen Regionalliga in die zweite Liga.
Diesmal soll nach dem Aufstieg nicht der Absturz (mit drei Insolvenzen) folgen. Das schreit nach Arbeit. Es sei ein großer Vorteil, dass der Sprung nach oben jetzt schon feststehe, meinte Thiele: „Jeder Tag Vorsprung zählt, um Dinge finalisieren zu können.“ Sechs, sieben Neuzugänge soll es geben, um das große Ziel Klassenverbleib zu erreichen.
Eindrucksvoller Teamspirit
„Entscheidend wird sein, dass wir auch auf dem nächsthöheren Level mutig bleiben“, betonte Thiele. Das ist in der jüngeren Vergangenheit in beeindruckender Weise gelungen – und zwar sowohl den Spielern und dem Trainerteam als auch den Verantwortlichen um Thiele. Denn den Chefcoach Wörle 2021, nach neun Jahren in der Frauen-Abteilung des FC Bayern München, als Neuling im Männerbereich nach Ulm zu lotsen, gelang nicht ohne Widerstände. Thiele: „Auch in diesem Fall sind wir für unseren Mut maximal belohnt worden.“ Wörle hat mit viel Sinn fürs Detail, Kontinuität, eindrucksvollem Teamspirit und treffsicheren Verstärkungen das Team herausragend weiterentwickelt.
Bleibt noch die Baustelle Donaustadion. Auch diesbezüglich hat Thiele noch viel Arbeit vor sich. Einige Anforderungen, wie etwa im Bereich Medientechnik, müssen erfüllt werden. Für die in der zweiten Liga geforderte Komplett-Überdachung sämtlicher Zuschauerplätze bekommt der SSV Aufschub. Immerhin: Der Einbau der 1,5 Millionen Euro teuren Rasenheizung im Juni ist beschlossene Sache.
Aalens Abstieg tut weh
Weil diese fehlte, mussten die Ulmer in dieser Saison für fünf Heimspiele umziehen, und das nach Aalen. Dort wuchs Markus Thiele auf, der VfR ist sein Heimatverein. Und der Club von der Ostalb ist am Wochenende in die Oberliga abgestiegen. „Das tat mir schon weh“, räumt der ehemalige Torwart ein. Zumal Ulm und Aalen 2022/23 noch gemeinsam in der Regionalliga spielten und Thiele auch mit dem VfR 2012 schon einmal in die zweite Liga aufgestiegen war.
Damals fungierte er als Sportlicher Leiter und rechte Hand des damaligen Sportdirektors Markus Schupp, ehe er 2017 als Sportvorstand zu Hansa Rostock wechselte und 2021 dann nach Ulm kam. „Aalen war für mich das Sprungbrett, ich hatte dort einen etablierten Drittligisten hinterlassen und viel gelernt“, sagt Thiele. Davon profitieren nun die Ulmer Spatzen.