Stuttgart 21 S-21-Gegner monieren fehlende Freigaben

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Zwar wird kommende Woche der Grundstein für den Bahnhof von Stuttgart 21 gelegt werden, und in der Baugrube im Schlossgarten werden die ersten Bahnsteige erkennbar – dennoch muss sich die Bahn jeden weiteren Bauabschnitt noch freigeben lassen

In der Baugrube  im Schlossgarten wird der Grundstein des Bahnhofs gelegt. Benachbarten Baufeldern fehlt allerdings noch die Freigabe. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
In der Baugrube im Schlossgarten wird der Grundstein des Bahnhofs gelegt. Benachbarten Baufeldern fehlt allerdings noch die Freigabe. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Kurz vor der Grundsteinlegung für den Bahnhof von Stuttgart 21 räumt die Bahn ein, dass sie nicht über alle erforderlichen Genehmigungen für den Bau der gesamten Bodenplatte des Bahnhofs verfügt. Aufgefallen ist dies den Projektgegnern, die sich zu den Ingenieuren 22 zusammengeschlossen haben. Den Baubeginn für die Bodenplatte hatte die Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm (PSU) Anfang Juli verkündet.

Bahn verweist auf komplexes Genehmigungsverfahren

Formal sieht sich die Bahn auf der sicheren Seite. Vereinfacht ausgedrückt gibt es zwei Instanzen, die der Bahn die Pläne genehmigen: das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) und der sogenannte Bauvorlageberechtige (BVB). Die Genehmigung des EBA bezieht sich tatsächlich auf die gesamte rund 80 mal 420 Meter große Bodenplatte, die allerdings in Segmenten gegossen wird. Der BVB hingegen gibt Bauabschnitt für Bauabschnitt frei. Auf Nachfrage räumt die Bahn ein, dass vom BVB nur die Bodenplatte im Bauabschnitt 16 freigegeben ist. Für alle anderen Abschnitten fehle diese Freigabe noch. Im Bereich des Bauabschnitts 16 soll am Freitag kommender Woche auch die symbolische Grundsteinlegung erfolgen. Die Kulisse dazu bieten die sich an dieser Stelle bereits abzeichnenden Bahnsteige der neuen Station.

„Ich finde es nicht akzeptabel, wenn von Bahn-Seite immer wieder versucht wird, einen falschen Eindruck über den Stand der Bauarbeiten und deren Genehmigung zu erwecken. Das stellt die Glaubwürdigkeit der Aussagen der DB grundsätzlich infrage“, schreibt Wolfgang Kuebart von den Ingenieuren 22, denen die Bahn-Projektgesellschaft Einblick in die Unterlagen ermöglicht hat.

Allein 330 Pläne für jede einzelne Kelchstütze

Bei der Bahn ist man überrascht vom Wirbel um die Genehmigungssituation. „Die baubegleitende Funktion des BVB ist zwar unter Baufachleuten bekannt, es wäre aber sinnvoll gewesen, dieses im Zuge der Genehmigung der Betonage der Bodenplatte nochmals deutlich herauszustellen, um Missverständnissen vorzubeugen“, sagt ein Projektsprecher auf Anfrage. Es sei „bei einem derart großen Bauwerk Standard, dass der Bauvorlageberechtigte sukzessive die jeweilige Bauausführung genehmigt, so wie es im Bauabschnitt 16 erfolgt ist“. Weitere Abschnitte, aber auch Pläne der für das Bahnhofsbauwerk charakteristischen Kelchstützen befänden sich derzeit im Prüflauf. Mit einer Freigabe rechnet die Bahn in den kommenden Wochen. Allein der Bau eines einzelnen Kelchs ist in 330 Plänen beschrieben, die allesamt dem Prüfer vorgelegt werden müssen.

Nachdem bereits der Ausschnitt einer Kelchstütze, der im Schlossgarten entstanden ist, der Begutachtung durch Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven standgehalten hat, experimentiert das Bauunternehmen Züblin, das den Bahnhof baut, derzeit nochmals mit einer veränderten Betonrezeptur an einem kleinen Teil einer Stütze. Zudem habe man nun eine Sommer- und eine Wintermischung des Baustoffs entwickelt, der auch bei stark schwankenden Außentemperaturen während des Betonierens zum immer gleichen optischen Ergebnis führen soll.

Drei Monate Bauzeit pro Stütze

Im Frühjahr 2017 soll die erste der Stützen, von denen 28 Stück das Bahnhofsdach halten, in den Himmel wachsen, sagt Ottmar Bögel von der Firma Züblin. Gut drei Monate veranschlagt der Fachmann für das Schalen, das Bewehren, das Betonieren und schließlich für den Abbau der Schalung bei jeder der Kelchstützen. Um die Wartezeit bis dahin zu überbrücken, hat das Bauunternehmen ein weiteres Modell im Maßstab 1:25 anfertigen lassen. Eine handelsübliche Schlumpffigur soll die Größenverhältnisse sichtbar machen. Das Fantasiegeschöpf wäre dann 1,20 Meter groß.

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