Stadtentwicklung Fellbach Händler fürchten Parkchaos durch Tower-Pläne

Einer fährt raus, einer dreht ab, fünf warten auf die  freie  Parklücke: Der ganz normale Wahnsinn im Rems-Murr-Center. Foto: Nicklas Santelli
Einer fährt raus, einer dreht ab, fünf warten auf die freie Parklücke: Der ganz normale Wahnsinn im Rems-Murr-Center. Foto: Nicklas Santelli

Die geplante Erweiterung der Gewa-Bauruine auf 192 Appartements lässt Gewerbetreibende im Rems-Murr-Center um ihre Umsatzzahlen bangen. Denn schon jetzt herrscht fast rund um die Uhr Parknot im Schatten des Fellbacher Wohnturms.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)
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Fellbach - Die Pläne von Immobilieninvestor Christoph Gröner für den früheren Gewa-Tower in Fellbach erregen nicht nur den Unmut in der Nachbarschaft wohnender Bürger. Auch bei umliegenden Einzelhändlern und Freizeiteinrichtungen regt sich Protest gegen eine massive Aufstockung der Wohnungszahl. Im Rems-Murr-Center wird befürchtet, dass das 107-Meter-Projekt nach seiner Fertigstellung den schon bestehenden Park-Notstand für die Handelsfläche deutlich verschärft. Wo, fragen sich die Geschäftsleute, sollen die neuen Nachbarn denn parken? Wo stellen Hotelgäste den Wagen ab? Und wo steht der fahrbare Untersatz, wenn im dritthöchsten Wohnhaus der Republik Freund, Tante oder Schwiegermutter zu Besuch kommt?

Stein des Anstoßes sind die Pläne von Tower-Investor Christoph Gröner

Dass die neuen Bewohner in dem an der Ausfallstraße Richtung B 14 liegenden Hochhaus tatsächlich auf ein eigenes Auto verzichten und im Alltag ausschließlich mitBus und Bahn mobil sind, halten Händler und Freizeitbetriebe im Rems-Murr-Center für reichlich unwahrscheinlich. Und auch Hotelgäste, die ihren Koffer am Fellbacher Bahnhof auf ein City-Bike schnallen und fröhlich pfeifend zur Herberge radeln, kommen aus Sicht der Gewerbetreibenden allenfalls in der Fantasie vor. Für sie ist klar, dass ein guter Teil der Tower-Bewohner die Karre auf dem in Blickweite liegenden Parkplatz des Shopping-Centers abstellen wird – und mit dem Füllen auch der letzten Lücke die Kundschaft verschreckt. „Durch unsere Frequenzanalysen ist jetzt schon messbar, dass uns durch die unbefriedigende Parksituation große Umsätze entgehen. Doch die Stadt lässt uns mit diesem Problem im Regen stehen“, klagt der Mediamarkt-Geschäftsführer Helmut Hartl über die Befürchtung, dass mit der Wohnungszahl im Tower auch der Parkdruck wächst. Der als Vorsitzender des Gewerbevereins Oeffingen bekannte Rewe-Chef Sebastian Aupperle ergänzt: „Es ist uns klar, dass die Übernahme durch den neuen Investor die einzige sinnvolle Lösung für den Tower war. Aber es kann nicht sein, dass wir und unsere Kunden das ausbaden müssen.“

Stein des Anstoßes sind die Pläne von Tower-Investor Christoph Gröner, das Projekt mit deutlich mehr Wohnungen doch noch in die Gewinnzone zu führen. Um aus der Übernahme der Bauruine ein lohnendes Geschäft zu machen, sollen in 34 Stockwerken nun 192 Appartements von 37 bis 77 Quadratmeter haben. Ursprünglich waren 66 Wohnungen im Luxus-Segment geplant. Statt auf einen Verkauf an Eigentümer zu setzen, kalkuliert Gröner mit Quadratmetermieten zwischen 14 und 17 Euro. Außerdem will er beim geplanten Hotel ein Stockwerk aufsatteln – vorgesehen ist nun eine Herberge mit 164 Zimmer mit Drei-Sterne-plus-Standard.

Auch bei der Hotelaufstockung legt Fellbach dem Retter für den Pleiteturm keine Steine in den Weg

Die Stadt Fellbach hat dem von Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli auf den letzten Drücker aus dem Hut gezauberten Investor die Bahn für die Überarbeitung der Projekpläne bereits geebnet. Kurz vor dem Verfall der Baugenehmigung entschieden die Stadträte, die geforderte Quote von 1,5 auf 0,8 Stellplätze pro Wohneinheit zu reduzieren. Auch bei der Hotelaufstockung legt Fellbach dem Retter für den Pleiteturm keine Steine in den Weg. Und: Sowohl die Stadt als auch Investor Gröner kündigten an, mit Car-Sharing-Angeboten und Buszubringer ein Mobilitätskonzept erstellen zu wollen. „Die 1,3 Kilometer zum Bahnhof sind überwindbar“, ließ sich die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys zitieren. Bei Nachbarn und Geschäftsleuten löste der Berliner Baulöwe dennoch ungläubiges Kopfschütteln aus. Im September versprach er nicht nur vollmundig, „dass unser Projekt das Umfeld nicht belasten wird“. Der 50-jährige überraschte auch mit der Aussage, für den neuerdings unter dem Titel „Schwabenlandtower“ vermarkteten Wohnturm und das angegliederte Hotel allenfalls 120 Stellplätze selbst zu brauchen. Der Rest könne an die unter Parkplatznot leidende Nachbarschaft vermietet werden.




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