Weil der Technologiekonzern Bosch seine Pläne, in der Leonberger Poststraße ein weiteres Gebäude mit einer Kantine für 800 Gäste und einem Kongresssaal zu bauen, erst einmal gestoppt hat, wollen die Grünen im städtischen Gemeinderat die anstehende Raumplanung für die Poststraße noch einmal grundlegend neu überdenken. Denn die Voraussetzungen für einen belebten „Shared Space“, in dem sich Fußgänger, Radfahrer und Autos gleichermaßen den Raum teilten, seien mit dem Wegfall des Projektes gar nicht mehr gegeben. Dadurch könne man bis zu 500 000 Euro sparen, lautet deren Argumentation. Unterstützung bekamen die Grünen im Planungsausschuss von der CDU und auch von den Freien Wählern.
Der Neubau soll Anfang des Jahres bezogen werden
Ein futuristisch anmutendes Gebäude, in dem die Entwicklung von Fahrassistenzsystem und das autonome Fahren vorangetrieben werden soll, baut Bosch derzeit an der Ecke Römerstraße/Poststraße. Es soll Anfang des kommenden Jahres bezogen werden. Der Konzern hat sich zudem bereit erklärt, neben den eigenen Außenanlagen auch einen Teil des Geländes zu gestalten, der auf städtischer Gemarkung liegt. Den anderen Bereich, die bisherige Fahrbahn inklusive, übernimmt die Stadt. Beides ist aufeinander abgestimmt. Die Verwaltung schätzt die Kosten dieser Maßnahme für die Stadt auf etwa 2,4 Millionen Euro und rechnet dabei mit Fördergeld von etwa 1,3 Millionen Euro.
Da Bosch das Gebäude in der Poststraße 59 zunächst nicht errichtet, soll die Umgestaltung der Poststraße nicht bis zur Kreuzung Max-Eyth-Straße, sondern nur von der Kreuzung Römerstraße bis zur Kreuzung Benzstraße erfolgen. „Auf Grund dieser Änderung wird kein nennenswerter Fußgängerverkehr über die Straße zu erwarten sein, der bereits bestehende LKW-Verkehr wird weiter fahren. Da wäre ein beidseitiger Radfahrstreifen vom Obi-Kreisel bis nach Eltingen, von den Fußgängern getrennt, sinnvoller“, sagte Grudrun Sach (Grüne). Für Jörg Langer (Freie Wähler) wäre der Campus-Charakter eine tolle Sache gewesen. „Doch jetzt ist die Sachlage anders, ohne diese Verbindung werden auch keine Fußgänger über die Straße unterwegs sein.“ Die Reißleine will auch Willi Wendel (CDU) ziehen: „Es macht keinen Sinn, in einem Industriegebiet ein schönes Pflaster zu legen, zudem plädiere ich auch dafür, die Bushaltestellen in der Römerstraße erst einmal so zu lassen wie sie sind.“ Auch Bernd Murschel (Grüne) schlägt vor, das Projekt Poststraße zu überdenken. „Da ist gerade so viel Veränderung drin, ausgelöst von Bosch selbst, meiner Meinung nach sollte der neue Gemeinderat, der nächstes Jahr gewählt wird, diese Entscheidung treffen.“ Fast sauer reagierte Christa Weiß (SPD) auf diese Wortbeiträge: „Ich kann es nicht fassen, dass wir wieder einen Schritt zurück machen, die Menschen sind froh, dass sich was tut.“ Und auch Dieter Maurmair (FDP) wollte nicht dieser Allianz beitreten, weil er das Projekt nicht weiter aufschieben will. „Wir sind jetzt so weit, diesen Bereich gestalten zu können.“
Der Bosch-Campus entfällt nicht komplett
Stefan Kerner, im Rathaus der Leiter des „Referats für innovative und intermodale Mobilität“ appellierte an die Räte, nicht alles über den Haufen zu werfen. „Der Bosch Campus entfällt nicht komplett, wir wollen den Platz hochwertig ausgestalten, dafür wurden bereits Planungskosten in Höhe von etwa 150 000 Euro ausgegeben.“ Sollte das Projekt gestoppt werden, wären die Kooperationsvereinbarung sowie der städtebauliche Vertrag mit Bosch nichtig – und auch die Fördermittel in Millionenhöhe würden verfallen. Zuletzt bliebe nur noch eine gewöhnliche Asphaltstraße. „Alles in Frage zu stellen halte ich für kritisch“, sagte Baubürgermeister Klaus Brenner. Man könne über Details diskutieren, wie beispielsweise den Belag. „Aber wir stecken bereits mitten im Bau.“
Über Planungsdetails könne man allerdings noch reden. So waren in der Entwurfsplanung zwischen Maybachstraße und Obi-Kreisel Baumbeete vorgesehen. Diese benötigen ein Wurzelvolumen von mindesten zwölf Kubikmeter. Unterirdisch muss der Stamm zu Leitungen und Kanälen einen Abstand von mindestens 2,5 Metern haben. Um dies zu gewährleisten, müssten die vorhandene Wasser- und Gasleitung umgelegt werden. Beide wurden erst vor sieben Jahren komplett erneuert. Der Leitungsbetreiber, die Stadtwerke Leonberg und Netze BW, lehnen eine Übernahme der Kosten ab, also wären sie von der Stadt zu tragen. Die Kosten der Umlegung sowie die Errichtung der Baumbeete schätzt die Verwaltung auf etwa 158 000 Euro. Hier könnte sich die Verwaltung durchweg vorstellen, die Pläne abzuspecken, indem man Stauden oder Sträucher pflanzt, die weniger tief auswurzeln.
Vom Planungsausschuss wurde die Verwaltung nun beauftragt, schnellstmöglich die Kostenrechnung noch einmal zu überprüfen und mögliche Einsparungsmöglichkeiten aufzuzeigen.