Stadtbahn in Stuttgart Warum die Haltestelle Pragfriedhof eine Mogelpackung ist

Der Eckartshaldenweg fliegt zum Fahrplanwechsel vom Haltestellenschild. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Der Eckartshaldenweg fliegt zum Fahrplanwechsel vom Haltestellenschild. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Bald gibt es wieder einen Stadtbahnhalt in Stuttgart, der den Namen des Pragfriedhofs trägt. Die bisherige Haltestelle gleichen Namens war erst vor kurzen unter Protesten abgebaut worden.

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)

Stuttgart - Die 21 mit ausgezeichnetem Baumbestand gesegneten Hektar draußen an der Heilbronner Straße dürfen als erste Adresse gelten, wenn es um die finale Bleibe geht. Wer sich auf dem Pragfriedhof zur letzten Ruhe bettet, tut das in einem illustren Umfeld. Der Luftschiffer Graf Zeppelin ruht dort ebenso wie der Dichter Eduard Mörike, Louis Leitz, Erfinder des seinen Namen tragenden Ordners, hat da sein Grab ebenso wie der legendäre Präsident der Stuttgarter Kickers, Axel Dünnwald-Metzler. Es ist aber nicht bloß diese Promidichte (immerhin gibt es fast 29 000 Grabstellen und mithin auch reichlich Platz für Normal-Stuttgarter und -Stuttgarterinnen), die den Pragfriedhof zu etwas Besonderem macht. An der Stelle, an der aus dem Norden kommend sich die Stadt zur Innenstadt verdichtet, ist er eine wohltuende Oase der Entschleunigung und der Ruhe. Doch mit der war es im vergangenen Jahr vorbei.

Vor den Friedhofstoren zogen die Demonstranten auf. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) ordneten ihr Stadtbahnnetz neu und die Strecke entlang des Pragfriedhofs nebst gleichnamiger Haltestelle wurde aufgegeben. Die Anwohner wollten den nahen Einstieg ins Stuttgarter ÖPNV-Netz nicht missen, die Friedhofsbesucher den kurzen Weg von der Bahn aufs Gräberfeld weiterhin nutzen können. Doch aller Protest verhallte ungehört: Die Stadtbahn lässt seit fast einem Jahr den Pragfriedhof links liegen und kurvt stattdessen durchs Europaviertel.

Wechselhafte Haltestellenbeschilderung

Nun aber, so kurz vor Weihnachten, werden Wünsche wahr. Die SSB halten vom 9. Dezember wieder am Pragfriedhof. Einziger Schönheitsfehler: Die Bahnen fahren weiter auf der neuen Strecke, die demontierte Haltestelle feiert keine Auferstehung. Stattdessen verleihen die SSBler dem bisherigen Halt Eckartshaldenweg den Namen Pragfriedhof, der dort bisher nur in Klammern stand und so den vormals dort angebrachten Hinweis auf ein in der Ecke ansässiges Versicherungsunternehmen verdrängte. Die abermalige Umfirmierung der Haltestelle sei logisch, „da sie nicht weit vom zentralen Zugang des Friedhofs an der Heilbronner Straße liegt und diese Möglichkeit der Anfahrt mit vier verschiedenen Stadtbahnlinien schon bisher von Friedhofsbesuchern stark genutzt wurde“, erklärt ein SSB-Sprecher.

Trotz der Nutzerzahlen hat die Nahverkehrstochter der Stadt im Sommer bei einer Sanierung des künftigen Halts „Pragfriedhof“ die Zahl der Fahrkartenautomaten auf eins reduziert – und begründet das mit den Ticket-Verkaufszahlen.




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