Studierende in Stuttgart In dieser Mensa gibt es kein Fleisch mehr

Pommes, Brokkoli, Pasta: Küchenchef Werner Gillè zeigt die vegetarische Vielfalt am Büfett der Kunstakademie. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Als erste Mensa des Studierendenwerks Stuttgart gibt es in der Kunstakademie auf dem Weißenhof nur noch vegetarisches und veganes Essen. Gab das keinen Ärger? Und welches sind die Top-Drei-Gerichte?

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Ein bunter Teller vom Büfett, Reis-Tofu-Ananas-Bowl oder das Spargericht „veganer Renner“ für 2,99 Euro? Auf den ersten Blick würde vielleicht gar nicht auffallen, dass in der Mensa der Akademie der Bildenden Künste (ABK) in Stuttgart seit Kurzem etwas anders ist. Viel Auswahlmöglichkeit beim Essen gibt es nach wie vor. Aber man bekommt dort eben kein Schnitzel mehr, keine Currywurst, kein Lachsfilet und auch kein Salamibrot. Als erste Mensa und Cafeteria des Studierendenwerks Stuttgart ist die gastronomische Versorgung in der ABK seit Dezember 2023 rein vegetarisch und vegan.

 

„Der Trend ist klar erkennbar“, sagt Melanie Westphal, die Marketing-Leiterin des Studierendenwerks. So seien 2018 noch 25,5 Prozent aller Essen, die in den Mensen gewählt wurden, vegetarisch oder vegan gewesen, im Juli 2023 waren es bereits 53 Prozent. Das ist mehr als eine Verdopplung innerhalb von fünf Jahren. Zudem haben die vegetarischen Gerichte nun auch jene mit Fleisch oder Fisch überholt, so die Marketing-Leiterin.

Kunststudentinnen essen anders als Ingenieure

Allerdings zeigen die Erkenntnisse auch, dass es große Unterschiede zwischen den Standorten und den Studierenden gibt: „An der ABK lief vegetarisch und vegan schon immer am besten – vor allem, wenn man es mit der Mensa in Vaihingen vergleicht, wo viele Naturwissenschaftler studieren“, sagt Alexandra Bracht, eine der beiden Abteilungsleiterinnen für Gastronomie innerhalb des Studierendenwerks. So seien im Jahr 2022 im Schnitt 138 Essen pro Tag an der ABK verkauft worden, davon waren 91 der „vegane Renner“.

Nur an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg werde ähnlich oft vegetarisch und vegan gewählt. „Man sieht einen Unterschied, wenn an einem Standort viele weibliche Studierende sind oder wenn dort angehende Ingenieure studieren“, sagt Bracht. Spannend sei auch die Essensauswahl an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst: Weil dort viele internationale Studierende seien, kämen einerseits die Veggie-Gerichte, andererseits deutsche Klassiker wie Schweinshaxen gut an.

Kritik war: Speiseplan nicht vorschreiben lassen

Doch auch unter den Studierenden und Lehrpersonen der ABK waren welche, die bis zuletzt gerne Schnitzel, Currywurst, Spaghetti bolognese und Co. aßen. Was ist mit denen? Hatte das Studierendenwerk keine Angst vor lauter Empörung? „Wir hatten keine Angst vor Kritik, aber es gab welche“, sagt Marcel Ahle, der andere Abteilungsleiter für Gastronomie. Manche hätten etwa argumentiert, dass sie sich nicht ihren Speiseplan vorschreiben lassen wollten. „Aber das machen wir ja nicht.“ Jeder könne abends Fleisch essen und sich generell in seiner Freizeit ernähren, wie er oder sie wolle, sagt Ahle.

Die ABK dient auch als Experimentierküche für die größeren Mensen in Stuttgart. So wurde dort kürzlich ein Gerät gekauft, mit dem das Küchenteam selbst vegane Brotaufstriche herstellen kann. Manches jedoch lässt sich noch schwer ersetzen: etwa vegane Wurst als Beilage zu Linsen mit Spätzle. „Da haben wir noch kein gutes Ersatzprodukt gefunden, daher lassen wir die Wurst vorerst weg“, sagt Alexandra Bracht.

Top Drei: Pasta, Linsen und Spätzle und Wok-Gerichte

Weil an der ABK alles recht familiär zugeht, können Studierende und Lehrende ihre Rückmeldung direkt dem Küchenchef Werner Gillè mitteilen. „Oft schreiben die Studierenden auch etwas auf die Serviette“, berichtet Gillè. „Hat sehr lecker geschmeckt“, stünde oft drauf. Kürzlich habe jemand aus Quinoa einen traurigen Smiley auf dem Teller angerichtet, „der mochte wohl Quinoa nicht“. Auch mit Grünkern, Hartweizen und Spinat täten sich viele schwer.

Besonders gut kämen hingegen Linsen und Spätzle an sowie Wok-Gerichte und selbst gemachte Pasta mit Basilikum, berichtet der Küchenchef. Und der jüngste Renner seien Pappardelle (also breite, italienische Bandnudeln) mit Rucolapesto, Tomaten und Pinienkernen gewesen. „Das ist gelaufen wie die Feuerwehr“, sagt Werner Gillè. Und nach 26 Jahren als Koch beim Studierendenwerk hat er inzwischen eines gelernt: Es muss jeden Tag Pommes geben. „Ohne Pommes frites können die Studierenden nicht.“

Umstellung ging mit Umbau einher

Neueröffnung
Ende des vergangenen Jahres wurde die Mensa der Akademie der Bildenden Künste (ABK) auf dem Weißenhof umgebaut und modernisiert. In diesem Zuge wurde auch die Essensauswahl auf rein vegetarisch und vegan angepasst.

Vorteile
Seit dem Umbau kann man die Cafeteria abtrennen, sodass die Plätze, die bisher nur zum Essen genutzt wurden, auch als Lernraum dienen können. In den kommenden Monaten soll zudem noch eine Lounge gestaltet werden, außerdem ist ein Automat geplant, an dem es Verpflegung jenseits der Öffnungszeiten gibt. (jub)

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