Stuttgart sucht Flächen Stadt: Hotels für Flüchtlinge auf Dauer zu teuer
Die Unterkünfte in Beherbergungsbetrieben sind laut Kommune auf Dauer zu teuer. Noch stehen Wohncontainer dem Kessel-Festival auf dem Wasen im Weg.
Die Unterkünfte in Beherbergungsbetrieben sind laut Kommune auf Dauer zu teuer. Noch stehen Wohncontainer dem Kessel-Festival auf dem Wasen im Weg.
Die Landeshauptstadt will bei ihrer Suche nach Flächen für Flüchtlingsbauten auch das EnBW-Areal am Gaskessel in den Blick nehmen. Auf der riesigen Brache, auf der einst Kohlehalden für das Heizkraftwerk Gaisburg aufgeschüttet worden waren, wären größere Unterkünfte in Modulbauweise möglich. Grundsätzlich, so Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) auf Anfrage, müsse die Stadt „sukzessive runterkommen von Hotelanmietungen, denn diese sind auf Dauer zu teuer“.
Hotelbetreiber hatten der Stadt zwar 2023 weitere Angebote gemacht und Verträge verlängert, die Preise waren dabei aber gestiegen. Bei den jüngsten Anmietungen wurden bis zu 13 700 Euro pro Person und Jahr fällig. Rund 2000 Geflüchtete sind in der Stadt in Hotels untergebracht, die Stadt betrachtet diese Art der Unterbringung wie in Hallen als Notmaßnahme. In der Regel muss die Stadt in den Hotels zusätzlich ein Catering buchen, weil auf den Zimmern nicht gekocht werden kann. Auch das treibt die Kosten. Sie liegen in der Spitze bei 9700 Euro pro Person und Jahr.
Aktuell ist die Kommune unter Druck, weil sie laut Integrationsministerium aus dem Vorjahr ein Defizit von 509 zu wenig aufgenommen Flüchtlingen ausgleichen muss. Über den Abbau sein man im Gespräch, so Fuhrmann. Klar sei, dass zum Beispiel große Einrichtungen wie die beiden Nebenhallen der Schleyerhalle weiterhin genutzt werden müssten, dort können rund 700 Menschen untergebracht werden. Noch nicht mit absoluter Sicherheit versprechen kann der Finanzbürgermeister den Abbau von 138 Containern im Reitstadion. Sie waren erst im Dezember 2023 bezogen worden, sollen aber bis zum 30. April bereits wieder weichen. Ansonsten stünden sie dem Kessel Festival (Ende Mai) und der Kinderspielstadt Stutengarten (August) im Weg. Die 552 Wohnplätze im Reitstadion seine nicht voll belegt, „ich bin optimistisch, dass wir adäquaten Ersatz finden“, so Fuhrmann. In Hedelfingen (Amstetter Straße) und Plieningen (Entenäcker) gehe der Aufbau von 124 und 156 Wohnplätzen voran. Die Kosten dafür liegen bei rund 20 Millionen Euro.
Würde die Frist im Reitstadion nicht gehalten werden können, müsse man mit den Veranstaltern sprechen. „Wir planen wie in den Vorjahren das Sport-, Kinder- und Familienprogramm im Reitstadion“, sagt Christian Doll, der Geschäftsführer des Kessel Festivals. Sollte die Fläche nicht zur Verfügung stehen, wolle man so schnell wie möglich mit der Stadt sprechen. „Je später die Ansage käme, desto schwieriger würde es für uns“, appelliert Doll an die Stadt, sehr bald verbindliche Signale zu senden.
In dem vom Integrationsministerium als möglichen Standort für eine Landes-Erstaufnahmeeinrichtung (LEA) genannten früheren Areal des Computerkonzerns IBM in Vaihingen sieht Fuhrmann keine Option für die Stadt. Der Aufwand für den Umbau des Bürokomplexes sei sehr hoch, technische Instandsetzungen (zum Beispiel die Heizung) zwingend. Ein Auge will die Stadt aber auf die EnBW-Fläche am Gaskessel werfen. Für eine dauerhafte Neunutzung müsste wohl erst Baurecht geschaffen werden. Daher sehe die Stadt hier eine „Potenzialfläche“ für temporäre Fertigbauten für Flüchtlinge.
Auch private Flächen, auf denen Neubau vorgesehen war, werden geprüft. Die Zinsentwicklung und die Verteuerung der Baupreise hätten zu einem „Stopp von Bauvorhaben in der Stadt in bisher nicht bekannter Ausprägung“ geführt, bedauert Fuhrmann. Damit gebe es Flächen, die womöglich über einige Jahre zur Aufnahme von Flüchtlingen genutzt werden könnten. An der Anmietung dieser Flächen arbeite man, „denn wir wollen das allerletzte Mittel, nämlich die Nutzung von Sporthallen, auch weiterhin vermeiden“, so der Bürgermeister.