Streik der Zeitungsredakteure Südwesten bereitet dem Kompromiss das Feld

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Die Streiks bei den Zeitungen könnten bald zu Ende gehen, der Höhepunkt ist bald erreicht - der Imageschaden ist schon groß genug.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Wann bemüht sich der Verdi-Chef sonst um eine Branche mit nur 14.000 Beschäftigten? Um die streikenden Tageszeitungsredakteure zu unterstützen, reist Frank Bsirske auch von Berlin nach Oberndorf. Denn diesmal geht es ums Grundsätzliche. "Wir müssen einer Politik Grenzen setzen, die auf die Entwertung des Berufsstandes zielt", mahnte er im Schwarzwald. "Billigheimer liefern keinen Qualitätsjournalismus."

Allmählich nähert sich die bis jetzt schärfste Auseinandersetzung der Branche ihrem Höhepunkt. Am Mittwoch steht die vielleicht entscheidende Verhandlungsrunde an. Es habe zwar Fortschritte gegeben, sagt Bsirske, "doch müssen sich die Verleger deutlich weiterbewegen". Beide Seiten haben ihre abschlussfähigen Gremien nach Hamburg eingeladen und kalkulieren ein Ringen bis in die Nacht ein. Dies zeigt erstmals die Bereitschaft, den Tarifstreit nach über einem Jahr und neun Verhandlungsrunden endlich zu beenden.

Vielfältig und kreativ verbreiten die Journalisten ihre Botschaften

In keinem Bundesland wird der Tarifkonflikt so massiv geführt wie im Südwesten. Etliche Redaktionen haben seit Mai schon mehr als 30 Streiktage hinter sich. Vielfältig und kreativ verbreiten die Journalisten ihre Botschaften in den Stadtzentren und im Internet. Am Freitag haben einige Redaktionen den kurz unterbrochenen Streik wieder aufgenommen; Montag folgen weitere - auch in Nordrhein-Westfalen und punktuell in anderen Ländern.

Maximalen Druck wollen Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) entfalten. Dass dies tatsächlich gelingt, wird an der Basis bezweifelt. In Bayern ist die Beteiligung dürftig: Trotz eines 99-prozentigen Votums in der Urabstimmung gibt es dort nur wenige Arbeitsniederlegungen - zum Unmut der Streikenden hierzulande. Eine bundesweite Strategie ließen die Gewerkschaften über Monate kaum erkennen.

Nunmehr geben wenige Belegschaften den Takt vor

Anfangs trauten sich Verdi und vor allem der DJV nicht zu mobilisieren, weil auch sie von dem Protestpotenzial überrascht wurden. Nunmehr geben wenige Belegschaften den Takt vor. Während der Streik andernorts erst auf Touren kommt, fürchten Redakteure im Südwesten, in ihrer Vorreiterrolle verschlissen zu werden. Ihnen zerrt der Ausstand an den Nerven.

Auch die Leser leiden unter dem Zwist, wenn ihre bestreikte Zeitung nicht mehr den gewohnten Umfang und Inhalt bietet. Ihr Unmut hat letztendlich dazu geführt, dass von Baden-Württemberg jüngst die Initiative zum erhofften Kompromiss ausging. Die von den Stuttgarter Tarifpartnern erarbeiteten Sondierungsergebnisse führten am 2. August zur ersten Annäherung auf Bundesebene.

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