Stadt sind Hände gebunden Ärger über Scientology-Stand am Mailänder Platz

Von Martin Haar 

Der Milaneo-Centermanagerin und der Leiterin der Stadtbibliothek ist der Infostand von Scientology am Mailänder Platz ein Dorn im Auge. Auch weil sich dort sehr viele Jugendliche aufhalten. Doch man kann die Organisation dort nicht vertreiben – der Stadt sind die Hände gebunden.

Umstrittener Scientology-Stand zwischen Milaneo und Stadtbibliothek Foto: Haar
Umstrittener Scientology-Stand zwischen Milaneo und Stadtbibliothek Foto: Haar

Stuttgart - Kostenloser Stresstest. Das Angebot am Mailänder Platz klingt unverdächtig. Manche werden sich an Zeiten der Schlichtung im Kampf um das umstrittene Bahn- und Immobilienprojekt Stuttgart 21 erinnert fühlen. Andere vermuten gar die Möglichkeit, ihren Adrenalin-Pegel auf der täglichen Höllenfahrt im digitalen Zeitalter messen zu lassen. Nichts davon trifft des Pudels Kern, wie schon Goethe auf das Dunkle in seinem Faust anspielte. An diesem Stand wirbt die religiöse Bewegung Scientology, deren Lehre auf Schriften des US-amerikanischen Schriftstellers L. Ron Hubbard zurückgeht.

Vereine dürfen informieren

Andrea Poul, die Centermanagerin des Einkaufszentrums Milaneo, nennt Scientology eine „Sekte“. Daher ist sie alles andere als erfreut, dass die Scientologen an der Grundstücksgrenze zum Milaneo auf Menschenfang gehen. Bereits seit dem Jahr 1997 wird die Vereinigung in mehreren Bundesländern aufgrund eines Beschlusses der Innenministerkonferenz durch den Verfassungsschutz beobachtet. Die Organisation strebe eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen an und lehne das demokratische Rechtssystem ab, heißt es bei den Verfassungsschützern.

Damit wird klar, warum sich auch Andrea Poul über die Werbeaktionen in der Nähe des Milaneo ärgert. „Wir bekommen viele Beschwerden von unseren Kunden, weil sie denken, dass die auf unserem Grundstück stehen. Manche denken sogar, wir machen mit denen gemeinsame Sache.“ Letztlich sind der Centermanagerin die Hände gebunden. Denn der Scientology-Stand steht auf Grund und Boden der Stadt Stuttgart. Aber auch die Stadt kann die so genannten Stresstests nicht verbieten: „Generell dürfen Vereine Informationsstände in Stuttgart aufstellen. Hierzu müssen sie eine Genehmigung beantragen“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Weiter erklärt sie: Für die Innenstadt gelten nach der Sondernutzungsrichtlinie der Stuttgarter Innenstadt strengere Regelungen. „Hier dürfen nur gemeinnützige Organisationen ihre Informationsstände an vorgeschriebenen Orten aufstellen. Vereine, die nicht gemeinnützig sind, können außerhalb der Innenstadt ihre Informationsstände platzieren. Das Gelände beim Milaneo und der Stadtbibliothek gehört nach der momentan gültigen Sondernutzungsrichtlinie nicht zum Innenstadtbereich.“

Aus Sicht von Andrea Poul ist das keine glückliche Lösung. Auch weil sich auf dem Gelände viele Familien und Jugendliche aufhalten, die durch das Gedankengut der Organisation gefährdet seien: „Viele Kunden kritisieren genau diesen Aspekt.“

Kritische Rückmeldung von Kunden

Damit sind die Milaneo-Kunden in bester Gesellschaft. Denn auch die Leiterin der Bibliothek, Elke Brünle, bekommt von ihren Besuchern dieselbe kritische Rückmeldung. „Wir haben uns schon an alle offiziellen Stellen bei der Stadt gewandt“, sagt Elke Brünle, „allerdings vergeblich.“ Sie beobachte das Geschehen am Stand sehr genau und sieht auch eine Gefahr für die Jugendlichen. „Eigentlich läuft das genau unseren Bestrebungen in dem neuen Streetworker-Projekt mit drei Sozialarbeitern und einem Bibliothekar, Brücken bauen zu wollen, entgegen.“

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