Stadtkind Stuttgart

Street-Art in Stuttgart Straßenkunst zwischen Buchdeckeln

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In Stuttgart gibt es mehr Street Art und Graffiti als in ein Buch passt. Doch es gibt nur wenige Bücher über Stuttgarter Street Art. Warum? Weil man damit auch auf die Nase fallen kann, wie Stefan Pfletschinger erfahren musste. Aber heute macht er es besser.

Mit ihrem Buch Street Art sind Stephan Pfletschinger und seine Mitstreiter damals auf ein geteiltes Echo gestoßen. Vielen war ... Foto: Repro 4 Bilder
Mit ihrem Buch "Street Art" sind Stephan Pfletschinger und seine Mitstreiter damals auf ein "geteiltes Echo" gestoßen. Vielen war ... Foto: Repro

Stuttgart - Wie soll man Street Art dokumentieren? Stephan Plfetschinger kann es nicht sagen. Er weiß aber, dass er für das Buch "Street Art Stuttgart", bei dem er als Grafikdesigner mitgewirkt hat, ordentlich einstecken musste. Kein Geld, sondern Kritik - und zwar von Seiten der Stuttgarter Szene. Wie das so ist, wenn man einfach mal ein Buch über Stuttgarter Street Art macht, "ohne dass jemand aus der Szene dabeigewesen wäre", sagt Pfletschinger.

Pfletschinger ist Ende vierzig, Grafikdesigner, Wohnung und Büro mit Blick auf den Kessel. Zur Street Art ist er gekommen, weil sie ihm gefällt - nicht etwa, weil er selbst sprühen würde. Bei Spaziergängen durch Stuttgart seien ihm immer die kleinen Graffiti, Sticker, Schablonenmalereien aufgefallen, erzählt Pfletschinger. Da habe er eben die Idee gehabt, das in Buchform zu packen. Gemeinsam mit  Ferry Hamm und Patrick Michel brachte er es 2009 heraus: 80 Seiten mit lauter Bildern aus den Stuttgarter Straßen, jeweils gerahmt und kommentiert.

Wie "Street" kann ein Buch sein?

Wer das Buch durchblättert, kommt sich vor wie bei einem auf Papier gebannten Galerierundgang. Das ist erklärte Absicht: "Wir haben einige Kunstwerke beziehungsweise Schmierereien von der Straße geholt, mit augenzwinkernden Fantasienamen versehen und in das geordnete Umfeld einer fiktiven Galerie verfrachtet", schreiben die Autoren in ihrem Vorwort.

Und genau damit hatten einige aus der Stuttgarter Szene ein Problem. Ein monochromes Schablonen-Graffito von einer Filmszene (gut gekleideter Gangster mit riesigem Colt) mit dem Fantasietitel "Mach dir deine Kehrwoche selber (Episode II)" zu versehen, samt gedrucktem Holzrahmen drumherum und an eine Wand mit Raufasertapete zu hängen, wie es Pfletschinger und seine Co-Autoren in ihrem Buch beispielsweise tun - das hat mit Straße wenig zu tun, "und das ist auf ein geteiltes Echo gestoßen", merkt Stephan Pfletschinger im Rückblick selbstkritisch an. Seine Maßstäbe als Grafiker seien vielleicht andere als die von Sprayern. Aber: "Heute wird genau dieses Prinzip etwa von der Urban Art Gallery umgesetzt."