ExklusivStreit um Cap-Märkte Auch SPD ist für einen Aldi in Untertürkheim

Von jon 

Ja zum Discounter und zu Cap-Märkten ist für die Stadträte kein Widerspruch. Ein Gutachten der Stadt schließt einen Parallelbetrieb aber aus.

Der Cap-Markt in Untertürkheim sichert seit vielen Jahren die Nahversorgung im Ort. Das gilt auch für Obertürkheim. Foto: Kuhn
Der Cap-Markt in Untertürkheim sichert seit vielen Jahren die Nahversorgung im Ort. Das gilt auch für Obertürkheim. Foto: Kuhn

Stuttgart - Die Cap-Lebensmittelmärkte in Unter- und Obertürkheim haben vom Technikausschuss erneut eine Bestandsgarantie erhalten. Dass diese Absichtserklärung belastungsfähig ist, bezweifeln allerdings die Verantwortlichen und Unterstützer dieser teils von Menschen mit Behinderung betriebenen Inklusionsbetriebe. Denn in Stellungnahmen von CDU, SPD, Freien Wählern, FDP und Stadtisten zur Neuordnung des Untertürkheimer Ortskerns und den damit verbundenen Gefahren für den Einzelhandel wurde deutlich, dass auch die Ansiedlung eines Discounters erwünscht ist. Ein Gutachten sagt aber eindeutig, dass ein Aldi im alten Postgebäude – wegen der wirtschaftlichen Verbundenheit – sowohl den Cap-Markt in Untertürkheim wie den in Obertürkheim in die Pleite treiben würde.

Stadt will Postareal von Aldi kaufen

Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne) brachte nun den Erwerb des Postareals, das Aldi gehört, durch die Stadt und eine Entwicklung durch die Wohnungsbautochter SWSG ins Spiel. Das fordern auch SÖS/Linke-plus. Für SPD-Fraktionschef Martin Körner ist die Discounter-Lösung damit aber nicht vom Tisch. Im Gegenteil: „Aldi kann auch Mieter sein.“ Er befürworte die Ansiedlung des Frequenzbringers. Diese Aussage ist für die Genossen in Obertürkheim kurz vor der Kommunalwahl ein Schlag ins Gesicht. Der Hinweis, natürlich müsse der Fortbestand des Cap-Markts in Obertürkheim gesichert werden, dürfte als Beruhigungspille empfunden werden. Von Discountern verursachte Umsatzrückgänge etwa mit Steuermitteln zu kompensieren, wäre jedenfalls ein in Stuttgart bisher unübliches Vorgehen.

FDP dreht den Spieß um: Cap-Markt verdrängt Aldi

Ernüchterung dürfte sich auch bei den Freien Wählern in Obertürkheim einstellen. Während Peter Aichinger und Co. für den einzigen Vollsortimenter im Ort kämpfen, sagte Stadträtin Rose von Stein, es ließe sich nach einer etwaige Schließung sicher rasch eine Alternative zum Cap-Markt finden. Obertürkheim hatte allerdings vor der Eröffnung 2003 jahrelang keinen Vollsortimenter. Nur Michael Conz muss vor Ort nichts befürchten. Er betonte: „Der Cap-Markt darf Aldi nicht verdrängen.“ Seine Haltung, die Läden seien trotz der dort beschäftigten Menschen mit Behinderung normale Anbieter und müssten sich am Markt behaupten, deckt sich mit jener der FDP im Bezirksbeirat.

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